Der MSV Duisburg sorgt in der noch jungen Spielzeit für positive Schlagzeilen. Während andere, weitaus stärker eingestufte Teams noch nach dem Erfolg suchen, hat der Neuling bereits sechs Punkte gesammelt.

MSV-Kapitän Ivica Grlic mahnt trotz des tollen Starts zur Besonnenheit

"UI-Cup? Alles andere als Platz 15 ist Nebensache!"

Thomas Tartemann
07. September 2007, 13:19 Uhr

Der MSV Duisburg sorgt in der noch jungen Spielzeit für positive Schlagzeilen. Während andere, weitaus stärker eingestufte Teams noch nach dem Erfolg suchen, hat der Neuling bereits sechs Punkte gesammelt. "Wir dürfen trotzdem nicht abheben", warnt Ivica Grlic. RevierSport unterhielt sich mit dem Kapitän über den Start, die Zusammensetzung des Kaders und seine Wandlung zum absoluten Führungsspieler.

Ivica Grlic, der MSV steht im Revier-Ranking punktgleich mit Schalke 04 auf einem einstelligen Tabellenplatz und ist sogar vor den hochgehandelten Dortmundern platziert. Bedeutet Ihnen das etwas?

Für mich persönlich ist das nicht wichtig, aber insgesamt ist es sicherlich schön anzusehen, dass wir mit Vizemeister Schalke punktgleich sind. Nach zehn Spielen wird die Tabelle mehr Aussagekraft besitzen. Das ist jetzt nur eine Momentaufnahme.

Hätten Sie mit der Zwischen-Bilanz gerechnet?

Es hätte keiner erwartet, dass wir so gut aus den Startlöchern kommen. Die Leistungen waren in allen vier Begegnungen gut, aber wir dürfen trotzdem nicht abheben. Es ist ein gutes Gefühl, zu beweisen, dass wir nicht Abstiegskandidat Nummer eins sind, wie manche Experten vor dem Start gedacht hatten.

Im Fan-Lager wird nach dem klaren 3:0 über Arminia teilweise schon über neue Ziele diskutiert...
Wir dürfen nicht träumen. Ui-Cup oder Uefa-Cup sind für uns als Aufsteiger absolut unrealistisch. Alles andere als Platz 15 ist völlig nebensächlich. Wichtig ist, dass wir nach 34 Partien über dem Strich stehen. Ich weiß, dass auch Mal schlechtere Zeiten kommen werden, in denen wir nicht so viele Punkte holen.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/002/822-2858_preview.jpeg Foto: firo.[/imgbox]
Ist es trotzdem schwer, die Bodenhaftung zu behalten?

Wenn einer nicht mit 100 Prozent bei der Arbeit ist, muss sofort dazwischengehauen werden. Ich glaube aber ehrlich gesagt nicht, dass wir Charaktere im Kader haben, die abheben. Auch nach dem 3:1 in Dortmund haben wir ganz konzentriert weitergemacht.

Dann folgten zwei Niederlagen...
Gegen Wolfsburg hätte es auch anders laufen können, wenn uns das erste Tor gelungen wäre. So sind wir deutlich in Rückstand geraten. Danach folgte das 0:1 in Stuttgart, gegen Bielefeld merkte man zuletzt etwas Verunsicherung. Doch nach der Pause haben wir komplett gut gespielt, die Fans mitgerissen. So macht Fußball Spaß.

Dadurch fällt die zweiwöchige Spielpause nicht ganz so schwer, oder?

Es ist immer besser, wenn du mit einem positiven Ergebnis in so eine Unterbrechung gehst. So können wir einfacher arbeiten, als wenn wir eine Niederlage im Nacken hätten.

Sie waren vor zwei Jahren, als Siege Mangelware waren und man sich nach der Eichhörnchen-Methode durch die Saison hangelte, auch schon dabei. Vergleichen Sie doch Mal damals und heute.
Es ist ein ganz anderer MSV als nach dem letzten Aufstieg. Qualitativ sind wir besser besetzt, Präsident Walter Hellmich und Trainer Rudi Bommer haben das Team gut zusammengestellt. Die Neueinkäufe waren gezielt, alle haben eingeschlagen. Ganz gleich, ob Maicon, Georgiev oder Ishiaku. Es passt, wir treten als geschlossene Einheit auf. Jeder ist für den anderen da, keiner fällt negativ auf. Ich denke, das sieht man auch auf dem Platz.,

Stichwort Integration!

Das bekommen wir gut hin. Wir haben schon sehr viele Sachen gemeinsam unternommen, es gab eine Einladung vom Präsidenten, es wurden Geburtstage zusammen gefeiert, um sich näher kennenzulernen. Bei uns geht es schon ziemlich lustig zu, wenn ich für Blagoy Georgiev übersetzen muss und er dann für Maicon. Aber die Fußball-Sprache ist einfach, auch das ist zu lösen.

Was halten Sie vom Vergleich mit den Mainzern, die sich über Jahre in der Bundesliga etabliert hatten?
Mainz ist Mainz, wir sind der MSV. Außerdem ist das Stadion in Duisburg schöner, wir haben sehr gute Fans, die uns immer unterstützen. Wir wollen sicherlich auch unsere feste Rolle einnehmen, müssen uns das aber hart erarbeiten. Wenn das in dieser Saison klappt, kann der nächste Schritt geplant werden.

Kommen wir zu Ihrer Rolle: In der Zweiten Liga drehten Sie in der heißen Phase entscheidend am Aufstiegsrad, danach wurde der Vertrag verlängert, sie spielten eine gute Vorbereitung, wurden Kapitän. Wie haben Sie die Entwicklung erlebt?

Die letzten vier, fünf Monate liefen für mich wirklich sehr gut. Das Vertrauen vom Trainer, Präsidenten, von den Offiziellen war da. Es ist schön, dass ich es mit Leistung zurückzahlen kann. Vor zwei Jahren spürte ich immer wieder Gegenwind, das ist jetzt anders. Ich kannte Rudi Bommer vor seinem Amtsantritt noch nicht, wir arbeiten seit über einem Jahr zusammen, er gibt mir Rückendeckung. Den Status, den ich momentan einnehme, habe ich mir erarbeitet. Ich weiß aber, dass einer alleine nichts schafft. Es geht nur zusammen.

Angeblich haben Sie eine offizielle Einladung von Bosnien-Herzegowina zum EM-Quali-Spiel gegen Ungarn abgesagt. Stimmt das?

Nein. Es gab Kontakte über dritte oder vierte Personen, die gefragt haben, ob ich an einer Rückkehr interessiert wäre. Bosnien will fünf, sechs Mann zurückholen, auch Schalkes Zlatan Bajramovic. Ich habe Rudi Bommer aber schon vorher gesagt, dass ich mich voll auf den MSV konzentriere. Ich will meine Energie dem Verein widmen. Außerdem habe ich eine Familie, bei Länderspielreisen wäre man mehrere Tage unterwegs. Mit 26 Jahren hätte ich vielleicht anders gedacht, aber die Nationalelf ist für mich kein Thema mehr.

Autor: Thomas Tartemann

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