Nicola Rizzoli wird das Halbfinale zwischen Frankreich und Deutschland leiten. Ein Kommentar.

EM-Kommentar

Italienischer Schiri hat Chance verdient

Andreas Berten
05. Juli 2016, 07:07 Uhr
Foto: firo

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Nicola Rizzoli wird das Halbfinale zwischen Frankreich und Deutschland leiten. Ein Kommentar.

Es ist davon auszugehen, dass Pierluigi Collina die Ruhe während der EM eher genießt, als sie zu verteufeln. Der charismatische Glatzkopf aus Italien war ein herausragender Schiedsrichter und verrichtet inzwischen bei der Uefa als Chef seiner Gilde einen guten Job. Das Turnier befindet sich in der Finalwoche, und abgesehen von einzelnen Fehlern gab’s bislang rund um die Unparteiischen kaum Aufregung.

Collina wollte deshalb wohl auch keine Aufmerksamkeit für seine Nachfolger künstlich herbeiführen, indem er seinen Landsmann Nicola Rizzoli für das Halbfinale Deutschland gegen Frankreich ansetzte. Ein Italiener, ein Rächer für teutonische Dickbäuche an Adriastränden und erst recht für das EM-Ausscheiden der Squadra Azzurra gegen den Weltmeister? Es fällt leicht, sich jetzt schon das Geätze im Internet vorzustellen, sollte ein EM-Ausscheiden der DFB-Auswahl von einer umstrittenen Entscheidung Rizzolis begleitet oder gar eingeleitet werden.

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Natürlich hätte Collina alle Eventualitäten vorab ausschließen, das Risiko scheuen können. Aber mit Diplomatie, Kommunikation und Pfiffen im Sinne der Protagonisten gehört Rizzoli auch so zu den besten Schiedsrichtern. Er lässt Fünfe mal gerade sein, stellte im WM-Finale 2014 weder Garay noch Neuer trotz berechtigter Fürsprachen vom Platz. Rizzoli im EM-Halbfinale zwischen Deutschen und Franzosen ist das fußballerische Äquivalent zum lukullischen Dreiklang seiner Heimat: Der 44-Jährige stammt aus der Nähe von Modena, und die Emilia-Romana steht für Parmaschinken, Parmesan und Lambrusco.

Am Donnerstag wird Rizzoli so unparteiisch sein wie die Kollegen. Es wäre toll, wenn den Deutschen nach dem Spiel die Herkunft des Schiedsrichters egal wäre. Wir sollten ihm eine tadellose Leistung zutrauen.

Autor: Andreas Berten

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