Jörg Krempicki begründet seinen Abschied von Horst 08 zum Saisonende mit fehlender Motivation. Über die Zukunft macht er sich keine Gedanken.

SV Horst 08

"Vielleicht habe ich den Verein überfordert"

Michael Koch
28. Januar 2017, 11:31 Uhr
Foto: Thomas Schmidtke

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Jörg Krempicki begründet seinen Abschied von Horst 08 zum Saisonende mit fehlender Motivation. Über die Zukunft macht er sich keine Gedanken.

Kein Verein im Gelsenkirchener Amateurfußball hat in den vergangenen fünf Jahren eine so stetige Entwicklung genommen wie der SV Horst 08, kein Trainer war in dieser Zeit so erfolgreich wie Jörg Krempicki. Und trotzdem trennen sich ihre Wege nach Ablauf dieser Saison. „Nach einer so langen gemeinsamen Zeit ist man auch mal leer“, sagt der 53-Jährige. „Was nichts mit dem Fußball an sich und der Intensität zu tun hat, mit der ich meine Aufgabe erledige, sondern damit, dass mir die Motivation fehlt, in dieser Form noch ein weiteres Jahr in Horst dran zu hängen.“

Mein Ziel ist es nicht, etwas zu verwalten, sondern in Tabellenregionen vorzustoßen, in denen man junge Leute auch mal in aller Ruhe entwickeln kann
Jörg Krempicki

Die fünf Jahre am Schollbruch, sie waren trotz aller Erfolge nicht vergnügungssteuerpflichtig für Jörg Krempicki. „Wir haben zwar in den ersten beiden Spielzeiten den Durchmarsch von der Bezirksliga in die Westfalenliga geschafft, aber es war nicht so, dass wir wie das Messer durch die Butter gegangen sind. Wir standen permanent unter Druck, auch in den jetzt fast drei Jahren in der Westfalenliga, als es für uns stets darum ging, die Spielklasse zu halten.“

Immer wieder junge Leute zu entwickeln, sie aufzubauen, um mit ihnen unter Druck den Abstiegskampf in der Westfalenliga zu meistern, das wollte Jörg Krempicki nicht mehr. „Die Trennung war abzusehen. Vielleicht habe ich den Verein überfordert“, sagt er. „Mein Ziel ist es nicht, etwas zu verwalten, sondern in Tabellenregionen vorzustoßen, in denen man junge Leute auch mal in aller Ruhe entwickeln kann.“

Krempicki beschäftigt sich nicht mit anderen Vereinen

Der Vorstand hat andere Vorstellungen, ihm liegt nicht nur die Fußball-Abteilung am Herzen, sondern der gesamte Verein. „In offenen und konstruktiven Gesprächen hat sich ergeben, dass sich die Zielvorstellungen der beiden Partner für die kommende Spielzeit nicht mehr in Einklang bringen lassen“, sagt Vorsitzender Ulrich Schacht. „Von daher war es notwendig, diesen Schritt zu gehen.“

Schmutzige Wäsche werden weder Ulrich Schacht noch Jörg Krempicki waschen. Alleine schon deshalb nicht, weil es keine gibt. „Nach einer so langen Zusammenarbeit ist es nicht ungewöhnlich, dass man auseinandergeht“, sagt der Coach und fügt hinzu. „Ulrich Schacht und ich haben immer perfekt zusammengearbeitet.“

Für beide Seiten ist klar, dass Jörg Krempicki auch an den restlichen Spieltagen der laufenden Saison als Trainer an der Linie stehen wird. „Wir sind davon überzeugt, dass wir auch diese Saison positiv beenden werden“, sagt Ulrich Schacht. „Und danach wird es dann eine gebührende Verabschiedung des verdienten Trainers geben.“

Und wie geht es danach mit Jörg Krempicki weiter? „Darüber mache ich mir derzeit keine großen Gedanken“, betont er. „Es gibt einige lockere Anfragen, bisher aber nur Geplänkel. Ich werde mich in den kommenden Monaten voll und ganz auf meine Aufgabe in Horst konzentrieren, denn die ist schwierig genug. Wir wollen unbedingt die Westfalenliga halten. Da bleibt für mich keine Zeit, mich mit anderen Klubs zu beschäftigen.“

Der zeitliche Aufwand, den Jörg Krempicki in Horst betreibt, ist enorm. Er kümmert sich nicht nur um das Coaching, sondern auch um alles, was drumherum noch anliegt. „Ich habe eine Familie und arbeite vollberuflich“, sagt der Rott­hauser. „Mehr Zeit als in Horst werde ich auch für einen anderen Klub nicht aufbringen können.“ Welcher Klub das sein wird, ist völlig offen. Nur so viel steht für Jörg Krempicki fest: „Ich werde fußballerisch nicht von der Bildfläche verschwinden.“

Autor: Michael Koch

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