Zum ersten Mal in der 195-jährigen DFB-Geschichte tritt die deutsche Nationalmannschaft heute in Mönchengladbach an. Das Spiel gegen Russland ist zugleich auch die Generalprobe für den Konföderationen-Pokal.

Premiere in Mönchengladbach als Generalprobe

08. Juni 2005, 07:47 Uhr

Zum ersten Mal in der 195-jährigen DFB-Geschichte tritt die deutsche Nationalmannschaft heute in Mönchengladbach an. Das Spiel gegen Russland ist zugleich auch die Generalprobe für den Konföderationen-Pokal.

Ausgerechnet die Premiere der deutschen Nationalmannschaft in Mönchengladbach ist zeitgleich auch die Generalprobe für die Generalprobe. Mit dem Länderspiel beendet die Nationalelf heute gegen Russland (20.45 Uhr/live im ZDF) die Vorbereitung auf den Konföderationen-Cup, der wiederum den Ernstfall für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr simulieren soll. Für Bundestrainer Jürgen Klinsmann ist es fast genau ein Jahr vor dem Eröffnungsspiel bei der WM am 9. Juni 2006 ein weiterer "wichtiger Test, um zu sehen, wo wir stehen".

Mit entsprechender Ernsthaftigkeit verfolgt die DFB-Auswahl die Premieren-Partie in Gladbach. "Das ist ein wichtiger Prüfstein mit Wettkampfcharakter. Wir müssen jetzt unseren Rhythmus finden", sagte Torwart Oliver Kahn. Kapitän Michael Ballack forderte gegen die "Sbornaja" sogar einen Sieg, "das würde noch mehr Selbstvertrauen geben. Viele Spieler sind nicht so positiv aus der Saison herausgekommen. Gerade da gilt es besonders, Vertrauen aufzubauen."

Klinsmann verzichtet auf Experimente

Klinsmann kündigte zwei an, weiterhin einige Dinge auch im Hinblick auf den "Confed-Cup" (15. bis 29. Juni) und die WM 2006 (9. Juni bis 9. Juli) ausprobieren zu wollen. Im Vergleich zum 4:1-Erfolg in Nordirland wird es aber keine großen Experimente geben. Zumal der Bundestrainer sehen will, "dass sich das Grundgerüst langsam einspielt. Es gibt in jeder Mannschaft einen Kern, der sich positioniert hat. Bei uns gibt es das auch. Sechs, sieben, acht Spieler wissen, dass sie gesetzt sind".

Zum Grundgerüst von Klinsmann gehören Spieler wie Oliver Kahn, Michael Ballack, Torsten Frings, Bernd Schneider, Fabian Ernst, Per Mertesacker und Kevin Kuranyi. Einen Sebastian Deisler sieht der Bundestrainer dagegen weiterhin in der Rolle des "Herausforderers". Der Münchner sei zwar ein "Ausnahmetalent, der weiß, dass er unseren Rückhalt genießt. Wir hoffen, dass er sich durchboxt. Aber er muss sich auch in die Mannschaft reinarbeiten".

Möglicherweise wird Klinsmann deshalb erneut auf Deisler in der Startformation verzichten, auch wenn "Kaiser" Franz Beckenbauer sich erneut für einen Bayern-Block mit Kahn, Ballack, Frings, Bastian Schweinsteiger und Deisler in der Nationalmannschaft stark gemacht hatte. Man habe in Deutschland die erfolgreichste Zeit gehabt, äußerte der WM-OK-Chef, "wenn wir auf Blöcke gesetzt haben. Irgendwann wird Jürgen Klinsmann das honorieren".

Kahn und Friedrich ersetzen Lehmann und Huth

Sicher ist jedoch nur, dass im Borussen-Park Arne Friedrich für den gesperrten Robert Huth in der Innenverteidigung spielen und Oliver Kahn im Tor der Nationalmannschaft stehen wird. Der Münchner ersetzt im Zuge der Rotation seinen Kontrahenten Jens Lehmann, um den es in der vergangenen Woche viel Wirbel gegeben hatte. Beim Spiel in München gegen den FC Bayern war der Keeper von Arsenal London gnadenlos ausgepfiffen worden, was einen heftigen Streit zwischen Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff nach sich gezogen hatte.

Eine ähnliche Reaktion der Gladbacher Fans gegen den Münchner Kahn wünscht sich Klinsmann nicht. Er fordert die Zuschauer indes auf, den nationalen Gedanken in den Vordergrund zu stellen und nicht etwaige Vereinsinteressen. "Pfiffe gegen einen Nationalspieler haben bei einem Länderspiel nichts zu suchen. Das können die Fans in der Bundesliga machen", so Klinsmann, der sich vielmehr auf eine "tolle Atmosphäre in einem tollen Stadion" freut. 45.600 Zuschauer in Gladbach, das kein WM-Spielort ist und erstmals in der 105-jährigen DFB-Geschichte ein Länderspiel austragen darf, sollen die Mannschaft "anfeuern und nach vorne treiben".

Zumal die Deutschen Respekt vor den Gästen aus Russland haben. Klinsmann sprach von einem "sehr interessanten Gradmesser". Das werde ein Spiel, "das die Mannschaft fordert. Russland ist sehr spielstark, das hat man zuletzt auch beim Europacupsieg von ZSKA Moskau gesehen. Diese Truppe hat es in sich. Die werden uns alles abverlangen".

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