An der Alster wird vor Weihnachten abgerechnet - Hoffmann: `Alle nötigen Maßnahmen ergreifen´

16. Dezember 2006, 21:19 Uhr

Dem letzten Tiefschlag in einem katastrophalen halben Jahr für den Hamburger SV folgt an der Alster nun die gnadenlose Abrechnung.

Dem letzten Tiefschlag in einem katastrophalen halben Jahr für den Hamburger SV folgt an der Alster nun die gnadenlose Abrechnung. Die sportlich miserable Bilanz, die sich nach dem unnötigen 3:3 (1:0) der Hanseaten bei Alemannia Aachen am Samstag in Zahlen auf 13 magere Punkte aus 17 Spielen und dem vorletzten Tabellenplatz beläuft, könnte nun Trainer Thomas Doll zum Verhängnis werden. Der Vorstandvorsitzende Bernd Hoffmann machte unmittelbar nach dem frustierenden Abschluss der Hinrunde klar, dass nach dem `Tüpfelchen auf dem I´ in der kommenden Woche eine genaue Analyse erfolgen wird. `Wir werden uns zusammensetzen und zügig, aber nicht hastig die Maßnahmen ergreifen, die nötig sind, um 25 Punkte plus x zu holen und den Abstieg zu vermeiden.

Der Eindruck heute spielt dabei sicher eine wichtige Rolle´, sagte der Vorstands-Boss. Die Rumpfelf des HSV, die auf acht Stammkräfte verzichten musste, muss bei Hoffmann einen guten Eindruck hinterlassen haben - zumindest bis zur 76. Minute. Da führten die Gäste vor 20.800 Zuschauern bei strömendem Regen durch Treffer von Besart Berisha (32.), Collin Benjamin (67.) und Danijel Ljuboja (76.) bei einem Gegentreffer von Laurentiu Reghecampf (62.) bereits mit 3:1, verpasste aber durch Christian Fiel (77.) und das Eigentor von Bastian Reinhardt (90.) noch den sichergeglaubten Sieg. `Die ersten 75 Minuten machen mich optimistisch, die letzten 15 Minuten nachdenklich´, sagte Hoffmann. Und der letzte Eindruck prägt bekanntlich. So ließen die weiteren Kommentare den Eindruck zu, dass die Nibelungentreue zum fleißigen, aber seit Monaten glücklosen Trainer am Tivoli in Aachen ein Ende gefunden hat.

`Ich werfe niemanden etwas persönlich vor. Aber ich habe zu konstatieren, dass wir nur 13 Punkte aus 17 Spielen geholt haben und auf dem vorletzten Tabellenplatz stehen. Wir werden jeden Stein umdrehen, den man umdrehen muss. Das schließt alles Erdenkliche ein´, sagte Hoffmann, der am Ende seiner Leidensfähigkeit angelangt scheint: `Im letzten halben Jahr kann ich mich nur an zwei positive Ereignisse erinnern: Die Qualifikation für die Champions League und das 2:1 in Leverkusen. Ansonsten hatten wir in den letzten acht Monaten nur Rückschläge zu verkraften.´ Nimmt man die letzten beiden Begegnungen der vergangenen Saison dazu, schaffte der HSV in sage und schreibe 28 Pflichtspielen gerade zwei Siege.

Die Bundesliga-Bilanz in dieser Saison wurde nur von der Hinrunde 1972/1973 mit zwei Siegen und fünf Unentschieden bei zehn Niederlagen unterboten. Auch Thomas Doll weiß, was die Stunde geschlagen hat. `Ich habe überhaupt keine Argumente. Mit nur 13 Punkten stehst du als Trainer an der Spitze der Misere´, sagte der Ex-Nationalspieler, der aber weiter kämpfen will und positive Aspekte anführt: `Die Mannschaft ist bereit, den Kampf anzunehmen. Und zum neuen Jahr kommen die verletzten Spieler zurück, das gibt neuen Elan.´ Die frustrierten Spieler wichen Fragen nach dem Trainer weitestgehend aus. Nur der gute Torhüter Stefan Wächter meinte auf die Frage, ob er glaube, dass man am 27. Dezember das Training mit dem Trainer Doll wieder aufnehme:

`Ich hoffe.´ Pechvogel Bastian Reinhardt sagte lapidar: `Das ist eine harte Schule, durch die wir durchmüssen. Wenn wir da rauskommen, gehen wir gestärkt daraus hervor.´ In Aachen zeigte man angesichts des unverhofften Punktes und der Hinrunde sehr zufrieden. `Ich bin optimistisch, dass wir den Klassenerhalt schaffen´, sagte Trainer Michael Frontzeck, dessen Team am kommenden Mittwoch im Pokal-Achtelfinale gegen Meister und Titelverteidiger Bayern München einen positiven Jahresabschluss feiern will. `Wir werden kämpferisch alles in die Waagschale werfen´, kündigte Nationalspieler Jan Schlaudraff an.

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