Die Bälle liegen auf dem Trainingsplatz im Mittelkreis, das Tor ist verwaist.

Teamcheck

Warum der Aufstieg für den MSV so wichtig wäre

Dirk Retzlaff
18. Januar 2017, 20:47 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Die Bälle liegen auf dem Trainingsplatz im Mittelkreis, das Tor ist verwaist.

Die Drittliga-Fußballer des MSV Duisburg sollen den Ball ins leere Tor schießen. Wer nicht trifft, muss fünf Euro in die Mannschaftskasse zahlen. Am Ende nimmt Kassenwart und Vizekapitän Kevin Wolze 35 Euro ein. Der MSV überwintert im Trainingslager an der Algarve als Tabellenführer. Trotzdem lief in der Hinrunde nicht alles rund. Vor allem die Torquote – nur 21 Treffer in 19 Spielen – stellte Trainer Ilia Gruev nicht zufrieden.

In Almancil will der Zweitliga-Absteiger bis Freitag den Grundstein für den Wiederaufstieg legen. Trainer Gruev spricht bei Sonnenschein und Temperaturen bis zu 18 Grad Celsius nicht nur von „perfekten Bedingungen“. Der 47-Jährige genießt in diesen Tagen einen personellen Luxus: Der Teamarzt verlebt in Portugal eine angenehme Zeit, alle Spieler sind fit.

Restschuld über 3,5 Millionen Euro
Das wird nicht so bleiben. Und: Die Zebras müssen der Favoritenrolle gerecht werden, um ruhiges Fahrwasser zu erreichen. „Je länger wir drittklassig spielen, desto komplizierter wird die finanzielle Situation“, sagt Klub-Präsident Ingo Wald. In der 3. Liga schreibt der MSV rote Zahlen. Hinzu kommt: Im Sommer muss der MSV die Restschuld aus dem vor drei Jahren erzielten Schuldenschnitt – rund 3,5 Millionen Euro – bedienen.

Umso wichtiger wäre der Zweitliga-Aufstieg, der dem MSV den Weg zu lukrativen Fernsehgeld-Töpfen ebnen würde. Selbst für den Trainingslager-Aufenthalt musste sich der MSV strecken. Die Kosten sind in Portugal erheblich höher als in der Türkei, wo der MSV in den vergangenen sieben Jahren überwinterte. Externe Geldgeber finanzierten einen Teil der Kosten.

Auch aus finanziellen Gründen verzichtet der MSV auf Wintereinkäufe. Doch Sportdirektor Ivica Grlic verweist auch auf die Qualität des Kaders. „Wir vertrauen unserer Truppe“, unterstreicht der 41-Jährige. In Portugal erreichte der MSV im Testspiel gegen Zweitligist VfB Stuttgart ein 0:0 und bewegte sich über weite Strecken auf Augenhöhe mit den Schwaben. Das macht den Verantwortlichen Mut.

„Wenn wir noch etwas machen, dann nur mit Hinblick auf die nächste Saison nach einem möglichen Zweitliga-Aufstieg. Solche Spieler sind im Winter aber schwer zu bekommen.“ Auch wenn die Duisburger jetzt ihrem Kader vertrauen, wird die Planung im Aufstiegsfall ambitioniert sein. Vor zwei Jahren vertraute der MSV nach dem Aufstieg zum großen Teil seiner Drittliga-Mannschaft. Der Kader war in der Zweiten Liga überfordert, die personellen Nachbesserungen reichten am Ende für den Klassenerhalt nicht aus. So etwas soll sich nicht wiederholen.

Magdeburg legt personell nach
Doch zunächst steht der Aufstiegskampf im Fokus. Mit drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang starten die Duisburger in die zweite Serie. Dass die Konkurrenz – vor allem Verfolger 1. FC Magdeburg – im Winter personell nachlegte, löst beim Spitzenreiter keine Beunruhigung aus. „Wir sind eingespielt. Die anderen Klubs müssen ihre Neuzugänge erst einmal integrieren. Ich sehe da keinen Nachteil für uns“, sagt Torwart Mark Flekken, der in der Hinrunde nur elf Treffer kassierte. Flekkens Rechnung: „Holen wir im Schnitt zwei Punkte pro Spiel, werden wir uns unseren großen Traum erfüllen.“

Autor: Dirk Retzlaff

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren