Wenn Michael Roß, Coach des Duisburger Bezirksligisten SV Wanheim 1900, an die zurückliegende Spielzeit denkt, ärgert sich der 40-jährige Familienvater noch immer. Der Grund: Bis zum 24. Spieltag spielte und kämpfte sein Team um den Aufstieg. Dann kam das Schlagerspiel gegen den direkten Konkurrenten Heimaterde Mülheim. Die Roß-Elf agierte stark, verlor am Ende jedoch unglücklich mit 1:2.

Bezirksliga 8 Niederrhein: SV Wanheim 1900-Coach Michael Roß im Interview

"Ich bin der demokratisch-autoritäre Typ"

Moritz Rieckhoff
02. August 2007, 17:36 Uhr

Wenn Michael Roß, Coach des Duisburger Bezirksligisten SV Wanheim 1900, an die zurückliegende Spielzeit denkt, ärgert sich der 40-jährige Familienvater noch immer. Der Grund: Bis zum 24. Spieltag spielte und kämpfte sein Team um den Aufstieg. Dann kam das Schlagerspiel gegen den direkten Konkurrenten Heimaterde Mülheim. Die Roß-Elf agierte stark, verlor am Ende jedoch unglücklich mit 1:2.

Der Sprung an die Tabellenspitze wurde verpasst, die Luft war raus. Von den noch ausstehenden Partien gewannen die Gelb-Schwarzen keine einzige mehr. In der kommenden Saison zählen die Wanheimer erneut zum Favoritenkreis. Eine Woche vor dem Start in die neue Spielzeit sprach der Duisburger Linienchef mit RevierSport online über Lerneffekte, Taktik und die Ziele für die anstehende Bezirksliga-Runde.

RevierSport online: Hallo Herr Roß. Ist der Ärger über die Geschehnisse in der letzten Saison verraucht, oder gibt es Nachwehen?

Michael Roß: "Sie sprechen die Dinge an, die sich im Anschluss an das Spiel gegen Heimaterde Mülheim abgespielt haben. Das war schon verdammt hart für mich. Wir waren bis zu diesem Match voll im Aufstiegskampf. Dann verlieren wir unglücklich und gewinnen dann keine einzige Partie mehr. Das war eine reine Kopfsache. Noch einmal darf uns so etwas nicht passieren."

RevierSport online: Was macht Sie sicher, das die Psyche nicht erneut zum entscheidenden Faktor gegen Ihr Team wird?
Michael Roß: "So etwas kann immer mal passieren. Die Enttäuschung bei den Jungs war nach der Niederlage gegen Mülheim einfach riesengroß. Wir haben jedoch aus dieser Sache unsere Lehren gezogen und werden nun, anders als in der letzten Saison, keine Zielvorgaben im Sinne von Platzierungen ausgeben."

RevierSport online: Sie wollen also nicht hoch?

Michael Roß: Es geht nicht immer nur um das, was man will. Letzte Saison haben wir Platz drei bis sechs als Ziel ausgegeben. Dieses Ziel haben wir verfehlt. In der kommenden Saison wollen wir guten Fußball spielen und so viele Begegnungen wie möglich gewinnen."

RevierSport online: ...um dann am Ende doch aufzusteigen?

Michael Roß: "Ich denke, wir haben in diesem Jahr wieder eine sehr ausgeglichenen Staffel. Aufstiegsfavoriten sind in meinen Augen Teams wie Preussen Duisburg oder Blau-Weiß Oberhausen Lirich. Wir gehören zu den fünf besten Teams der Liga. Mehr aber auch nicht."

RevierSport online: Die Mannschaft ist fast vollständig zusammengeblieben. Wie schätzen Sie den Teamgeist Ihrer Elf ein?

Michael Roß: "Die Tatsache, dass wir nur zwei Abgänge zu verzeichnen hatten, sagt doch alles. Wahrscheinlich kommt der zu Hamborn 07 abgewanderte Sascha Lorenz noch im Laufe der Saisonvorbereitung zu uns zurück. Sascha hat bereits Interesse signalisiert. Jetzt liegt es an den Verantwortlichen beider Vereine."

RevierSport online: Sie sind bereits seit 1999 Trainer der ersten Mannschaft. Welches Erfolgsrezept liegt dieser, auch im Amateurbereich nicht alltäglichen, Kontinuität zugrunde?

Michael Roß: "Zum einen hatte ich natürlich einen tollen Start in Wanheim. In meiner ersten Spielzeit an der Linie habe ich mit dem SVW den Aufstieg geschafft. Zudem bin ich wahrscheinlich ein ganz umgänglicher Typ."

RevierSport online: Sie sind also mehr der oft zitierte "Kumpel-Typ"?"

Michael Roß: "Das würde ich so nicht sagen. Ich bezeichne mich gerne als demokratisch-autoritär. Die Mischung ist wichtig. Grundsätzlich bin ich aber schon jemand, dem es wichtig ist, auch außerhalb des Platzes ein gutes Verhältnis zu den Menschen in meinem Umkreis zu haben. Leider gibt es hin und wieder Personen, die eine gewisse Lockerheit ausnutzen."[infobox-right]Name: Michael Roß
Alter: 40
Geboren: 23.11.1966
Geburtsort: Duisburg
Wohnhaft: Duisburg-Wanheim
Familienstand: verheiratet, eine Tochter (19)
Beruf: Lagerleiter

In der Jugend schnürte der bekennende Gladbach-Anhänger seine Schuhe für den SV Wanheim 1900, den MSV Duisburg und den DSV 1900. Zum Beginn seiner Senioren-Laufbahn kehrte Roß 1984 zurück an die Platzanlage am Honnenpfad. Von 1989 bis 1992 trug der gebürtige Duisburger das Jersey des Duisburger Spielvereins 1900. Drei Jahren in der Landesliga folgten fünf Spielzeiten bei Duisburg 08. Mit den Hochfeldern kickte Roß in der Verbandsliga. Seit 1999 sitzt Roß bei seinem Heimatverein, dem SV Wanheim, auf der Trainerbank.[/infobox]

RevierSport online: Was meinen Sie genau?

Michael Roß: "Letzte Saison habe ich hier und da mal ein Auge zugedrückt. Wenn da einer zu mir kam und mir gesagt hat, seine Oma hat Geburtstag und er könne deshalb nicht zum Training kommen, habe ich das durchgehen lassen. So oft wie dieselbe Oma dann aber Geburtstag hatte, müsste sie mittlerweile 100 Jahre alt sein. Seit dem Beginn der Vorbereitung läuft der Hase nun anders. Ich lege jetzt wieder mehr Wert auf unbedingte Disziplin."

RevierSport online: Die Vorbereitung neigt sich dem Ende zu. Testmatches sind gespielt und die Elf hat ein hartes Trainingsprogramm durchlaufen. Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen Ihres Teams?

Michael Roß: "Die mannschaftliche Geschlossenheit ist unser Trumpf. Des weiteren verfügen wir über einen eingespielten Kader. Hinter den Spitzen haben wir in Person von Hakan Karabel, der in der letzten Runde 18 Mal getroffen hat, einen ganz starken Mann. Im Sturm haben wir mit unserer Doppelspitze Manuel Buchholz und Denis Börner zwei junge hoffnungsvolle Talente. Was uns vielleicht fehlt, ist ein echter Knipser. Darüber hinaus stehe ich aber voll und ganz zu Manuel und Denis. Beide können aber noch mehr und haben noch Luft nach oben. Unsere größte Schwäche ist sicherlich die fehlende Konstanz. In der abgelaufenen Spielzeit gab es neben glorreichen Auftritten auch den einen oder anderen "Grottenkick". In diesem Bereich müssen wir enorm zulegen."

Autor: Moritz Rieckhoff

Mehr zum Thema

Rubriken

Kommentieren