Die Hafenstraße knistert! Die beiden Ex-Bundesligisten RW Essen und Wuppertaler SV zücken am Samstag die Spitzenspiel-Degen, beide haben das Ziel Aufstieg vor Augen.

RWE - WSV: Die großen West-Rivalen im Vergleich

og/tt
09. April 2004, 12:56 Uhr

Die Hafenstraße knistert! Die beiden Ex-Bundesligisten RW Essen und Wuppertaler SV zücken am Samstag die Spitzenspiel-Degen, beide haben das Ziel Aufstieg vor Augen.

Die Hafenstraße knistert! Die beiden Ex-Bundesligisten RW Essen und Wuppertaler SV zücken am Samstag die Spitzenspiel-Degen, beide haben das Ziel Aufstieg vor Augen.

RWE-Trainer Jürgen Gelsdorf: "Es dreht sich um die vier Truppen Dynamo Dresden, RW Essen, Wuppertal und Paderborn. Es gibt keinen Favoriten, der WSV ist als Tabellenführer nicht meilenweit weg." RevierSport hat beide Kontrahenten unter die Lupe genommen, Ausgangslage, Druck-Frage, Mannschafts-Teile und Bank-Alternativen bewertet.

Ausgangslage: Der WSV musste am Dienstag zum Nachholspiel bei den Amateuren des Hamburger SV ran (1:0), zuvor gab es den 2:1-Arbeitssieg gegen Holstein Kiel. Die Regenerations-Zeit ist ausgerechnet vor dem schweren Gang zu Rot-Weiss äußerst kurz, dafür wurde das Selbstvertrauen-Reservoir bis zum Rand gefüllt. WSV-Fußball-Lehrer Georg Kreß: "Hamburg war unser Schlüsselspiel. RWE kann uns mit einem Sieg nicht einholen, bei einer Niederlage wären sie sieben Punkte hinter uns. Allerdings geht es nicht um WSV oder RWE: Schließlich sind zwei Aufstiegsplätze zu vergeben." Essen kann den Akku im Gegensatz zu den Bergischen allerdings mehr aufladen und die Spannung nach dem Remis bei Mitkonkurrent Dynamo Dresden allmählich Richtung Samstag aufbauen. Einschätzung: Vorteil RWE, (1:0).

Defensive: RWE-Keeper Sascha Kirschstein kassierte im Jahr 2004 erst einen Gegentreffer im Georg-Melches-Stadion - und zwar beim 5:1 gegen Neumünster. Die RWE-Viererkette mit Ernst, Kück, Ristau und Weigelt steht gut, Probleme treten bisweilen in der Spieleröffnung auf. Auffällig außerdem: Die Linkslastigkeit.

Wuppertal verfügt mit dem erfahrenen Karsten Baumann (261 Bundesliga-Spiele) über einen großen Trumpf, Torwart Christian Maly strahlt auch in brenzligen Situationen Ruhe aus. Routinier Vladimir Hyza gilt als optimaler Bewacher für schnelle, wendige Spitzen. Björn Mehnert ist zwar kein "Turbo", besticht aber durch glänzendes Auge und geschicktes Ankurbeln der Offensive. Einschätzung: Punkt für beide, (2:1).

Mittelfeld: Auch wenn es immer wieder unfundierte Gegenstimmen gibt: Marcus Wedau befindet sich bei den Essenern in glänzender Verfassung, der einstige Ahlener glänzt durch Spielfreude, Dynamik und öffnende Pässe. Erwin Koen (zehn Saisontore) zählt auf der linken Schiene zu den stärksten Regionalliga-Spielern, der abgezockte Ex-Lauterner Bjarne Goldbaek konnte dem Spiel bisher nicht immer vehement seinen Stempel aufdrücken. Auf der rechten Seite agiert im Normalfall der emsige Straßenfußballer Ali Bilgin.

Die Bergischen besitzen ihr Ass in Form von Jean-Louis Tavarez. Der senegalesische Ex-Nationalspieler ist technisch eine Augenweide, holt viele Freistöße heraus, muss aber sein afrikanisches Temperament bisweilen zügeln. "Natürlich hat er auch noch nicht die Sterne vom Himmel geholt, ist aber mit seinen 32 Jahren super-erfahren", definiert RWE-Trainer Gelsdorf.

Markus Bayertz sichert die linke Seite gewissenhaft ab, rechts kann Trainer Kreß mehrere Varianten wählen: In Münster versuchte er es mit Sven Steup, zuletzt mit dem laufstarken Artur Matlik. Andy Gensler setzt Akzente nach vorne, zentral defensiv ist der zweikampfstarke Marc-André Narewsky eine Bank. Einschätzung: Knapper Vorteil RWE, (3:1).

Angriff: Rot-Weiss-Neuzugang Sebastian Schoof schoss gegen Neumünster drei Treffer, kommt aber nur dann richtig zur Geltung, wenn er permanent gefüttert wird. Benny Köhler (acht Saisontore) gilt als wendiger Gegenpart, ließ die Killer-Mentalität in den letzten Wochen aber etwas vermissen. Georg Kreß: "Köhler und Schoof sind als Spitzen sehr beweglich, auf sie müssen wir genauso achten wie auf Koen und Goldbaek. Sie gilt es, auszuschalten."

Der WSV setzt vorne auf eine gut eingespielte, erfahrene Mischung: Der Tscheche Ales Kohout hat neun Mal getroffen, weicht oft auf die Flügel aus und hat technisch alles drauf. Olli Ebersbach (acht Erfolge) ist der typische Instinkt-Stürmer: Er lauert immer da, wo es brennt, bringt fußballerisch alles mit, kennt dazu noch die Georg-Melches-Stadion-Grashalme aus seiner Rot-Weiss-Zeit. Mike Terranova rückte beim 2:1 gegen Kiel in den Angriff, weil Kohout gesperrt war. "Terra" gilt als idealer, unermüdlicher Wühler, hat aber noch kein Saisontor erzielt. Einschätzung: Vorteil WSV, (3:2).

Bank-Alternativen: Jürgen Gelsdorf kann auf Ramazan Yildirim, den Allrounder, zurückgreifen. Sascha Wolf steht als reiner Keilstürmer Gewehr bei Fuß, für die linke Seite bietet sich Torben Tutas an, für den Defensiv-Bereich Youngster Philipp Haastrup und Ex-Nationalspieler Heiko Bonan.

WSV-Kollege Georg Kreß hat mit dem abgezockten Sturm-Joker Holger Gaißmayer, der diese Rolle schon zu Kölner Bundesliga-Zeiten erfolgreich mit Leben füllte, vielleicht die entscheidende Trumpfkarte im Ärmel. Marc Bach kommt als offensiver Dampfmacher links in Frage, Sven Steup bietet sich rechts an. Nico Reckert und Frank Klemmer halten sich für die Verteidiger-Position bereit. Einschätzung: Vorteil WSV, (3:3).

Druck-Frage: RWE kann seine immense Heimstärke sowohl gegen den WSV als auch gegen den anderen Widersacher Paderborn ausspielen, die Bergischen müssen im Essener Hexenkessel und bei den unbequemen Ostwestfalen antreten. Die Diskussion, auf welchem Team mehr Druck lastet, ist holprig. Rot-Weiss spielt von der ersten Sekunde dieser Saison um den Aufstieg, kann also mit der Situation entsprechend umgehen. Gelsdorf: "Nervös ist man gegen Neumünster, das Kellerkind macht jedem das Leben schwer. Das Match gegen den WSV ist einfach nur schön."

Wuppertal hat seine Außenseiter-Rolle längst abgestriffen, wird in der Liga ernst genommen und entsprechend bekämpft. Vier Punkte Vorsprung sind ein kleines Polster, aber längst kein Frei-Abo für Liga zwei. Die Enttäuschung eines Aufstiegs-Scheiterns würde garantiert mit in die neue Saison geschleppt. RWE diente dafür als bestes Beispiel, nach zwei "Blech-Medaillen" war die Luft raus, das Stühlerücken begann, Trainer Pleß musste gehen. Gelsdorf: "Wenn der WSV diese Partie gewinnt, dann marschiert die Truppe sicherlich. Und trotzdem, das nächste Spiel muss dann auch erst wieder gewonnen werden." Einschätzung: Knapper Vorteil RWE, (4:3).

Autor: og/tt

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