Wenn alles nach seinem ursprünglichen Plan
gelaufen wäre, hätte Klaus Toppmöller mit dem Länderspiel der
deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Samstag (20.00 Uhr/live im
ZDF) in Rostock gegen Georgien nichts zu tun gehabt.

"Toppi" hofft auf Lerneffekt

05. Oktober 2006, 11:24 Uhr

Wenn alles nach seinem ursprünglichen Plan
gelaufen wäre, hätte Klaus Toppmöller mit dem Länderspiel der
deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Samstag (20.00 Uhr/live im
ZDF) in Rostock gegen Georgien nichts zu tun gehabt.

Doch Anfang des Jahres nahm der dreimalige deutsche Nationalspieler vom
eigentlich schon besiegelten Engagement bei der TSG Hoffenheim
Abstand, überließ Ralf Rangnick den Trainerjob beim
Regionalligisten und setzte sich selbst auf die Bank der Georgier.
Diese Entscheidung hat Toppmöller, der seit dem 1. Februar die
Mannschaft aus dem 4,7 Millionen Einwohner zählenden Land im
Kaukasus betreut, nicht bereut. `Ich wurde sensationell in Georgien
empfangen. Und obwohl ich mehrere gute Angebote hatte, war für mich
ausschlaggebend, dass es hier sehr viele gute Einzelspieler gibt.
Aus einem Team mit Spielern wie Lewan Kobiaschwili von Schalke 04
oder Kacha Kaladse vom AC Mailand kann man eine schlagkräftige
Truppe machen´, sagte der dreifache Familienvater aus Rivenich an
der Mosel.
Toppmöller bestimmt die Geschicke seines Teams weitgehend von
seinem Heimatort aus. Für den 56-Jährigen ist diese Amtsführung in
vielerlei Hinsicht von Vorteil. Von Deutschland aus hat Toppmöller
seine Spitzenspieler, die alle im Ausland unter Vertrag stehen,
besser im Blick. Dazu wohnt der Verbandspräsident in Heidelberg,
und als Vertraute hat der Coach seinen Bruder Heinz sowie seinen
Assistenten Ralf Minge nach Osteuropa geschickt.
In den ersten drei Monaten seiner Amtszeit war aber auch
Toppmöller fast durchgehend in Georgien, um sich einen Überblick zu
verschaffen und zu orientieren. `Wir mussten bei Null anfangen.
Hier war alles ziemlich am Boden. Die Liga hat maximal das Niveau
der deutschen Regionalliga. Aber es gibt viele gute Spieler, die in
jungen Jahren schon nach Russland oder in die Ukraine gehen und so
mehr oder weniger verloren gehen. Die muss man quasi erst einmal
wieder ausgraben´, berichtete der Rekord-Torschütze des 1. FC
Kaiserslautern (108 Tore in 204 Bundesligapartien).
Die Partie gegen sein Heimatland sieht der Ingenieur für
Versorgungstechnik nicht als besonderes Spiel. Für Toppmöller, der
im Oktober 2004 bei Bundesligist Hamburger SV entlassen wurde,
steht die Mannschaft im Vordergrund: `Die Jungs sind heiß und
wollen sich zeigen. Natürlich wollen wir auch gewinnen, aber dafür
müsste alles perfekt laufen. Mir würde es schon reichen, wenn wir
uns Respekt erarbeiten könnten.´
Außerdem hofft Toppmöller, der bis zum Ende des kommenden
Jahres bei den Georgiern unter Vertrag steht, auf einen Lerneffekt
bei seinen Spielern. `Sie sollen die deutschen Tugenden wie
Disziplin, Zweikampfstärke und Siegeswillen kennen lernen, denn die
sind in Georgien kaum ausgebildet´, erklärte der Trainer: `Ich muss
den technisch sehr beschlagenen Spielern eben diese Tugenden
beibringen. Das wollen die Georgier. Wenn sie mich nicht geholt
hätten, dann hätten sie einen anderen Deutschen verpflichtet.´
Für Toppmöller sind die deutschen Eigenschaften besonders im
Hinblick auf die Qualifiaktion zur EM 2008 in der Schweiz und
Österreich wichtig: `Wir wollen dort für die ein oder andere
Überraschung sorgen. Aber in einer Gruppe mit Italien, Frankreich
und der Ukraine sind wir natürlich krasser Außenseiter.´

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