Im Trainingslager an der Algarve warten auf den MSV entscheidende Tage, denn der Coach muss sein Team für die Rückrunde fit machen. Für den Aufstieg ? RevierSport sprach mit Trainer Norbert Meier.

MSV: Kein Schweinehund im Team

rl
09. Januar 2004, 10:47 Uhr

Im Trainingslager an der Algarve warten auf den MSV entscheidende Tage, denn der Coach muss sein Team für die Rückrunde fit machen. Für den Aufstieg ? RevierSport sprach mit Trainer Norbert Meier.

Gestern startete der MSV Duisburg ins Trainingslager nach Portugal. An der Algarve warten auf Trainer Norbert Meier und sein Team entscheidende Tage, denn der Coach muss die Zebras bis zum Rückrundenstart am 31. Januar so fit machen, dass die Aufstiegsränge wieder angegriffen werden können. RevierSport-Mitarbeiter Roland Leroi unterhielt sich mit Norbert Meier.

Herr Meier, wie wollen Sie denn noch den Aufstieg schaffen?
Zunächst wollen wir einmal die Relationen klarstellen. Vielleicht kam es zu Saisonbeginn falsch rüber, aber ich habe immer gesagt, dass wir angreifen wollen. In der Mittelfristigkeit baut man sicher kein Stadion, um in der zweiten Liga zu bleiben. Der Aufbau einer neuen Mannschaft braucht aber Zeit, vor allem wenn mal in der Schlussphase durch verletzte und gesperrte Spieler auf dem drittletzten Loch pfeift. Wir müssen uns vom Druck freimachen. Druck gehört dazu, aber wenn man in solche Situationen kommt, muss man auch damit umgehen können. Wir hatten im Verlauf der Hinrunde einige Chancen, um oben rein zu kommen, haben diese aber nicht genutzt. Das Thema Aufstieg wollen wir nicht aus den Augen verlieren, wir müssen aber nicht permanent darüber quatschen. Wir müssen Punkte holen. Die Gegentore fingen wir uns in den letzten Minuten und natürlich kommen dann Fragen auf, ob die Mannschaft nicht fit genug ist.

Haben Sie eine Antwort?
Ich habe das auch die Mannschaft gefragt und gehört, dass wir viele Spiele auch in den letzten Minuten noch umgebogen haben. Das sind Fakten. Ich glaube, dass wir einfach nur eine schlechte Phase hatten. Zu Saisonbeginn konnten wir daheim ja auch gewinnen, irgendwann drehte sich das um. Kräftemäßig waren wir aber immer up to date. Und daheim wollten wir noch mehr, die Mannschaft verkrampfte in der Schlussphase aber und konzentrierte sich mehr auf den Angriff als auf die Abwehr. Das müssen wir aus den Köpfen der Spieler bekommen.

Karlsruhe, Mainz, Oberhausen, Bielefeld - alle warteten an der Wedau nur auf MSV-Fehler, die sich immer zeitnah einstellten.
Alles Partien in denen uns die Gegner nicht an die Wand spielten. Wir fingen uns Gegentore aus geordneten Bahnen, weil wir nicht aggressiv genug in die Zweikämpfe gegangen sind. Die letzte Entschlossenheit fehlte.

Erst am Ende der Hinrunde lief der MSV der Musik hinterher. Gibt es für Sie einen Knackpunkt.
Wenn, dann war es das Karlsruhe-Spiel. Wir hatten vorher in Ahlen und Frankfurt gewonnen und traten mit breiter Brust auf. Wenn wir da gewinnen, läuft alles in anderen Bahnen.

Was macht Ihnen Hoffnung?
Was mich optimistisch macht, ist das viele Mannschaften Wellentäler durchleben. Wir konnte noch keine zwei Siege in Serie hinlegen, haben aber auch noch nicht zwei Niederlagen in Folge hinnehmen müssen.

15 neue Spieler...
... die bestimmt nicht alle enttäuscht haben. Einen Ahanfouf hätte im letzten Sommer doch kein anderer genommen. Markus Kurth schlug bis zu seiner Verletzung ein, Alex Bugera spielte eine ordentliche Rolle, Rob Maas war anhand der Erwartungen solide. Wir wussten ja, dass nicht alle 15 einschlagen.

Solide alleine reicht aber doch nicht, wenn Kapitäne wie Hirsch und Maas eigentlich Führungsspieler sein sollen, unterm Strich aber viel zu brav sind.
Teilweise hängt das mit der eigenen Leistung zusammen. Wenn ein Spieler mit sich selbst zu tun hat, verliert er den Blick für andere Dinge. Das ist menschlich. Eine Mannschaft muss eine gewachsene Hierarchie bekommen, die ein Trainer nicht vordiktieren kann. Der Selbstreinigungsprozess muss laufen, wir stehen aber erst am Anfang. Der Tabellenplatz spiegelt gewisse Sachen wieder. Wer daheim nicht gewinnt, steht auch nicht oben. Weil uns aber keiner aus dem Anzug schoss, macht mir das Hoffnung.

Der Schweinehund wird vermisst.
Richtig, Fußball ist ein hartes Geschäft, da können auch derbe Worte fallen. Auf die Mannschaft kann man nichts kommen lassen. Alle sind gewillt und positive Charaktere. Ein Schweinehund ist nicht dabei.

In der Winterpause soll ein Neuer kommen - oder dürfen es auch mehrere sein?
Das hängt von den Spielern ab. Grundsätzlich gibt der Markt im Winter nicht so viel her. In der Breite müssen wir den Kader nicht verändern, sondern nur in der Spitze. Und dann brauchen wir das Glück, das es gleich passt.

Autor: rl

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