Für die SG Wanne-Nord ist es zu spät, für viele Klubs dagegen könnte die Auflösung des kleinen Vereins im Herzen des Ruhrgebiets ein letztes Warnsignal sein.

Auflösung

Einzelfall oder bald Alltag?

Sven Heimes
02. August 2007, 14:29 Uhr

Für die SG Wanne-Nord ist es zu spät, für viele Klubs dagegen könnte die Auflösung des kleinen Vereins im Herzen des Ruhrgebiets ein letztes Warnsignal sein.

Das Problem, Vereinsmitglieder für das Ehrenamt zu gewinnen, kennen viele Vereine, doch in fast allen Fällen findet sich am Ende fast immer ein rühriges, altes Vereinsmitglied, das sich noch einmal überreden lässt, den Posten zu übernehmen und den Verein somit zu retten. Nicht so in Herne. Nicht einmal zehn Jahre wurde die SG Wanne-Nord alt, bevor sich der Verein am 2. Juli offiziell abmeldete und seine Mannschaften auflöste - obwohl die sportliche Zukunft nicht gefährdet war.

Die Handlungs- und Geschäftsfähigkeit des jungen Vereins waren in den letzten Monaten kaum mehr gegeben, immer mehr Vorstandsmitglieder waren im Laufe der Jahre ausgeschieden, ohne dass die freien Stellen neu besetzt wurden. "Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem einfach Schluss ist", betont der alte Vorstandsvorsitzende Georg Damps. Dabei war die sportliche Zukunft des Vereins keineswegs gefährdet, spielte die erste Mannschaft um die Spitzenplätze der Kreisliga B 2 Herne mit und hatte mittelfristig den Aufstieg in die Kreisliga A im Visier. Zusätzlich hatte die SG noch eine Zweite Mannschaft in der Kreisliga C 3 sowie ein Altherren-Team gemeldet, eine ausreichende Substanz war also durchaus gegeben. Auch um den Aufbau einer erfolgreichen Jungendarbeit hatte sich die SG bemüht, der Verein unterhielt jeweils eine E- und eine F-Jugend-Mannschaft.[infobox-left]Der Verein

Gegründet wurde die SG Wanne-Nord am 21.Mai 1998, in der Saison 1998/99 absolvierte der Verein dann seine erste Spielzeit in der Kreisliga C3 Herne. Und tat dies überaus erfolgreich, denn gleich in der ersten Saison überhaupt gelang der Aufstieg in die Kreisliga B. Von dort aus gelang dann 2003/04 sogar der Aufstieg in die Kreisliga A, aus der man im Jahr darauf aber direkt wieder abstieg und seitdem wieder in der Kreisliga B aktiv war. [/infobox]In der vergangenen Saison 2006/07 belegte die SG nach der Hinrunde den ersten Platz in der Kreisliga B, stand also kurz vor der Rückkehr in die Kreisliga A. In der Winterpause verließen allerdings gleich vier wichtige Spieler und Leistungsträger den Verein. "Wir hatten als sehr kleiner Verein eben nicht die finanziellen Möglichlichkeiten wie sie andere hatten", sagt Georg Damps. "Aber wir konnten uns am Ende der Saison trotzdem noch unter den ersten Fünf behaupten". Die SG Wanne-Nord wurde am Ende Dritter.

In eine ernsthafte Krise schlitterte der Verein bei der Jahreshauptversammlung im Januar. Georg Damps kündigte seinen Rückzug als Vorstandsvorsitzender an, seine Gesundheit ließe eine ehrenamtliche Tätigkeit in dem bisherigen Maße nicht mehr zu. Als sich aber niemand als sein Nachfolger anbot wollte er als eine Art Zwischenlösung das Amt noch bis zum Sommer weiterführen. Vom einstmals gewählten 5 + 2-Vorstand waren mittlerweile nur noch drei Mitglieder übrig geblieben, die Geschäftsfähigkeit des Vereins wurde also immer mehr eingeschränkt. Auch für den Jungendbereich fanden sich keine neuen Helfer nachdem die bisherigen Verantwortlichen umgezogen waren. Als sich dann im Sommer diesen Jahres immer noch kein Nachfolger als Vorstandsvorsitzender gefunden hatte war endgültig Schluss, am 2. Juli 2007 und nach gerade mal 3.330 Tagen war die SG Wanne-Nord Geschichte.

Den Rückgang der ehrenamtlichen Tätigkeiten hat Georg Damps aber nicht nur bei der SG Wanne-Nord festgestellt, sondern auch in vielen anderen Fußballvereinen im Amateurbereich. Heutzutage sei es immer schwerer eine ausreichende Anzahl von Personen für ein Ehrenamt zu begeistern, vor allem als kleiner Verein. Es würden auch oft über Jahre die gleichen Personen ehrenamtlich in den Vereinen arbeiten, ohne dass es Nachwuchs gäbe. Auch die Konstanz fehle oft, manche Vorstände würden wechseln "wie unsereins die Unterhose", eine zielgerichtete Arbeit sei so nicht möglich.

Eine Neugründung der SG Wanne-Nord komme nicht mehr in Frage, so Georg Damps. Es sei zwar traurig, vor allem weil der Verein eine Zukunft gehabt hätte, aber die Geschichte der SG Wanne-Nord werde nicht weitergehen.

Autor: Sven Heimes

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren