Bislang war Teutonia Ehrenfeld der Vorzeigeverein in Sachen Integration.

Viktoria Bochum

Integration auf und neben dem Platz

Thorsten Richter und Maximilian Villis
15. August 2015, 09:07 Uhr
Foto: Tim Müller

Foto: Tim Müller

Bislang war Teutonia Ehrenfeld der Vorzeigeverein in Sachen Integration.

Der Klub nahm Flüchtlinge aus dem benachbarten Asylheim auf und bildete aus ihnen unter der Leitung von Coach Gabor Horvath eine Mannschaft – Teutonia Ehrenfeld III. Dafür wurden die Ehrenfelder sogar mit dem „Grünen Marabu“ ausgezeichnet; einem Preis zur Ehrung zivilgesellschaftlichen Engagements. Zuletzt kam es aber zu Unstimmigkeiten zwischen Harvoth und der Vereinsführung, sodass sich die Truppe auflöste und Ehrenfeld verließ. Nun hat das Team mit Viktoria Bochum einen neuen Verein gefunden – wieder unter Horvaths Führung.

Kooperation mit Schulen

Die Verantwortlichen setzen dort nicht nur auf die Integration innerhalb des Vereins, sondern sorgen auch dafür, dass die Flüchtlinge eine Perspektive außerhalb des Fußballplatzes bekommen. So wird es nach den Ferien eine Kooperation mit dem Alice-Salomon-Berufskolleg und dem Ottilie-Schönewald-Kolleg geben, um den Menschen aus dem Flüchtlingsheim Perspektiven aufzuzeigen: „Im Vordergrund steht aber natürlich der Fußball“, betont Wolfgang Havranek, Vorsitzender von Viktoria Bochum: „Dennoch wollen wir den Jungs auch die Möglichkeiten aufzeigen, die sie in unserem Land haben. So können sie im Idealfall auch einen guten Schulabschluss erreichen.“ Das sei jedoch keine „Zwangsconnection“, sondern vielmehr ein Bemühen des Vereins, den Spielern bei der Integration außerhalb des Platzes zu helfen und die Sprache besser zu lernen. Zudem planen die Verantwortlichen, deutsche Spieler in der Mannschaft zu integrieren, um den Flüchtlingen den Umgang mit der deutschen Sprache zu erleichtern.

Seit etwa vier Wochen trainiert die ehemalige Dritte von Teutonia Ehrenfeld nun bei der Viktoria und bekommt sogar auswärtigen Zulauf. Havranek: „Teilweise kommen Spieler auch aus Hagen und Düsseldorf, um bei uns mitzutrainieren. Die Jungs sehen unseren Verein schon als eine kleine Heimat an.“

Ob sie auch schon bald in Pflichtspielen auf dem Feld stehen können, ist aber noch ungewiss. Der DFB hat die bürokratische Hürde allerdings sehr hoch gelegt: „Wir haben hier Jungs, die aus Afghanistan oder Syrien kommen. Der DFB will aus diesen Ländern eine Spielberechtigung sehen“, ärgert sich Havranek und bezweifelt, dass es dort funktionierende Fußballverbände gibt.

Kein Stillstand in Ehrenfeld

Aber auch in der alten Heimat in Ehrenfeld geht die Integration weiter. Die Teutonen wollen wieder eine neue Mannschaft, die aus Menschen aus dem benachbarten Flüchtlingsheim kommen, aufbauen: „Wir haben auch schon einen Trainer für die Mannschaft gefunden“, berichtet der Vorsitzende des Klubs, Hajo Romahn. Derzeit gibt es aber noch nicht genügend Anmeldungen, um in der neuen Saison an den Start zu gehen. Die Bemühungen gehen also auch in Ehrenfeld kontinuierlich weiter. Die Gewinner dieser Projekte sind aber zweifelsohne die Flüchtlinge.

Retsch ist begeistert

Von der Hilfbereitschaft der Vereine ist Klaus Retsch begeistert. Der Leiter des Bochumer Sport- und Bäderamtes: „Unsere Klubs kümmern sich sehr intensiv und machen den Flüchtlingen tolle Angebote. Egal, ob Viktoria Bochum, Teutonia Ehrenfeld, CSV Linden, TuS Harpen oder SC Werne – alle sind sehr bemüht, die Flüchtlinge aus dem Einzugsgebiet aufzunehmen.“

Noch kann Bochum die Flüchtling in den vorhandenen Quartieren aufnehmen. Sollten diese aber nicht mehr ausreichen, ist Retsch sofort bereit, auf Sportplätzen Flüchtlingslager aufzubauen: „Wenn die Option einer Zeltstadt gezogen werden muss, werden wir es machen. Auch wenn es für die Vereine vielleicht kleine Einschränkungen im Angebot bedeutet, muss vorrangig den Menschen geholfen werden. Aber da sind die Bochumer vorbildlich, deshalb glaube ich, dass es auch zu keinerlei Protesten kommen würde. Im Gegenteil: Wir helfen gerne.“

Autor: Thorsten Richter und Maximilian Villis

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