Was ist eigentlich Faustball? Diese Frage stellen sich viele Leute.

Randsportart Faustball kämpft sich durch

04. Februar 2007, 14:57 Uhr

Was ist eigentlich Faustball? Diese Frage stellen sich viele Leute.

Was ist eigentlich Faustball? Diese Frage stellen sich viele Leute. Das volleyballähnliche Spiel ist eine Rückschlagsportart, bei der sich zwei Mannschaften auf zwei Halbfeldern gegenüber stehen. Jedes Team besteht aus fünf Spielern, die versuchen, einen Ball mit einem Arm oder mit der Faust über eine Leine ins gegnerische Feld zu schlagen. Diesen Sport kann man im Sommer und auch im Winter betreiben, die Spielfelder variieren dabei um zehn Meter (Halle 40 x 20m, Feld 50 x 20m). Gewinner eines Spiels ist das Team, dass zuerst zwei oder drei Sätze (je nach Turnierart) für sich entschieden hat. Ein Satz endet bei 20 Punkten, wobei mindestens zwei Punkte Differenz sein müssen. Bei jedem Fehler bekommt der Kontrahent einen Punkt.

In Deutschland existiert es eine zweigeteilte Bundesliga, aufgrund der fehlenden Gelder treten die Teams gegen zwei Gegner an einem Tag an, um die Spritkosten einzudämmen. Die drei jeweils bestplatzierten Clubs aus dem Norden und Süden spielen während eines separaten Turniers die Meisterschaft aus. Außerdem gibt es noch zahlreiche internationale und kontinentale Turniere, wie die Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, den Europokal und den Weltpokal. In vielen dieser Wettbewerben sind auch deutsche Mannschaften erfolgreich vertreten.
Eine der erfahrensten Spielerinnen ist die 33-jährige Petra Schmitthuysen. Mit zahlreichen Einsätzen in der Nationalmannschaft und Pokalsiegen gehört sie ebenfalls zu den erfolgreichsten.
Revier Sport sprach mit ihr über Hobby, Arbeit, ihren Verein und "das große Geld".

Petra Schmitthuysen, wie sind Sie zum Faustball gekommen?

In unserem Verein ist alles heimisch, jeder kennt da jeden und das macht viel Spaß. Meine ganze Familie interessiert sich für diesen Sport, irgendwie hat es sich einfach ergeben, da ich immer auf dem Sportplatz rumsaß. Als dann Rudi Parschick, der Vereinsgründer des TV Voerde, auf mich zu kam und sagte, er würde eine Mädchenmannschaft gründen, war ich dabei. Zum größten Teil sind wir auch immer noch die Mannschaft von früher, es hat seit 1996 keine personelle Veränderung mehr gegeben.

Warum denken Sie, ist Ihr Sport nicht so populär wie zum Beispiel Fußball?

Die Geldgeber sind einfach nicht da! Wir haben viel zu wenig Kapital, um uns in die Medien einzukaufen. Es gibt auch keine Profiteams, man kann das Spiel auch nur als Hobby sehen.

Sie haben alles erreicht, sind zweimalige Weltmeisterin, haben zwölf Deutsche Meisterschaften und sieben Europokale geholt. Wie motivieren Sie sich noch?

Es macht einfach Spaß die jungen Mannschaften zu ärgern. Die denken, sie könnten uns aufgrund ihrer Fitness schlagen, aber da trumpft dann doch die Erfahrung auf.

Es gibt eine bestimmte "Ballpflege", warum gibt es sie und wie sieht diese aus?

Die gibt es, allerdings bringt es nur etwas in der Halle. Die Bälle werden zum Teil mit Cockpitspray eingesprüht, um sie glitschiger und schneller zu machen. Außerdem könnte man das Spielgerät anrauen und danach mit Bohnerwachs bearbeiten. Bei Spielerinnen, die nicht so viel Kraft haben, ist es sinnvoll. Die Präparationen sind offiziell erlaubt.

Wie war es denn 2006 zum zweiten Mal Weltmeister zu werden?

Es war schöner als beim ersten Mal, das hing aber mit der Mannschaft und der Veranstaltung zusammen. Das schönste Erlebnis war jedoch der Weltpokalsieg mit Voerde in Brasilien. Wir haben eine richtige Reise draus gemacht. Um den Flug zu finanzieren, haben wir uns erst einmal Sponsoren gesucht. Dann wurde ein Pokalheft erstellt, um diese vorzustellen. So haben wir die Reise letztendlich selber bezahlt
.
Was denken Sie darüber, dass Sie nicht die nötige Anerkennung bekommen?

Darauf lege ich keinen Wert. Ich fände es schlimmer, wenn mich jeder kennen würde und ich keine Privatsphäre hätte. Das, was mich ärgert ist nur, dass Frauen nicht an den World Games, der Olympiade für Randsportarten, teilnehmen dürfen. Das Einzige was erlaubt war, war ein Demonstrationsspiel zwischen dem Match um den dritten Platz und dem Finale. Der Grund dafür soll sein, dass es zu viele Sportarten gibt.

Sie sind immer noch sehr erfolgreich. Gibt es Talente, die in Ihre Fußstapfen treten können?

Leider sieht es nicht gut aus, im Moment gibt es keine Spielerin, die mich ersetzen könnte. Die Förderung des Verbandes wird immer weniger, mittlerweile ist es den Vereinen überlassen. Früher wurde in Schulen Faustball angeboten, heute sieht es leider nicht mehr so aus. Nationalmannschaften gibt es jedoch für Jungen und Mädchen ab 14 Jahren.

Wie können Sie den Sport mit der Arbeit vereinbaren?

Aufgrund des Schichtdienstes ist es schon etwas schwer, wir trainieren zweimal in der Woche mit dem Team, ansonsten machen wir noch Krafttraining. Für wichtige Spiele bekomme ich Sonderurlaub, aber gefördert wird mein Sport auch bei der Bundespolizei nicht. Früher gab es interne Meisterschaften, mittlerweile wurden diese auch eingestellt.

Was haben Sie nach ihrer aktiven Karriere geplant?

Ich werde mich mehr um den Beruf kümmern und ins Ausland gehen, das geht über fünf Jahre und ich müsste dreimal für elf Monate weg. Außerdem wurde ich gefragt, ob ich mit der Jugendnationalmannschaft ein Trainingslager in Namibia machen möchte. Das ist eine weitere Erfahrung, die ich machen möchte, ich müsste an die zwei bis dreimal hinfliegen. Die Jugend-WM findet ebenfalls dort statt.

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