Deisler: Bayern-Bosse warnen vor zu hohen Erwartungen

28. November 2006, 11:51 Uhr

So sehr sich bei Bayern München alle über den tollen Auftritt von Sebastian Deisler in Hamburg gefreut haben, so sehr warnen nun beim deutschen Fußball-Meister auch alle vor zu hohen Erwartungen an den 26-Jährigen.

So sehr sich bei Bayern München alle über den tollen Auftritt von Sebastian Deisler in Hamburg gefreut haben, so sehr warnen nun beim deutschen Fußball-Meister auch alle vor zu hohen Erwartungen an den 26-Jährigen. Schon allzu oft war der hoch begabte Mittelfeldspieler nach diversen Operationen und Problemen vielversprechend zurückgekehrt, um gleich wieder einen Rückschlag zu erleiden. `Der arme Kerl hat acht harte Monate hinter sich, jetzt hat er mal eine erstklassige Halbzeit gespielt. Aber wir machen ihm überhaupt keinen Druck´, meinte deshalb auch Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Dienstag in der Münchner AZ und fügte an: `Er wird bei uns mit aller Sorgfalt wieder aufgebaut.

Ich wünsche ihm, dass er das Glück hat, sich nicht wieder zu verletzen.´ Manager Uli Hoeneß hatte gleich nach dem 2:1-Sieg beim HSV, an dem Deisler mit zwei Torvorlagen maßgeblich beteiligt war, davor gewarnt, `ihn jetzt gleich wieder in den Himmel zu loben. Basti soll in Ruhe seine Aufbauarbeit machen.´ Fast beschwörend bat er deshalb darum, `dass sich die Medien nicht wieder direkt auf ihn stürzen und ihn in die Nationalmannschaft reden, sondern ihn erst einmal bei uns kicken lassen´. Ein frommer Wunsch. Denn Fußballer mit den Fähigkeiten eines Deislers gibt es in Deutschland trotz des jüngsten Aufschwungs nicht allzu viele. Und mit Auftritten wie in Hamburg weckt der Techniker zusätzlich Begehrlichkeiten. Deisler weiß aber angesichts diverser Rückschläge in seiner Karriere inzwischen, wie er mit so einer Situation umgehen muss. `Ich denke von Spiel zu Spiel und hoffe, dass ich verletzungsfrei bleibe´, lautet seine Standard-Antwort auf Fragen nach seiner sportlichen Zukunft.

Deshalb würde er derzeit auch an die Nationalmannschaft, für die er sein letztes von insgesamt 36 Länderspielen im März in Italien absolviert hat, `keinen Gedanken´ verschwenden: `Das ist zu weit weg.´ Allerdings hatten zuletzt Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw schon verdeutlicht, dass man auf einen Spieler wie Deisler grundsätzlich nicht verzichten könne. Zumal der gebürtige Lörracher laut Bayern-Trainer Felix Magath `enorme Fähigkeiten´ besitzt. `Der schaut nach rechts und passt nach links´, lobte nach dem Hamburg-Spiel auch Hoeneß. Er sei wieder der Alte, meinte Magath am Dienstag in der Münchner tz, schränkte aber ein, `dass man das jetzt nicht nur rosig sehen darf. Er hat noch Luft nach oben, kann sich noch steigern.´ Das müsse er auch, `wenn er wieder von Beginn an spielen will.´ Am Samstag im Heimspiel gegen Gladbach wird Deisler wohl zunächst wieder auf der Bank Platz nehmen.

Derzeit ist der Nationalspieler froh, überhaupt wieder dabei zu sein. Mitte März hatte er sich im Training eine Knorpelabsprengung zugezogen, die die fünfte Operation am rechten Knie notwendig machte. Schon zuvor war seine Karriere durch diverse Verletzungen, aber auch durch psychische Probleme wiederholt ins Stocken geraten. Deisler biss sich immer wieder durch, auch diesmal. In dieser Zeit sei ihm auch bewusst geworden, `dass ich kein Beckham von der Spree bin. Man sollte mich so akzeptieren, wie ich bin - nicht mehr und nicht weniger.´

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