Rot-Weiß Oberhausen hat eine durchaus erfolgreiche Saison auf dem vierten Tabellenplatz beendet. RS zog mit Trainer Andreas Zimmermann Bilanz.

RWO-Trainer zieht Bilanz

Zimmermann hat einen großen Wunsch

Martin Herms
26. Mai 2015, 10:11 Uhr
Foto: Tillmann

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Rot-Weiß Oberhausen hat eine durchaus erfolgreiche Saison auf dem vierten Tabellenplatz beendet. RS zog mit Trainer Andreas Zimmermann Bilanz.

Im vergangenen Sommer übernahm der gebürtige Berliner das Amt von Peter Kunkel, der das Team zuvor auf einen hervorragenden dritten Tabellenplatz geführt hatte und verdientermaßen mit reichlich Applaus verabschiedet wurde. Zimmermann übernahm eine intakte Mannschaft und trat mit dem ehrgeizigen Ziel an, diese weiterzuentwickeln. Auch wenn die Kleeblätter im Vergleich zum Vorjahr einen Rang eingebüßt haben, kann sein Vorhaben als gelungen bezeichnet werden.

Nach einigen Startschwierigkeiten, die freilich auch einer neuen spielerischen Ausrichtung geschuldet waren, kam RWO immer besser in Schwung und bot seinem Anhang attraktiven Fußball. Kurz nachdem im Derby gegen RWE einer der wichtigsten Erfolge der Saison gefeiert wurde, gab der Verein bekannt, dass die Drittliga-Lizenz aus finanziellen Gründen erneut nicht beantragt wurde. Einen glücklichen Abschluss der Spielzeit verpassten die Oberhausener im Pokalfinale an der Hafenstraße, das äußerst unglücklich nach Elfmeterschießen verloren wurde.

RevierSport sprach mit Zimmermann über die Bilanz seines Teams, die kommende Spielzeit und einen letzten Wunsch vor dem verdienten Urlaub.

Andreas Zimmermann, Platz vier in der Meisterschaft und ein verlorenes Pokalfinale stehen unter Ihrer ersten Saison als RWO-Trainer. Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?
Wir haben uns fußballerisch weiterentwickelt und damit den Grundstein für eine erfolgreiche nächste Saison gelegt. Es sah phasenweise sehr gut aus, wie sich die Mannschaft präsentiert hat. Es hat etwas gedauert, aber mittlerweile sind wir sehr variabel und flexibel. Die nicht beantragte Lizenz war eine zusätzliche Hürde, die wir überspringen mussten. Das mussten wir zunächst verpacken und es war sicher nicht einfach, die Jungs davon zu überzeugen, weiterhin alles in die Waagschale zu werfen. Letztlich ist uns das gelungen und das spricht für den Charakter des Teams. Leider ist das Finale aufgrund eines Elfmeters verloren gegangen. Das war bitter, aber wir werden gestärkt zurückkommen. Die Basis ist geschaffen und der Kader für die nächste Spielzeit steht zu großen Teilen. Das sollte uns Mut machen, den nächsten Schritt zu gehen. Denn der vierte Platz entsprach ganz klar unserem Leistungsvermögen. Mehr war einfach nicht drin.

Der Qualitätsspieler, den wir unbedingt haben wollen, würde der Mannschaft und dem gesamten Verein sehr gut tun
Andreas Zimmermann

Was muss sich aus Ihrer Sicht ändern, um im nächsten Jahr vielleicht ganz oben mitzumischen?
Wir haben bei der Kaderplanung bisher einen tollen Job gemacht. Der Stamm wurde gehalten und wir haben einige gute Jungs dazubekommen. Fakt ist aber auch, dass die Konkurrenz weiter aufrüstet und einige Klubs mehr Geld zur Verfügung haben. Ich denke, dass uns noch genau ein Qualitätsspieler für eine der beiden Flügel-Positionen fehlt. Wir haben zwei Spieler aus der Regionalliga im Auge, die bereit wären, für uns zu spielen. Nur leider hat Qualität auch ihren Preis. Aus diesem Grund werde ich mich in dieser Woche mit unserem Aufsichtsratchef Hartmut Gieske zusammensetzen. Wenn wir ganz oben mitmischen wollen, brauchen wir einfach jemanden, der mit einer Einzelaktion den Unterschied ausmachen kann. Ein solcher Spieler hat uns auch im Pokalfinale gefehlt. Mit einer gelungenen Aktion würde der Pokal jetzt in Oberhausen stehen. Der Qualitätsspieler, den wir unbedingt haben wollen, würde der Mannschaft und dem gesamten Verein sehr gut tun.

Welche Dinge werden Sie dem Aufsichtsratschef noch vortragen? Gibt es aus Ihrer Sicht weitere Wünsche?
Wir werden uns zusammensetzen und gemeinsam schauen, wie wir die Arbeit im gesamten Verein verbessern können. Mir schwebt etwa eine einheitliche Spielauffassung in der ersten Mannschaft, in der U23 und in der U19 vor. Dadurch hätten die Spieler, die oben trainieren, eine geringere Anlaufzeit. Das betraf in der jüngsten Vergangenheit einige Leute. Ich möchte in diesem Bereich eine noch engere Zusammenarbeit.

Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit des gesamten Trainerteams? Gibt es auch für Sie und Dirk Langerbein noch Steigerungspotential?
Steigern kann man sich fast immer. Aber ich denke, dass wir in dieser Saison wirklich alles rausgeknallt haben. Mehr kann man fast nicht machen. Wir haben insgesamt 280 Einheiten absolviert - ohne Spiele wohlgemerkt. Das ist ein absoluter Top-Wert. Wir haben 27 von 54 Toren gegen einen organisierten Gegner erzielt. Das spricht dafür, dass wir uns spielerisch weiterentwickelt haben. Allerdings sind uns nur fünf Treffer nach Standardsituationen gelungen. Das ist eindeutig zu wenig und daran werden auch wir Trainer arbeiten müssen. Aber auch dabei könnte ein neuer Spieler helfen, der stark am ruhenden Ball ist.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die nächste Saison. Im Umfeld wurde zuletzt offen über den Aufstieg geredet. Was ist tatsächlich drin für RWO?
Über den Aufstieg wurde geredet, weil der Verein Euphorie und Aufbruchstimmung entfachen wollte. Aber aus sportlicher Sicht war das nicht unbedingt angebracht, da es einfach noch nicht gereicht hat. Das Thema Aufstieg ist für mich Tabu, ich werde nicht darüber reden. In einer Liga ohne direkten Aufsteiger ist das auch unangebracht. Ich will die Mannschaft weiter nach vorne bringen. Was dann dabei herumkommt, steht auf einem anderen Blatt.

Was erwarten Sie im nächsten Jahr von der Konkurrenz? Wen haben Sie auf dem Schirm. Sind es die üblichen Verdächtigen?
Natürlich rechnen wir damit, dass Aachen, Viktoria Köln und RWE wieder dabei sind. Wichtig wäre, dass Gladbach der Aufstieg gelingt. Denn dann hätten wir einen Konkurrenten weniger. Sollte der BVB II tatsächlich absteigen, wird auch diese Mannschaft zum Favoritenkreis gehören. Es wird wieder brutal schwer, aber ich glaube daran, dass wir uns da oben behaupten können.

Wie lief es für Sie persönlich in Ihrem ersten Jahr in Oberhausen? Verabschieden Sie sich mit einem guten Gefühl in den Urlaub?
Das Leben im Ruhrgebiet kannte ich ja schon vorher. Von daher weiß ich, wie die Leute hier ticken. Ich habe mit RWO alles richtig gemacht. Der Job macht mir unheimlich großen Spaß und deshalb kann ich zufrieden in den Urlaub gehen. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Vorstand und allen anderen handelnden Personen ist wirklich einmalig. Sei es Frank Kontny oder mein Co-Trainer Dirk Langerbein. Es passt alles sehr gut und ich freue mich auf eine weitere hoffentlich sehr erfolgreiche Saison mit RWO!

Autor: Martin Herms

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