DEL: Profi-Schiri sorgt für Unmut

15. Januar 2007, 12:36 Uhr

Der neue Profi-Schiedsrichter brachte in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gleich die Trainer gegen sich auf.

Der neue Profi-Schiedsrichter brachte in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gleich die Trainer gegen sich auf. Daniel Piechaczek, seit Anfang des Jahres dritter hauptberuflicher Referee der DEL, war nach dem 3:4 der Krefeld Pinguine gegen die Nürnberg Ice Tigers für beide Coaches der Buhmann. `Die Strafen waren völlig überzogen´, meinte Nürnbergs Trainer Benoit Laporte: `Das war, verglichen mit anderen Spielen, ein absoluter Witz.´ Auch Jiri Ehrenberger stimmte in die harsche Kritik an dem 32-Jährigen aus Ottobrunn ein. `Der Einfluss des Schiedsrichters war zu groß´, sagte der Krefelder Coach und sprach von `übertriebener Regelauslegung´. Piechaczek hatte in einem fairen Spiel insgesamt 128 Strafminuten, darunter vier Spieldauerdisziplinarstrafen, verhängt. `Das war ein ganz normales Spiel, nicht Hartes, nichts Unfaires´, wunderte sich Laporte über das Strafmaß. Ehrenberger kündigte an, gegen die automatischen Sperren gegen Richard Pavlikovsky und Herberts Vasiljevs Protest einzulegen.

Doch die Chancen auf eine Begnadigung sind gleich Null. `Die Sperren können nur aufgehoben werden, wenn ein Regelverstoß des Schiedsrichters vorliegt oder der falsche Spieler bestraft wurde. Das ist nicht der Fall´, erklärte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Pavlikovsky war in der 56. Minute vom Nürnberger Rich Brennan von hinten gecheckt worden und auf Torhüter Lukas Lang gestürzt. In die anschließende Auseinandersetzung soll sich Vasiljevs laut Piechaczek als Erster eingemischt haben. Für Verwunderung sorgte der Profi-Schiedsrichter auch in der Verlängerung, als plötzlich bei beiden Teams fünf statt vier Feldspieler auf dem Eis standen. `Das war völlig korrekt´, erklärte der DEL-Schiedsrichterbeauftragte Holger Gerstberger: `Die Verlängerung hat mit vier gegen vier begonnen, dann kamen zwei Spieler von der Strafbank zurück.

Also wurde bis zur nächsten Unterbrechung mit fünf gegen fünf weitergespielt.´ Schon Anfang des Jahres hatte ein Unparteiischer in Krefeld einigen Wirbel verursacht. Beim 4:3 der Pinguine gegen die DEG Metro Stars hatte Harald Deubert den falschen Spieler von der Strafbank aufs Eis geschickt und so die Düsseldorfer benachteiligt. Deubert wurde vorerst für vier Wochen aus dem Verkehr gezogen. Mit dem Schiedsrichter haderte auch Trainer Greg Poss von Spitzenreiter Adler Mannheim. Nach der 3:4-Heimpleite nach Verlängerung gegen die Iserlohn Roosters klagte der US-Amerikaner über die zweite Fehlentscheidung des Wochenendes, die zu einem Tor gegen den Tabellenführer geführt hatte. Beim 2:3 am Freitag gegen die Hamburg Freezers war vor dem 2:2 der Gäste nicht abgepfiffen worden, obwohl der Puck ins Fangnetz geflogen war.

Gegen Iserlohn erhielt Colin Forbes eine Strafe wegen Spielverzögerung, obwohl er die Scheibe gar nicht über die Bande geschossen hatte, sondern sein Schuss von einem Gegner abgefälscht worden war. Wenig später fiel das 3:3. `Wenn man da oben steht, werden manchmal fragwürdige Entscheidungen gegen einen getroffen´, meinte Poss. Der Ex-Bundestrainer wollte den Fehler von Schiedsrichter Christian Oswald aber nicht als Entschuldigung für die Pleite gelten lassen: `Wir hatten nicht 60 Minuten volle Konzentration.´ Am Referee lag es nicht, dass die Kölner Haie beim 3:5 bei den Straubing Tigers die fünfte Niederlage im fünften Spiel des neuen Jahres kassierten.

Die Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Nationalspieler Tino Boos war berechtigt, Gegenspieler Cam Seversen musste mit Gehirnerschütterung und Schleudertrauma ins Krankenhaus. Auch mit der gleichen Strafe gegen Straubings Ex-Nationalspieler Tobias Abstreiter lag Schiedsrichter Martin Reichert richtig. Der 36-Jährige hatte den Kölner Dave McLlwain mit dem Schläger im Gesicht verletzt, sein erstes Saisonspiel nach auskuriertem Kreuzbandriss war somit bereits nach 24 Minuten beendet. `Das war eine Handlung im Affekt´, meinte Straubings Co-Trainer Günther Preuß, der seinen Chef Erich Kühnhackl erfolgreich vertrat. Der einstige Weltklassestürmer saß auf der Tribüne, weil er beim 1:4 in Hamburg Schiedsrichter Roland Aumüller beschimpft hatte.

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