Egal, wie schlecht ein Spiel auch läuft, wie laut das Pfeifkonzert von außen ist und wie schmerzlich später die Fragen der Journalisten sind. Thomas Zdebel steht stets Rede und Antwort.

Bochum: Kapitän Zdebel tritt aus verbalem Rampenlicht

gp
23. Oktober 2006, 09:16 Uhr

Egal, wie schlecht ein Spiel auch läuft, wie laut das Pfeifkonzert von außen ist und wie schmerzlich später die Fragen der Journalisten sind. Thomas Zdebel steht stets Rede und Antwort.

Egal, wie schlecht ein Spiel auch läuft, wie laut das Pfeifkonzert von außen ist und wie schmerzlich später die Fragen der Journalisten sind. Thomas Zdebel steht stets Rede und Antwort. Der Kapitän drückt sich grundsätzlich nicht vor Interviews, versteckt sich auch nach einem 0:6 gegen Bremen nicht, wo er am liebsten im Erdboden versinken würde. Doch irgendwann ist auch bei ihm die Schmerzgrenze überschritten. Zwar erfüllte der Routinier vor einer Woche noch alle Medienwünsche, doch in den Tagen danach gönnte sich der ehemalige polnische Nationalspieler eine verbale Auszeit und verriet: "Selbst wenn du im Fußball fast alles erlebt hast, so eine Klatsche musst du erst mal verarbeiten. Das geht nicht von heute auf morgen."

Und dann lässt er durchblicken, dass die Kritik weite Kreise zog: "Auch meine Familie wird da mit hinein gezogen. Meine Frau muss sich beim Einkaufen rechtfertigen und meine Kids müssen im Kindergarten Spott über sich ergehen lassen." Thomas Zdebel ist das alles durch den Kopf gegangen und dann hat er sich für eine verbale Auszeit entschieden. Gestern Mittag äußerte er sich gegenüber RevierSport: "Ich hatte genug mir mir selbst zu tun, habe mich entschlossen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren." Und das ist die Arbeit auf dem Platz, die Maloche für die Mannschaft. Und nicht nur in einem Spiel, sondern in den nächsten Wochen und Monaten." Zdebel wird das jetzt konsequent durchziehen. Fortan werden Interviews zu den absoluten Raritäten gehören: "Von mir als Kapitän wird zurecht verlangt, dass ich voran gehe. Und wenn ich das nicht auf dem Platz tue, werde ich unglaubwürdig." Rückblickend stellt er nämlich fest:

"Ich war zuletzt viel zu präsent in den Medien, habe den Fußball dadurch vernachlässigt. Und deshalb muss ich vor der eigenen Türe kehren." So gab es nach dem tollen 1:1 seiner Mannschaft in Dortmund keinen Journalisten, der den Bochumer Kapitän vor Kamera, Mikro oder Notizblock zerren konnte. Zdebel schmunzelnd: "Freitag Abend war es auch sehr leicht. Denn als ich mit Philipp Bönig von der Dopingkontrolle kam, waren die Journalisten schon längst zu Hause." Der Mittelfeldspieler brauchte schon einige Pils, bis er den Wünschen des Dopingarztes nachkommen konnte:

"Hinterher war es so spät, dass ich gar nicht erst nach Köln zurück gefahren bin und bei Joris van Hout übernachtet habe." Rückblickend auf das Spiel stellte Zdebel fest: "Insgesamt war es eine tolle Leistung von uns. Es geht halt nur über gewonnene Zweikämpfe, dann kommt der Fußball von ganz alleine. Dortmund hat jedenfalls gezeigt, dass selbst so einfache Dinge wie Kämpfen und Laufen Spaß machen, wenn man sie so engagiert betreibt wie wir am Freitag Abend." Und er fügte an: "Ein Woche sind wir jetzt mit einem Sch....Gefühl herum gerannt. Das darf sich einfach nicht wiederholen."

Autor: gp

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