Zu ungewöhnlicher Zeit an einem Montagabend (19.30 Uhr) beschließt Rot-Weiss Essen den 30.?Spieltag.

Am Montag wegen der AFD

Keine gemütliche Rheinfahrt für RWE

Ralf Wilhelm
24. April 2017, 08:07 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Zu ungewöhnlicher Zeit an einem Montagabend (19.30 Uhr) beschließt Rot-Weiss Essen den 30.?Spieltag.

Der AfD-Parteitag in Köln erforderte alle Sicherheitskräfte, da blieb kein Personal mehr für die Regionalliga. Einen Tag länger Pause, was den Rot-Weissen durchaus gelegen kam. Nach dem 1:0-Sieg über Schalkes U 23 vor Ostern gab Sven Demandt seinen Spielern erst einmal vier Tage Freizeit, um den ziemlich leeren Akku wieder aufzuladen. Inzwischen sei er wieder randvoll. „Ich glaube schon, dass uns die Pause gut getan hat, aber am besten war natürlich, dass wir dies mit dem letzten Ergebnis tun konnten. Siege tun immer gut”, meinte der RWE-Coach.

Kaum zurück im Trainingsgeschäft, musste er den nächsten Nackenschlag hinnehmen: Marcel Platzek, erfolgreichster Essener Schütze, unterzog sich letzten Dienstag einer Nasen-OP. Der Stürmer, ohnehin Pollen-Allergiker, litt unter einer Nasenscheidewand-Verkrümmung und bekam kaum noch richtig Luft. „Da ging gar nichts mehr, wir müssen schauen, wann er wieder zur Verfügung steht, aber bis zum Pokalfinale sollte es reichen”, so Demandt. Da trifft es sich gut, dass der inzwischen arg ausgedünnte Kader durch zwei Stammkräfte aufgefüllt wird. Kevin Grund hat seine Fußprobleme endlich überwunden und stieg am Freitag wieder ins normale Training ein, während Kasim Rabihic bis dahin wieder zwei Einheiten absolviert hatte, ohne Probleme. Nur Timo Becker klagte noch über Knöchelprobleme.

Aber der Trainer erträgt diese Fluktuationen immer mit seiner ihm eigenen Unaufgeregtheit. Was ihn schon eher erzürnen kann, sind seiner Ansicht nach ungerechtfertigte Vorwürfe an sein Team: „Irgendwo habe ich von einem Fan gelesen, es müsse die Charakterfrage gestellt werden. Also, die Mannschaft hat Charakter, das kann ich versichern. Unabhängig davon habe ich in der Pause beim Schalke-Spiel sie für ihre Art, Fußball zu spielen, kritisiert, weil sie Angst hatte, Fußball zu spielen. Sie hatte nicht die nötige Lockerheit, weil sie eher zu viel will. Aber eins steht auch fest: Sie spielt anders als im August”, hielt Demandt ein Plädoyer für sein Team.

Und es habe auch einfach mal das Quäntchen Glück gefehlt, um einen Lauf zu bekommen, wie es anderen Mannschaften glückte. Zum Beispiel dem heutigen Gegner 1. FC Köln. Über Jahre immer in der Verlosung, wenn die Abstiegskandidaten gesucht wurden, haben die kleinen Geißböcke nach dem Trainerwechsel von Stefan Emmerling zu Ex-Nationalspieler Patrick Helmes eine erstaunliche Wendung vollzogen, nach zuletzt fünf Siegen in Folge – darunter das prestigeträchtige Derby gegen die Viktoria – hat sich die U21 klammheimlich vor RWE geschoben. Was nicht nur am Trainerwechsel liege.

Kölner haben an Erfahrung gewonnen
Die blutjunge Truppe hat mit den drei herausragenden Kräften Marius Laux (31), Michael Klauss (30) und Torjäger Roman Prokoph (31) enorm an Qualität und Erfahrung gewonnen, was sich nun auch in den Ergebnissen niederschlägt. Im Hinspiel verloren die Kölner noch 2:5 an der Hafenstraße. „Die Drei machen den Unterschied aus, und die anderen in dieser typischen U-Mannschaft können alle kicken”, lautet Demandts Analyse.

Es wird also alles andere als eine gemütliche Rheinfahrt ins Franz-Kremer-Stadion geben, zumal mit den jüngsten Problemen im Angriff. Aber vielleicht ist Platzeks Ausfall die Chance für einen anderen, wieder mehr ins Zentrum zu rücken: Auf Kamil Bednarski kommt wohl die Aufgabe zu, die nötige Torgefahr auszustrahlen. „Viel mehr Möglichkeiten haben wir ja auch nicht”, grinst der Coach, allenfalls Roussel Ngankam könnte Bednarski die Rolle streitig machen. Auch da sieht Demandt die Kritik am Neuzugang aus Wiedenbrück überzogen: „Ohne die genauen Werte zu kennen, bin ich mir sicher, dass Kamil mit die meisten Laufwege macht. Die lange Verletzungspause war nicht einfach für ihn. Ich bin überzeugt, dass er in der neuen Saison wieder an die Leistung von früher anknüpfen wird.”

Und es kann ja auch gut sein, dass der 31-Jährige bis dahin Unterstützung erhält. Denn das ist ja allen klar: Hinten steht das Team sicher, vorne muss einiges getan werden. Und da sind die Beteiligten zur Zeit auf der Suche. Demandt: „So viel mehr braucht man nicht, wir suchen die zwei oder drei Spieler, die uns besser machen.” Und die dem Druck standhalten, vor größerer Kulisse aufzulaufen. „Da rufen immer alle vorher, wie geil es ist, vor dieser Kulisse spielen zu dürfen. Aber die Wirklichkeit sieht manchmal ganz anders aus”, weiß der Ex-Profi.

Autor: Ralf Wilhelm

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