In Dortmund herrscht nach dem Aus im internationalen Wettbewerb Ernüchterung. Trainer Jürgen Klopp über die Gründe für das Scheitern und die Gefühlslage beim BVB.

BVB: Jürgen Klopp

"Es gibt keine Ausreden"

sid
07. Dezember 2011, 13:39 Uhr

In Dortmund herrscht nach dem Aus im internationalen Wettbewerb Ernüchterung. Trainer Jürgen Klopp über die Gründe für das Scheitern und die Gefühlslage beim BVB.

Jürgen Klopp, die Fans haben auf eine Fußball-Wunder gehofft, am Ende stand jedoch im letzten Gruppenspiel der Champions League eine 2:3-Niederlage gegen Olympique Marseille. Wir haben Sie das Spiel gesehen?

Man kann das Spiel als Spiegelbild der Champions League bezeichnen. Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben, waren ruhig, zielstrebig, diszipliniert und dennoch flexibel. Wir sind hochverdient in Führung gegangen und haben dann Fehler gemacht. Davon wurde einer sofort hart bestraft. Marseille hat aus drei Chancen drei Tore gemacht. Das ist hart, aber so ist auch unsere Champions-League-Saison.

Durch den frühzeitigen Rückstand des FC Arsenal in Piräus konnte der BVB auch nicht mit der nötigen Schützenhilfe rechnen...

Ab einem gewissen Moment in der zweiten Halbzeit war es logisch, dass wir uns nicht mehr qualifizieren konnten. Uns hätte ein 2:1-Sieg auch gut getan, weil das dem Spielverlauf entsprochen hätte. So haben wir den Faden verloren. Es ist bitter, wie wenig Marseille gereicht hat. Am Ende helfen wir ihnen dabei, dass sie uns zweimal schlagen können. Da gibt es keine Ausreden.

[gallery]2199,0[/gallery]
Die Borussia hat in der Bundesliga und Champions League zwei Gesichter gezeigt. Wo sehen sie die Ursachen für die ernüchternde Bilanz mit nur vier Punkten?

Vom Gefühl her hätten wir den einen oder anderen Sieg verdient gehabt, aber wir haben ihn uns nicht abgeholt, den Schuh müssen wir uns anziehen. Man muss auch sehen, dass wir uns in den guten Phasen nicht genügend belohnt haben, und in den schlechten Phasen haben wir immer ein Tor kassiert. Unser Torverhältnis ist minus sechs und jenseits davon, was wir für uns als akzeptabel erachten. So kann man nicht weiterkommen.

Oft wird bei Ihrer jungen Mannschaft mit der fehlenden internationalen Erfahrung oder sogar Naivität argumentiert. Sehen Sie das ähnlich?

Es gab auch in diesem Spiel viele Momente, in denen Erfahrung keine Rolle spielte. Ich bin überzeugt, dass wir viel gelernt haben. Wir haben jedenfalls viel investiert, aber das empfinden wir als unsere Pflicht.

Wird das frühe Europacup-Aus bei den Spielern einen Knacks mit Blick auf den weiteren Verlauf der Bundesliga-Saison hinterlassen?

Das befürchte ich nicht. Denn wie die Ergebnisse in der Saison gezeigt haben, verstehen wir es, die Wettbewerbe zu trennen. Wir haben noch drei unglaublich wichtige Spiele bis zur Winterpause, und die wollen wir erfolgreich gestalten - unabhängig von der Champions League.

Unter anderem Sky-Experte Stefan Effenberg behauptete: 4 von 18 möglichen Punkten in den Gruppenspielen seien eines deutschen Meisters unwürdig. Hat der BVB den deutschen Fußball unwürdig vertreten?

Wir haben das Problem, dass wir den Verein nicht so vertreten haben wie es auch den Fans gegenüber angemessen gewesen wäre. Darüber sind wir sehr enttäuscht, mehr geht nicht. Darüber hinaus sind wir uns keiner Schuld bewusst. Wir würden trotz allem wieder in der Champions League mitspielen, sofern wir uns wieder qualifizieren.

Autor: sid

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren