Jahn Regensburg steht in der 2. Bundesliga ohne Trainer da. Ingo Peter trat am Montag mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Übungsleiter des Aufsteigers zurück.

Peter schmeißt in Regensburg hin

bb
18. November 2003, 09:34 Uhr

Jahn Regensburg steht in der 2. Bundesliga ohne Trainer da. Ingo Peter trat am Montag mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Übungsleiter des Aufsteigers zurück.

Trainer Ingo Peter hat nach nur vier Monaten resigniert und den krisengeplagten Zweitligisten SSV Jahn Regensburg verlassen. Der 52-Jährige, der beim Aufsteiger erst zu Saisonbeginn die Nachfolge von Erfolgscoach Günter Sebert angetreten hatte, erklärte am Montag mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt.

"Die Atmosphäre ist im Moment nicht gut, das hilft keinem der Beteiligten, deswegen sollten wir uns das nicht mehr antun und deswegen habe ich gesagt, lasst uns aufhören", verdeutlichte Peter seine Beweggründe: "Ich bin enttäuscht, weil die Reaktionen, die zuletzt aus dem Umfeld kamen, ungerecht sind."

Kritik kam auch aus der Mannschaft

Die Personalie kam nicht mehr unerwartet, nur der Zeitpunkt überraschte. Peter hatte sich zuletzt nicht nur öffentlich mit dem allmächtigen Vereinsboss Heinz Groenewold angelegt, sondern war auch in Teilen der Mannschaft in die Kritik geraten.

Der Aufsteiger, der nach dem ersten Saison-Drittel mit 13 Punkten auf Platz 14 der Tabelle und damit nur noch einen Punkt vor den Abstiegsrängen steht, verabschiedete seinen Trainer am Montag nur mit einer dürren Pressemitteilung: "Herr Peter verlässt auf eigenen Wunsch den SSV Jahn. Das Präsidium bedankt sich für seine Arbeit und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute."

20 Bewerbungen liegen bei Jahn vor

Noch in dieser Woche will Groenewold, der sich offiziell "Generalbevollmächtigter der Fußball-Abteilung" tituliert, einen Nachfolger präsentieren. Rund 20 Bewerbungen liegen dem Jahn-Boss angeblich vor, darunter nach eigener Auskunft auch welche von Frank Neubarth, dem ehemaligen Trainer des Bundesligisten Schalke 04, oder von Klaus Fischer, der aus dem Bayerischen Wald und damit aus der näheren Umgebung kommt.

Vorerst übernimmt Amateur-Trainer Günter Brandl als Interims-Lösung das Training der Profis. Falls Groenewold bis zum Wochenende keinen Nachfolger findet, will er sich beim Auswärtsspiel bei der LR Ahlen am Sonntag zusammen mit Brandl auf die Bank setzen und selbst die Verantwortung übernehmen. Ironie des Schicksals: Auch Ahlen hat sich erst am vergangenen Freitag von Trainer Stefan Kuntz getrennt. Außerdem war in dieser Zweitliga-Saison noch Eugen Hach bei der SpVgg Greuther Fürth entlassen worden.

"Es geht um den SSV Jahn"

Erst am Freitag hatten sich die Verantwortlichen in Regensburg mit Ingo Peter zusammengesetzt und die Lage besprochen. Bis zur Winterpause gab das Präsidium dem Trainer noch Zeit, die Mannschaft aus der Talsohle zu führen. Peter aber, der die ganze Woche über mit einer schweren Grippe im Bett lag, hatte von den ständigen Querelen anscheinend genug.

Noch am Sonntagabend informierte er per Telefon den zweiten Vorsitzenden Wolfgang Gural über seine Entscheidung. Der wiederum verständigte Groenewold umgehend per SMS, die der Vereinsboss aber erst am Montagmorgen las. Die Kündigung seines Trainers nahm der Vereinsboss äußerlich gelassen auf: "Es geht nicht um Ingo Peter und nicht um Heinz Groenewold, es geht um den SSV Jahn."

Zuletzt drei Pleite in vier Spielen

Nach einem gelungenen Saisonstart und prestigeträchtigen Testspiel-Erfolgen gegen Bayern München oder Glasgow Rangers war Regensburg zuletzt immer stärker ins Trudeln geraten. Zwar schaltete der Zweitliga-Aufsteiger im DFB-Pokal den Bundesligisten VfL Bochum aus, in der Liga aber ging es nach drei Niederlagen in den letzten vier Spielen stetig bergab.

Schon nach der 1:2-Heimniederlage vor vier Wochen gegen Alemannia Aachen war die Trennung absehbar. Groenewold kritisierte öffentlich die Aufstellung des Trainers, der schlug ebenso kräftig zurück: "Was der Herr Groenewold sagt, interessiert mich nicht." Von da an war alles nur noch eine Frage der Zeit.

Autor: bb

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