Die 1:4-Pleite in Erndtebrück hat bei den Gladbeckern für Ernüchterung gesorgt. Kampflos ergaben sich die Germanen gegen den bis dato ausschließlich als Punkte-Lieferant aufgetretenen TuS.

GLADBECK: Schweinereien und ein unmoralisches Angebot

19. November 2004, 10:14 Uhr

Die 1:4-Pleite in Erndtebrück hat bei den Gladbeckern für Ernüchterung gesorgt. Kampflos ergaben sich die Germanen gegen den bis dato ausschließlich als Punkte-Lieferant aufgetretenen TuS.

Die 1:4-Pleite in Erndtebrück hat bei den Gladbeckern für Ernüchterung gesorgt. Kampflos ergaben sich die Germanen gegen den bis dato ausschließlich als Punkte-Lieferant aufgetretenen TuS. Spieler-Trainer Frank Schiel kann auch Tage nach der Klatsche keine Erklärung für die desolate Leistung einiger Akteure finden. "Vielleicht können sie nicht mehr", geht Schiel, der am liebsten mit dem Taxi nach Hause gefahren wäre ("ich konnte ein paar Leute einfach nicht mehr sehen") mit seinen Mannen hart ins Gericht.

Die Abfuhr wird nicht nur verbale Konsequenzen haben. "Es kann gut sein, dass einige Verträge im Winter aufgelöst werden", lässt sich Schiel die Gleichgültigkeit einiger Kicker nicht mehr bieten und "droht" mit drei externen Neuzugängen: "Danach werde ich wieder einen 19 bis 20 Mann starken Kader haben." Übersetzt: Drei Mann fliegen.
In dieser Rechnung ist Milko Radewski aber noch nicht enthalten. Der Stürmer hat bereits am "Krusenkamp" unterschrieben, wird am 2. Dezember heiraten. "Dann hat er seine Aufenthalts-Erlaubnis, wird am 1. Januar für uns spielberechtigt sein", freut sich Schiel auf seinen vierten Neuen.

Video-Analyse

Aber zurück zu den "Alten", die bis nächste Woche auf das elementare Spielgerät, den Ball, verzichten müssen. "Ich werde mir einige Schweinereien einfallen lassen. Die Kugel werden die Jungs mit Sicherheit nicht sehen", ist Schiel sauer. "Einem Sören Schürer oder Engin Ciplak, die ihre Grenzen aufgezeigt bekamen und einen verdammt schwarzen Tag hatten, mache ich aber keinen Vorwurf. Beide sind erst 19 Jahre alt, haben gekämpft. Andere lassen sich nur hängen, haben keine Einstellung, kein Herzblut", wird Schiel den "Versagern" per Video-Analyse die Patzer noch einmal vor Augen führen. "Michael Matthes, der nach seiner Roten Karte wieder spielen darf und nächste Woche in der Startelf steht, hatte seine neue Kamera dabei", kann Schiel jedem Einzelnen anhand bewegter Bilder ins Gewissen reden.

Höchstens Bezirksliga

Das will er auch bei seinem Routinier Guido Naumann machen, der im Winter als Spieler-Trainer beim SV Lembeck anheuern wird. "Es ist ein sehr gut geführter Verein, der auf die Jugend setzt. Ich arbeite gerne mit jungen Spielern und freue mich auf die neue Herausforderung", erklärt der Ex-Profi. "Nach zwei Jahren an einem Fleck brauche ich einfach etwas anderes. Zudem kann ich nach den fünf Monaten ablösefrei wieder zurück in die Verbandsliga",
scheint für den "Wandervogel" das Geld nicht eine zu geringe Rolle für den sportlichen Abstieg gespielt zu haben. "Dieses Angebot konnte ich einfach nicht ablehnen", gibt Naumann zu.

Schiel: "Ich glaube nicht, dass in dieser Beziehung bereits das letzte Wort gesprochen ist. Wenn, dann gehe ich doch zu einem Club mit Perspektive. Ich kenne den Verein auch, mehr als Bezirksliga ist da nicht drin." Für Ersatz ist aber bereits gesorgt. Der Ex-Essener Rot-Weisse Stefan Thiele wird Schiels neuer Co-Trainer.
Aber Schiel will gar nicht lange über den Abgang Naumanns lamentieren, ihn plagen andere Sorgen: "Wir haben die Neuen zusammen geholt, anscheinend haben wir uns in ihrer Qualität getäuscht. Dieser Fehler muss nun korrigiert werden", ist Schiel besonders enttäuscht von seinen zahlreichen oberliga-erfahrenen Kickern.

Dass eine solche Diskussion beim Viertplatzierten losgetreten wird, verschlägt den Kellerkindern wie Horst die Sprache. Die Gelsenkirchener Nachbarn kämpfen ums nackte Überleben, während der Aufsteiger "nur" den Blickkontakt zur Spitze verloren hat. Schiel: "Ich bin ehrgeizig. Natürlich klagen wir auf hohem Niveau, aber die jüngste Art lasse ich mir nicht gefallen." tr/hb

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