Neun Neuzugänge wurden bei RWO bisher verpflichtet, mindestens ein Innenverteidiger soll noch hinzu kommen. Dazu wurden drei Nachwuchsspieler in den Kader „befördert“. Die aktuelle Checkliste

RWO - Checkliste der „Neuen“

mk
25. Juli 2003, 12:06 Uhr

Neun Neuzugänge wurden bei RWO bisher verpflichtet, mindestens ein Innenverteidiger soll noch hinzu kommen. Dazu wurden drei Nachwuchsspieler in den Kader „befördert“. Die aktuelle Checkliste

Der Countdown läuft. In neun Tagen startet RW Oberhausen bei Bundesliga-Absteiger Arminia Bielefeld in die Saison. Zuvor wird letztmals am Sonntag gegen De Graafschap (14.30 Uhr, Ulft) der Ernstfall getestet.

Neun Neuzugänge wurden bisher von Außen verpflichtet, mindestens ein Innenverteidiger soll noch hinzu kommen. Dazu wurden drei Nachwuchsspieler in den Kader „befördert“. Die aktuelle Checkliste:

Adrian Aliaj (RSCS Charleroi): Spricht sechs Sprachen, kickte vor einigen Jahren mal bei Hannover 96 (zwei Einsätze). Der 26-jährige Albaner soll in der Abwehrkette links agieren, gleichzeitig auch Druck nach vorn entwickeln. Das Problem: der Nationalspieler hatte bedingt durch Einsätze im Länderteam kaum Urlaub. Die fehlende Frische machte sich auch in den bisherigen Testspielen bemerkbar. Trainer Jörn Andersen, der sich auch beim albanischen Nationalmannschafts-Trainerassistenten Axel Roos erkundigt hatte, zum Linksfuß: „Ich hatte Aliaj lange auf der Liste und freue mich, dass der Wechsel geklappt hat. Wenn er körperlich voll auf der Höhe ist, ist ihm mittelfristig eine Führungsrolle zugedacht.“

Denis Bushuev (Hertha Amateure): Pech für den Russen - er verpasste wegen anhaltender Muskelbeschwerden den Großteil der Vorbereitung. Ist der 21-Jährige wieder einsatzbereit, wird man ihn im linken Mittelfeld antreffen. Aufgrund des Verletzungspechs ist aber gegenwärtig keinerlei Prognose möglich, ob und wann Bushuev der Sprung aus der Oberliga in den Profifußball gelingen wird.

Andre Izepon (Portuguesa Santista FC): Der brasilianische Innenverteidiger blieb bisher jeden Nachweis seiner Zweitliga-Tauglichkeit schuldig. Nimmt man die in den letzten Wochen gesammelten Eindrücke zum Maßstab, muss um die Fitness von Anthony Tiéku und Dejan Raickovic heftig gebangt, und auf den dringend benötigten Neuzugang im Abwehrbereich gehofft werden. „Ich sehe ihn nicht so negativ wie die Medien. Klar ist aber, dass Izepon noch Zeit brauchen wird, um sich an die hiesigen Ansprüche und Belastungen zu gewöhnen“, ordnet auch Andersen den 23-Jährigen mit Wohlwollen in die Kategorie „Ergänzungsspieler“ ein.

Lars Kampf (SV Babelsberg): Kann nach Muskelfaserriss frühestens am Sonntag wieder zur Mannschaft stoßen. Damit hat der Stürmer lediglich ein Vorbereitungsmatch absolvieren können, hielt sich ansonsten vor allem in der Reha auf. Seinen Vorgesetzten beeindruckte der 25-Jährige dennoch. „Lars ist sehr ehrgeizig, haut sich 90 Minuten rein und hat in den ersten Wochen riesige Fortschritte gemacht. Ein Typ, der den geraden Weg zum Tor sucht. Könnte gerade in Auswärtsspielen seine Stärken entfalten“, lobt Andersen. Kampf schleppt Bälle in die Spitze, schließt vor der Kiste entschlossen ab. Für Absteiger Babelsberg erzielte er im Spieljahr 2001/02 in 23 Einsätzen immerhin acht Treffer. Die große Frage: wie schnell ist er wieder voll belastbar?

Carsten Nulle (Waldhof Mannheim): Adler neuer „Schattenmann“ zwischen den Pfosten. Steht der Nummer 1 vom Leistungsvermögen her nicht nach, ackert im Training und kanalisiert seinen Ehrgeiz. Trotz der eigenen Ansprüche scheint ein „Torwartkrieg“ a la Borussia Dortmund ausgeschlossen. „Ein guter Charakter, er macht mir sowohl als Keeper wie auch als Mensch große Freude“, unterstreicht Andersen diese Eindrücke. Beruhigend: sollte Adler schwächeln oder ausfallen, ist ein gleichwertiger Mann an Bord.

Alassane Ouedraogo (1. FC Köln Am.): Wieselflinker Spieler für den rechten Mittelfeldbereich, der die für ihn ungewohnt hohen Belastungen der Vorbereitungszeit überraschend gut wegsteckte. Optional ist der 22-Jährige auch als Konterstürmer vorstellbar. „Ouedraogo muss vor allem noch an der Konzentration feilen, ihm unterlaufen zu oft leichte Ballverluste. Auf Sicht aber hat er die Voraussetzungen, um sogar in der Bundesliga Fuß zu fassen“, blickt sein Trainer in die Zukunft. In der Gegenwart wird es Ouedraogo schwer haben, in die erste Elf zu kommen.

Gauthier Remacle (RSC Charleroi): Nachfolger von Jürgen Luginger im rechten Defensivbereich. Auf den Belgier setzt Jörn Andersen als Leistungsträger und Führungsspieler. Eigentlich - denn bisher kommt vom 26-Jährigen zu wenig. „Ich bin derzeit ein wenig enttäuscht, Remacle muss sich steigern! Er wirkt ungewöhnlich nervös für einen Spieler aus der ersten belgischen Liga“, spricht Andersen Klartext. Einen wackelnden Remacle kann sich RWO neben den vielen weiteren Fragezeichen aber absolut nicht leisten.

Leandro Simioni (SC Paulista): Vor seinem Wechsel nach Oberhausen fünf Monate ohne Verein - was man dem brasilianischen Weltenbummler (spielte bereits in Japan und Belgien) auch anmerkt. Kroch zuletzt auf dem Zahnfleisch. Der 28-jährige Stürmer durschritt körperlich ein tiefes Tal. Dennoch zu sehen: Schussstärke und Kopfball sind ordentlich. Vor dem Verzetteln warnt Andersen: „Er macht zu viel, will auch noch Bälle aus dem Mittelfeld holen. Engagement ist okay, aber nicht blind. Seine Stärke liegt vor dem Tor.“ In Heimspielen scheint das Duo Simioni/Beliakov zunächst gesetzt, auswärts droht einem der beiden Strafraumexperten zugunsten eines Konterstürmers die Bank.

Bojko Velichkov (Lokomotive Sofia): Auf dem Bulgaren (zwei Länderspiele) ruhen die größten Hoffnungen. Der offensive Mittelfeldspieler kickt beidfüßig stark, besitzt ein überdurchschnittliches Passspiel und geht auch in die Spitze. Velichkovs vordringlichste Aufgabe: schnell die Sprache lernen. Als spieltragende Figur muss der 29-Jährige wesentlich lauter werden. „Ein Klasse-Fußballer, von dem ich entsprechend viele Akzente erwarte. Auch Tore - für acht bis zehn Buden ist Velichkov auf jeden Fall gut“, setzt Jörn Andersen voll auf seine Nummer 10.

Ball flach halten - das gilt für den eigenen Nachwuchs in Form von Benjamin und Tim Reichert, sowie Arne Janssen. „Für die Drei geht es vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln. Benny Reichert ist am weitesten, könnte im Fall der Fälle ein Ersatz für Remacle sein. Doch in erster Linie werden sie bei den Amateuren spielen“, unterstreicht Andersen. Dennoch besitzt das Trio bereits jetzt einen wichtigen Stellenwert: es bringt Rot-Weiß näher an die Zahl der geforderten zwölf Spieler mit deutschem Pass heran.

Neun „Neue“ - viele Fragezeichen. Verletzungen und Nachholbedarf, Sprachdefizite. Die Prognose für RW Oberhausen von vor rund fünf Wochen hat sich nicht geändert: Riiiiisiko!

Autor: mk

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