Rückblende: Am 12. Februar um 21.47 Uhr war die Duisburger Welt rosarot. Hupkonzerte vor der Arena, Jubel-Arien auf der Tribüne, fliegende Sitzkissen, gebaltte Fäuste,

MSV: Vom "sicheren" Aufsteiger zum totalen Nervenbündel

RS-Kommentar zur Lage der "Zebras"

tt/ag
22. März 2007, 17:26 Uhr

Rückblende: Am 12. Februar um 21.47 Uhr war die Duisburger Welt rosarot. Hupkonzerte vor der Arena, Jubel-Arien auf der Tribüne, fliegende Sitzkissen, gebaltte Fäuste, "La Ola" vor dem Fan-Block, strahlende Gesichter, klingende Gläser in den VIP-Räumlichkeiten – der Aufstieg schien nach dem packenden 2:1 über Primus Karlsruhe besiegelt.

Doch dann kam der Knick in München. Nach sieben Minuten führten die “Zebras” mit 2:0, dann wurde im Gefühl des sicheren Sieges in Selbstüberschätzung agiert, nicht entscheidend nachgelegt. Das 2:2 am Ende enttäuschend.
Was folgte, waren vier Niederlagen in Serie, die in einem spielerischen und kämpferischen Offenbarungseid gegen Wacker Burghausen gipfelten. Die Mannschaft kopflos, mutlos, einfallslos. Die Vereinsführung wortlos. Das Trainerteam ratlos. Beim selbsternannten Aufstiegsaspiranten MSV Duisburg liegen die Nerven blank. Krisenstimmung an der Wedau!

Die "bösen" Medien dafür verantwortlich zu machen, ist zu billig. Dieses Argument könnte vielleicht ein paar Kilometer weiter bei den "Geißböcken", wo täglich eine Boulevard-Schlacht tobt, ziehen, aber nicht an der beschaulichen Wedau.
Mit dem Finger auf die Teamkollegen zu zeigen und die Schuld nur bei den anderen zu suchen, ist zu einfach. Den Trainer in den Diskussions-Fokus zu stellen, wäre gerade nach dem guten Winterstart grundverkehrt.

Doch wo liegen die Ursachen dieser derzeitigen Misere? Fakt: Im Erfolg, der immerhin 16 ungeschlagene Spiele andauerte, präsentierte sich die MSV-Gruppe zumindest auf dem Rasen als verschworene Gemeinschaft. Etwaige Schwierigkeiten blieben unter dem Triumph-Mäntelchen verborgen. Inzwischen sorgten Fürth, Freiburg & Co. dafür, dass die Nähte im Duisburger Spitzen-Kostüm aufplatzten und die Problemzonen zu Tage treten.

Mo Idrissou bemängelt den Teamgeist, spricht von mangelndem Respekt, Georg Koch forderte nach der 0:2-Pleite gegen die Greuther ein Machtwort des neuen Kapitäns Björn Schlicke. Eine eilig einberufene “Krisensitzung”, in der alle Probleme zur Sprache gekommen sein sollen, brachte zumindest für die externen Betrachter keine Besserung.

Ganz im Gegenteil, die Mannschaft agiert noch verunsicherter und ungeordneter. Was ist los im “Zebra”-Stall? Liegt der Knackpunkt wirklich im Wintertrainingslager in Portugal? An der Algarve hatte es nicht nur zwischen Mo Idrissou und Georg Koch richtig geknallt – der Keeper verließ nach einem Disput den Trainingsplatz. Der MSV-Torhüter wurde nach wenig rühmlichen Verhalten in der Außendarstellung von Präsident Walter Hellmich als Kapitän abgesetzt. Als Nachfolger wurde Björn Schlicke benannt. Trainer Rudi Bommer hatte das Ganze so akzeptiert. Doch auch nach dieser von Bommer hingenommenen Entscheidung kamen die “Zebras” gut aus den Startlöchern und rückten bis auf drei Punkte an Spitzenreiter Karlsruhe heran, hielten den Verfolger aus Lautern mit sechs Zählern auf Distanz.

Nach fünf sieglosen Spielen in Folge ist die Stimmung nun auf dem Nullpunkt, der Vorsprung aufgezehrt und die Verfolger auf Tuchfühlung. Dennoch steht der MSV immer noch auf einem Aufstiegsplatz – paradox, aber wahr! Der MSV hat knapp zwei Wochen Zeit, um zu alter Form zurückzufinden, dann wartet Kaiserslautern am Betzenberg. Ist die “Wartezeit” ein Fluch oder Segen? Leidenschaft, Herz und die Einstellung, alles für den Verein und die Mannschaft geben zu wollen, müssen her.

Noch haben die Protagonisten alles selbst in der Hand. Wenn es gut geht, dann wir über die aufgetretenen Probleme wahrscheinlich im Aufstiegs-Jubel gar nicht mehr gesprochen. Wenn es schief geht, ist ein kompletter Neustart erforderlich. Der kostet Zeit, Geld, Reputation, Werbe-Träger, Fan-Geduld und Nerven.

Autor: tt/ag

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