Offen wie noch nie hat der frühere Dortmunder Kapitän erzählt, warum er im Sommer des vergangenen Jahres zum FC Bayern zurückkehren wollte.

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Hummels spricht über Beweggründe für BVB-Abschied

Andreas Berten
17. Januar 2017, 18:57 Uhr
Foto: dpa

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Offen wie noch nie hat der frühere Dortmunder Kapitän erzählt, warum er im Sommer des vergangenen Jahres zum FC Bayern zurückkehren wollte.

Mats Hummels hat offen wie noch nie erläutert, dass private Gründe maßgeblich zu der Entscheidung beigetragen haben, im zurückliegenden Sommer von Borussia Dortmund zum FC Bayern München zurückzuwechseln. In einem gemeinsam mit seinem Bruder Jonas (26) geführten Interview für das Stern-Magazin nennt der 28-Jährige familiäre Bedürfnisse als Hauptgrund für seinen Abschied im Sommer 2016 aus dem Dortmund. „Von den acht Geburtstagen, die ich in Dortmund spielte, war ich nur einmal da. Die anderen Male saß ich traurig zu Hause“, erklärt der Weltmeister, „ich hab unglaublich viel verpasst.“

Hummels habe die zu der in München beheimateten Familie und zum Freundeskreis vermisst. Selbst wenn er mal in der bayrischen Metropole zu einem Geburtstag bei Freunden vorbeikommen konnte, „hab ich zwei Drittel der Witze nicht verstanden, weil das alles Insider waren. Ich hab mitgelacht, aber eigentlich hab ich gemerkt: Okay, krass, ich gehöre nicht mehr richtig dazu. Die wussten alles voneinander, und ich wusste gar nichts.“

Der Innenverteidiger, der 1995 das Fußballspielen beim FC Bayern begonnen hatte, war in der Winterpause der Saison 2007/08 zum BVB verliehen worden, um Spielpraxis zu sammeln. Wenige Monate vor Anlauf des Leihgeschäftes Mitte 2009 entschloss sich die Borussia, Hummels fest zu verpflichten. 2011 und 2012 wurde Hummels mit Schwarz-Gelb Meister, 2012 gab es sogar das Double als Meister und Pokalsieger. Im vergangenen Sommer ging der Weltmeister von 2014 für 38 Millionen Euro Ablöse zurück an die Isar.

In dem Interview wird das enge Verhältnis der beiden Brüder deutlich. Bei seinem Weggang aus München sei es Mats Hummels schwer gefallen, den Bruder zurückzulassen. „Du bist am Anfang auch jeden freien Tag nach München gekommen“, erinnert sich Jonas. Neben der räumlichen Trennung hat mit der Zeit aber auch der sportlich unterschiedliche Werdegang teilweise zu einer Entfremdung geführt. „Also über die Erfolge mit dem BVB habe ich mich unendlich gefreut. Bei der WM war meine Stimmung ... gedrückt, irgendwie“, erzählt Jonas. Neid habe er keinen verspürt, „ich habe lange gebraucht, das zu verstehen. Irgendwie dachte ich: Fuck, jetzt wird die Diskrepanz zwischen Mats und mir langsam ein bisschen groß.“ So sei es schwierig geworden, Gesprächsthemen zu finden: „Mats war spätestens nach der WM für die Leute ein Megasuperstar, und ich eiere in der 3. Liga rum. Was soll ich mit ihm reden? Hey Mats, Samstag spiele ich gegen Sonnenhof Großaspach.“ Erst nach der Rückkehr, räumt Mats Hummels ein, hätten sie darüber sprechen können.

Besonders schwer war es für Mats Hummels, vom Grund der späteren Sportinvalidität seines Bruders zu erfahren. Kurz nachdem er in Brasilien den WM-Titel geholt hatte, riss sich Jonas zum zweiten Mal das Kreuzband, zum Ende der Saison 2015/16 beendete er seine Karriere. Mats Hummels habe die Nachricht von der Verletzung im Urlaub in Nizza ereilt. „Als ich davon erfuhr, war ich am Boden zerstört. Cathy wollte direkt heim, damit ich zum Jonas kann. Wir hatten beide immer den Traum, uns mal in einem Pflichtspiel als Kapitäne die Hand zu geben. In dem Moment war mir klar, das wird nichts mehr. Da wird selbst ein WM-Titel ziemlich schnell egal.“

Autor: Andreas Berten

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