Für Bayern München sollen heute die sechs mageren Jahren in der Champions League zu Ende gehen. Im Prestige-Duell gegen Real Madrid muss nach dem 2:3 im Hinspiel allerdings ein Sieg her, um ins Viertelfinale einzuziehen.

Bayern hofft gegen Real auf den "Big Point"

Sechs magere Jahre sollen beendet werden

usc1
07. März 2007, 09:02 Uhr

Für Bayern München sollen heute die sechs mageren Jahren in der Champions League zu Ende gehen. Im Prestige-Duell gegen Real Madrid muss nach dem 2:3 im Hinspiel allerdings ein Sieg her, um ins Viertelfinale einzuziehen. "Wir müssen etwas für unser Image tun und wieder bessere Zeiten herbeiführen", forderte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Achtelfinal-Rückspiel des deutschen Rekordmeisters (20.45 Uhr/live bei Premiere und Sat.1) gegen die "Königlichen". "Wir können mit einem Sieg sehr viel wieder gut machen", unterstrich auch Trainer Ottmar Hitzfeld am Dienstag noch einmal die Bedeutung des Prestige-Duells.

Seit dem Champions-League-Triumph 2001 war für den FC Bayern spätestens im Viertelfinale Endstation - in dieser Saison soll trotz einiger Probleme in den vergangenen Monaten alles anders werden. "Wenn wir Real ausschalten, ist das ein Signal. Ein Sieg gegen Real, das sind die ´Big Points´ in einem Fußballer-Leben", betonte Hitzfeld in der Sonntags-FAZ und fügte an: "Generell darf der FC Bayern nie abgeschrieben werden. Die Nervenstärke des FC Bayern ist da, der Mythos lebt noch. Wir haben einen hohen Stellenwert und gehören auf jeden Fall zu den Top-acht-Teams in Europa."

Auch Kapitän Oliver Kahn sieht den FC Bayern, der durch das 2:3 im Hinspiel in Madrid und den jüngsten Auswärtssieg in der Bundesliga in Berlin (3:2) das schon verloren geglaubte "Mir-san-mir-Gefühl" wieder entdeckt hat, auf dem Weg "zu alter Stärke" und traut der Mannschaft inzwischen wieder alles zu. "Hitzfeld hat uns das Selbstvertrauen wieder eingepflanzt, wie einen Chip. Wir haben den unerschütterlichen Glauben, dass jetzt absolut alles möglich ist: In der Champions League und in der Meisterschaft", sagte der Keeper in einem Bild-Interview.
Bereits am Sonntag hat der FC Bayern im Spitzenspiel gegen Werder Bremen die Möglichkeit, auch in der Bundesliga ein Ausrufezeichen zu setzen. Erst Real, dann Bremen - das seien diese "Alles-oder nichts-Spiele, die uns elektrisieren. Jeder muss über 100 Prozent bringen", meinte Kahn dazu.

Besonders motivieren muss Hitzfeld sein Team vor 66.000 erwartungsfrohen Zuschauern in der heimischen Arena nicht - eher schon bremsen, wie auch Kahn verdeutlichte: "Real ist auswärts einen Tick stärker. Wir müssen aus einer kompakten Defensive Akzente setzen. Es gibt keinen Grund, Real überrennen zu wollen." Dieser Meinung schloss sich Hitzfeld am Dienstag vor dem Abschlusstraining an: "Wir wollen Real vom Tor fernhalten, wollen aber keine totale Offensive."
Allerdings offenbarte die Defensiv-Abteilung der Münchner in den vergangenen Wochen wiederholt Schwächen, insbesondere Daniel van Buyten. Deshalb forderten Manager Uli Hoeneß ("Wir dürfen keine Geschenke verteilen") und Kahn erhöhte Konzentration: "Eines muss uns in jeder Sekunde klar sein: Fehler wie beim 3:2 in Berlin kosten uns das Viertelfinale. Raul und van Nistelrooy dürfen nicht zum Zug kommen."

Umso schwerer würde der Ausfall von Innenverteidiger Lucio wiegen, der so langsam wieder in Form kommt. Den Brasilianer plagt eine schmerzhafte Prellung am rechten großen Zeh. Zudem ist der Einsatz von Hasan Salihamidzic wegen einer Innenbanddehnung im linken Knie äußerst fraglich. Bei beiden soll erst am Mittwoch kurz vor dem Spiel eine Entscheidung fallen. Für Lucio käme Martin Demichelis zum Einsatz, für Salihamidzic wäre Andreas Görlitz eine Alternative.
Die Probleme bei Real sind noch größer: Bei den "Königlichen" stehen der verletzte David Beckham (Hitzfeld: "Ein großer Verlust für Real") und Jose Antonio Reyes nicht zur Verfügung, Starstürmer Ruud van Nistelrooy ist angeschlagen. Zudem droht der Ausfall von Fabio Cannavaro. Der Kapitän der italienischen Weltmeister-Elf konnte wegen Beschwerden in der Oberschenkelmuskulatur nicht am Abschlusstraining teilnehmen und kann seine vollmundige Ankündigung möglicherweise selbst nicht umsetzen. "Wir gehen raus, um die Bayern aufzufressen", hatte Weltfußballer Cannavaro gesagt.

Allerdings spricht die Statistik nicht gerade für Madrid. In bisher acht Europacup-Spielen in München gab es sieben Niederlagen und ein Unentschieden. Für Kahn ein "psychologischer Vorteil", zumal er eine besondere Atmosphäre erwartet: "Das wird heftig, mega-laut. Das muss doch von der Stimmung her ein Selbstläufer sein. Die Arena hat auf so ein Spiel gewartet." Für Hitzfeld kann das Publikum sogar "der entscheidende ´zwölfte Mann´ werden". Aber: "Wir müssen den Funken durch eine starke Leistung überspringen lassen."

Autor: usc1

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