Kevin Großkreutz spricht im Interview mit RevierSport über die Meisterschaft, Marco Reus und den Boykott des HSV-Spiels durch den harten Kern der BVB-Fans.

BVB

Großkreutz im Interview

11. Januar 2012, 09:07 Uhr

Kevin Großkreutz spricht im Interview mit RevierSport über die Meisterschaft, Marco Reus und den Boykott des HSV-Spiels durch den harten Kern der BVB-Fans.

Kevin Großkreutz, es ist noch gar nicht so lange her, da reisten Sie als Jungspund erstmals mit dem BVB ins Trainingslager. Inzwischen dürfen Sie beim Trainingsspiel Jung gegen Alt bereits bei den Älteren mitspielen. Sind Sie sich dieser neuen Rolle im Team bewusst?

Ja natürlich. Am Anfang war ich noch sehr aufgeregt, wenn es ins Trainingslager ging. Inzwischen ist das schon eher Routine für mich. Für andere Spieler ist das aber natürlich noch Neuland, denen versuche ich zu helfen und Tipps zu geben.
Wie sehen solche Tipps aus?
Dass sie immer mich anspielen sollen (lacht). Nein, ich beantworte alle Fragen und wenn neue Spieler kommen, achte ich schon sehr darauf, dass die sich bei uns auch wohlfühlen.
Und ganz bestimmt erklären Sie den Neuen auch, was es bedeutet für den BVB zu spielen!
Klar, das erzähle ich immer gerne. Es wissen ja alle, wie ich denke und ticke. In Dortmund muss man immer mit Herz und Leidenschaft spielen. Das wollen die Fans sehen und das weiß auch jeder einzelne Spieler.

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Hinter Ihnen liegt ein ebenso erfolgreiches wie aufregendes Jahr. Wie beurteilen Sie 2011 im Rückblick?

Das war ein so schönes Jahr, das hätte man sich nie träumen lassen. Es kann passieren, dass die Leute noch in 15 Jahren über die vergangene Saison sprechen werden. Es war einzigartig, wie wir die Liga dominiert haben und schließlich Meister geworden sind. So etwas wird in naher Zukunft ganz bestimmt nicht wieder passieren.

An welche Momente denken Sie am liebsten zurück?
An den Moment während des Nürnberg-Spiels, als Norbert Dickel ‚2:0 für Köln‘ geschrien hat. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben. Ich war elektrisiert, hatte Gänsehaut, das muss man einfach miterlebt haben. Diesen Moment, als ich wusste, du bist mit deinem Verein Deutscher Meister. Mit dem Verein, den du selber früher angefeuert hast. Und ich wusste ganz genau, wie stolz die Fans und die ganze Stadt in diesem Moment waren.

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Der einzige Gänsehautmoment war das in der zurückligenden Saison aber nicht, oder?
Ähnlich schön war der Empfang nach dem Derbysieg. Wir hatten in der Arena schon lange nicht mehr gewonnen und dann direkt auf eine solche Art und Weise! Wir hätten ja sogar sieben oder acht Tore machen können. Der Empfang in der Nacht war einfach überragend. So wären andere Mannschaften nach einer Meisterschaft nicht empfangen worden.
Nach der Meisterschaft geriet der Start in die aktuelle Saison etwas holprig und es gab erste Kritik…

Moment! Aber nur von den Medien. Die Fans sind ruhig geblieben und wir auch. Wir haben auch nach Niederlagen immer eine Reaktion gezeigt und bewiesen, wie stark die Mannschaft ist und was für einen tollen Charakter sie hat. Außerdem haben wir doch insgesamt eine sehr gute Hinrunde gespielt, mit der wir zufrieden sein können. Schließlich sind wir Zweiter, liegen nur drei Punkte hinter den Bayern, und sind im DFB-Pokal noch dabei.

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In der Champions League lief es allerdings überhaupt nicht. Haben Sie inzwischen eine Erklärung dafür?

Tja, wir haben Fehler gemacht, die nicht passieren durfetn und haben uns das Ausscheiden deswegen selber zuzuschreiben. Wir haben oft gut gespielt, aber die Tore nicht gemacht, uns dafür aber immer wieder kleinere Patzer geleistet. So scheidet man dann am Ende aus. Klar ist das bitter, aber dadurch haben wir auch dazu gelernt. So etwas wird uns ganz bestimmt nicht noch einmal passieren, wenn wir das nächste Mal dabei sind.

Dazu könnte auch Marco Reus beitragen, der im Sommer nach Dortmund zurückkehrt. Stimmt es eigentlich, dass Sie dicke Kumpel sind?
Na ja, wir schreiben uns öfter mal und telefonieren auch gelegentlich miteinander. Privat zusammen weggegangen oder so sind wir aber noch nicht so oft. Natürlich war es schade, dass er nach unserer schönen Zeit in Ahlen zur falschen Borussia gegangen ist. Aber damit, nach Dortmund zurückzukehren, hat er bestimmt keinen Fehler gemacht. Ich habe ihm auch schon zu Ahlener Zeiten einige BVB-Lieder beigebracht.

Jetzt steht die Rückrunde an, die mit dem Spiel in Hamburg startet. Die Initiative ‚kein Zwanni‘ hat alle BVB-Fans aufgrund der hohen Kartenpreise zum Boykott des Spiels aufgerufen. Können Sie das nachvollziehen?
Ja klar, vor allem weil die Hamburger im letzten Jahr etwas versprochen haben, was sie jetzt nicht einhalten. Ich habe vollkommenes Verständnis für die Aktion. Ich verstehe nicht, was Top-Zuschläge im Stehplatzbereich sollen.

Auch wenn unter anderem für den Gästeblock noch Karten zu haben sind, wird das Stadion dennoch voll sein. Hätten Sie es besser gefunden, wenn die Kurve leer geblieben wäre?
Das wäre aus meiner Sicht wirklich ein gutes Zeichen gewesen, um allen zu zeigen, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Es ist unverschämt, wie die Fans abgezockt werden. In erster Linie auswärts. Klar wird der Block in Hamburg voll sein, aber viele Fans, die immer dabei sind, zum Beispiel unsere Ultras, werden nicht da sein. Das wird man an der Stimmung bestimmt merken.

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