Der Trainer des MSV Duisburg zieht am Ende des Trainingslagers in St.?Johann ein positives Fazit. Die Startaufstellung für die Liga ist noch völlig offen.

MSV

So baut Trainer Gruev die Zebras auf

Thomas Tartemann
15. Juli 2016, 06:07 Uhr

Der Trainer des MSV Duisburg zieht am Ende des Trainingslagers in St.?Johann ein positives Fazit. Die Startaufstellung für die Liga ist noch völlig offen.

Zum Abschied zeigte St. Johann dem Fußball-Drittligisten MSV Duisburg die kalte Schulter. Bei 8 Grad Außentemperatur und leichtem Regen verabschiedeten sich die Zebras gestern nach ihrer Laufeinheit aus Tirol. Für Trainer Ilia Gruev spielten die zum Schluss schlechten Wetterverhältnisse, die sogar für eine abgebrochene Trainingseinheit sorgten, nur eine untergeordnete Rolle. Der Fußballlehrer zog in den zehn Tagen in Tirol sein ausgearbeitetes Programm durch und bei einer Tasse heißem Espresso ein positives Fazit.

„Stand heute weiß ich keine acht Leute, die am ersten Spieltag in unserer Startformation stehen“, sagt Gruev und bestätigt damit die Einschätzung seines Innenverteidigers Enis Hajri. Der Routinier: „Unser Coach wird es richtig schwer haben. Wir haben einen Kader, mit dem wir Ausfälle ohne Qualitätsverlust kompensieren können.“ Alleine für die Sechser-Positionen kann Gruev mit Martin Dausch, Baris Özbek, Tim Albutat und dem vielseitigen Enis Hajri vier Kräfte ins Rennen schicken.

Auf den Außenbahnen gibt es ein heftiges Gedränge zwischen Thomas Bröker, Tugrul Erat, Andreas Wiegel, Kevin Wolze oder Ahmet Engin. Im Sturm fighten Kingsley Onuegbu, Simon Brandstetter und Stanislav Iljutcenko um die Plätze, hinzu kommt Zlatko Janjic, der als hängende Spitze am effektivsten einsetzbar scheint. „Am Sonntag spielen wir unseren Schauinsland-Reisen-Traditionscup. Danach kommt die Generalprobe gegen Borussia Mönchengladbachs U 23. In der letzten Woche werde ich die Entscheidungen treffen“, will Ilia Gruev noch weitere Eindrücke aufsaugen.

Arsov bringt Ideen rein

„Ich will die Spannung hochhalten“, sagt er. Niemand soll sich jetzt schon ausmalen können, dass er auf der sicheren Seite steht. „Ich habe natürlich meine Pläne und Vorstellungen“, sagt Gruev, der jetzt erstmals „seine“ eigene Mannschaft kreiert hat. Als der Familienvater im November 2015 das Amt von Gino Lettieri übernommen hatte, ging es in erster Linie um Korrekturen und Reparaturarbeiten. Mittlerweile hat Gruev das Personal so zusammen, wie er es haben möchte, auch wenn Wünsche immer im Hinterkopf sind. „Wenn nichts passiert, dann ist die Kadergröße, die wir jetzt haben, okay. Natürlich halten wir die Augen offen, falls sich noch irgendetwas ergibt.“

Seine bevorzugten Formationen sind das 4-4-2-System oder die 4-2-3-1-Ausrichtung. Gruev will flexibel sein und von der Spielanlage her anders, dominanter, energischer auftreten als in der 2. Liga. Dass er mit den Zebras jetzt wieder gegen Großaspach, Erfurt und den Halleschen FC ran muss, „sehe ich nicht als Strafe“. Gruev: „Ich bin Trainer des MSV Duisburg. Das ist etwas Besonderes. Egal, in welcher Liga du antrittst.“ Gruev hat im Zusammenspiel mit Manager Ivica Grlic nicht nur am Kader gebastelt, sondern auch das Team hinter dem Team aufgepeppt. Mit Yontcho Arsov hat Gruev einen früheren Trainer-Kollegen als Assistenten an seiner Seite.

Arsov ist kein „Co“, der nur gelbe und rote Leibchen verteilt, er ist aktiv dabei. Die Standardsituationen, im Vorjahr komplett verwaistes Gebiet, laufen nach Arsovs Ideen ab. Erste Erfolge stellten sich in Testspielen ein. Mit Scout Chris Schmoldt findet selbst vor Vorbereitungsspielen ein intensiver Austausch statt, Gegner werden haarklein analysiert. Gruev vertraut dem aus Kaiserslautern geholten Schmoldt. Auch das Einstimmen auf die Kontrahenten läuft nach seinem Wunsch. „Wir haben uns über Innsbruck, Valenciennes und auch Jihlava bestmöglich informiert. Jihlava haben wir unter anderem deswegen ausgewählt, weil die Mannschaft fast den genau gleichen Marktwert wie wir hat und auch Ende Juli anfängt.“ Resultat: Der MSV bekam zum Abschluss des Trainingscamps das stärkste Team serviert, das aggressiv dazwischenknallte, aber trotzdem über weite Strecken dominiert und am Ende 2:1 besiegt wurde. Der MSV als Pressingmaschine – das Schlüssel-Rezept für die Liga.

Gruev: „So eine Spielweise kostet unheimlich Kraft. Du kannst das nicht über 90 Minuten praktizieren, sondern musst auch Phasen einbauen, in denen du den Gegner kommen lässt.“ Der frühere Nationalspieler nippt noch einmal an seinem Espresso und sagt mit hochgezogenen Augenbrauen: „Ich bin jetzt nah dran an meiner Philosophie. Ich habe die Typen, die das Tempospiel, was ich für enorm wichtig halte, umsetzen können. Und wir haben entwicklungsfähige Leute. Ich will, dass wir mehr Ballbesitz haben.“

Dabei sind übertriebene Einzelaktionen nicht gewünscht. Zwei, drei Kontakte, spätestens dann kommt das Kommando von der Bank: „Abspielen, schneller werden, klare Bälle!“ Gruev: „Sauberes Passspiel ist wichtig, dazu die richtige Raumaufteilung. Wir wollen im Mittelfeld unser Pressing aufziehen, den Gegner so zu Fehlern zwingen.“ Jetzt muss Ilia Gruev nur noch die elf Leute auswählen, die diese Ideen zunächst mal im Auftaktspiel umsetzen. Der Coach: „Die Mannschaft, die gegen Paderborn beginnt, muss nicht automatisch vier Spiele am Stück bestreiten. Wir werden auch rotieren.“

Autor: Thomas Tartemann

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren