Die Sportfreunde Lotte haben drei Spieltage vor Schluss die Meisterschaft perfekt gemacht - Hut ab! Doch so richtig kann sich im Tecklenburger Land niemand darüber freuen.

Lottes Atalan

"Ich hasse die Relegation schon jetzt"

Krystian Wozniak
05. Mai 2016, 09:37 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

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Die Sportfreunde Lotte haben drei Spieltage vor Schluss die Meisterschaft perfekt gemacht - Hut ab! Doch so richtig kann sich im Tecklenburger Land niemand darüber freuen.

In Lotte kennt man nämlich das Gefühl des Meister-Seins. In der Saison 2012/13 holten sich die Sportfreunde mit satten 82 Punkten den Regionalliga-West-Titel und scheiterten trotzdem am Drittliga-Aufstieg. In der Relegation unterlag die damalige Mannschaft von Trainer Maik Walpurgis RB Leipzig im Rückspiel erst in der Verlängerung. Wir sprachen nach dem Titelgewinn mit Meister-Coach Ismail Atalan.

Ismail Atalan, wie ausgiebig haben Sie die Meisterschaft mit Ihrer Mannschaft gefeiert?
Natürlich haben wir leicht angestoßen. Doch das hielt sich alles in Grenzen. Wir dürfen stolz sein, dass wir drei Wochen vor dem Saisonende schon Meister sind. Wir haben zuletzt unter anderem zehn Spiele in Folge gewonnen und sind auf einem guten Weg die 80-Punkte-Marke zu knacken. Das sind Dinge, die alles andere als selbstverständlich sind und darauf kann man stolz sein. Trotzdem werde ich in dieser Phase auf die Euphoriebremse treten.

Warum?
Den Meister-Titel kann uns niemand mehr nehmen. Das wird auch in unserer Vita vermerkt. Doch eigentlich kann man sich dafür nichts kaufen. Wenn wir am Ende in der Relegation scheitern sollten, dann hätten wir auch Zweiter oder Dritter werden können. Wir schauen positiv in die Zukunft, wissen aber auch, was das für eine scheiß Aufstiegsregelung ist. Lotte hat das schon vor drei Jahren mitgemacht. Ich habe das immer nur gehört. Jetzt spüre ich langsam, was das bedeutet. Ich hasse diese Relegation und die Aufstiegsregelung schon jetzt. Das hat mit Sport und Fairness überhaupt nichts zu tun. Hier werden die Grundprinzipien des Sports mit Füßen getreten. Wenn du nach 36 Spielen oben stehst, dann musst du auch belohnt werden - ohne Wenn und Aber! Alles andere ist nicht nachzuvollziehen. Doch wir können das nicht ändern und werden alles geben, damit wir am Ende etwas zu feiern haben.

Mannheim oder Elversberg? Wen wünschen Sie sich in der Relegation?
Das ist mir wirklich egal. Aber es sind schon unterschiedliche Gegner. Elversberg investiert sehr viel Geld und hat mit Michael Wiesinger sogar einen ehemaligen Bundesliga-Trainer an der Seitenlinie stehen. Der Verein ist hoch ambitioniert. Waldhof Mannheim ist ein echter Traditionsklub - so wie bei uns in der Liga Aachen oder Essen. Dort würden wir mit Sicherheit vor einem ausverkauften Haus mit 25.000 bis 30.000 Zuschauern spielen - schön, aber auch schwierig. Nach Lotte würde Waldhof auch eine große Fanschar mitbringen. Wir haben aber schon auf dem Tivoli oder der Hafenstraße gezeigt, dass wir vor solchen tollen Kulissen gerne spielen. Ob Elversberg oder Mannheim: wir nehmen es wie es kommt.

Werden Sie in den letzten drei Spielen die Kräfte schonen und rotieren?
Nein! Wir wollen auch die Spiele gewinnen und mit einem positiven Erlebnis in die Relegation gehen.

Autor: Krystian Wozniak

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