Ronaldino kommt nicht, und Christoph Daum ist derzeit auch kein Thema - Schalke 04 will auch nach dem größten Deal der Vereinsgeschichte nicht zum FC Chelsea von Deutschland werden.

Schalke: Ronaldinho kein Thema

11. Oktober 2006, 12:33 Uhr

Ronaldino kommt nicht, und Christoph Daum ist derzeit auch kein Thema - Schalke 04 will auch nach dem größten Deal der Vereinsgeschichte nicht zum FC Chelsea von Deutschland werden.

Ronaldino kommt nicht, und Christoph Daum ist derzeit auch kein Thema - Schalke 04 will auch nach dem größten Deal der Vereinsgeschichte nicht zum FC Chelsea von Deutschland werden. `Für Ronaldinho oder Ronaldo reicht das leider nicht aus. Wir bleiben auf dem Teppich. Der Mann, der den 37-Millionen-Lotto-Jackpot gewonnen hat, will doch auch Krankenpfleger bleiben´, erklärte Finanzvorstand Josef Schnusenberg nach der Vertragsunterschrift in Dresden. Manager Andreas Müller erklärte, vorerst keine teuren Transfers tätigen zu wollen: `Wir setzen auf unseren Nachwuchs, und höchstens wenn ein möglichst deutscher Spieler ablösefrei zu haben ist, und zu uns passt, schlagen wir zu.´

Das nötige Kleingeld ist vorhanden, denn bis zu 125 Millionen Euro zahlt Gasprom den Knappen ab dem 1. Januar 2007 für die kommenden fünfeinhalb Jahren. Russlands Präsident Wladmir Putin - de facto Chef des von der Regierung kontrollierten Unternehmens - bekam in Dresden ein Schalke-Trikot mit der neuen Aufschrift überreicht. Er versicherte, dass es bei dem Deal nicht um einen Kauf gehe und der Verein unabhängig bleibe. Die ganze Bundesliga gratulierte (Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge: `Der Deal ist gut für alle Klubs´), negative Stimmen kamen nur vom Erzrivalen Borussia Dortmund, der angeblich ein ähnliches Angebot von Gasprom ausgeschlagen haben will. Laut des Unternehmens habe es aber nie eine Offerte für Dortmund gegeben. Die erste der vierteljährlichen Raten erhält Schalke am 10. Januar 2007. Schnusenberg ist erstmal glücklich, dass wir `in den nächsten Jahren keine Spieler aus finanziellen Gründen gehen lassen müssen´:

`Nach dem UEFA-Cup-Erstrundenaus hieß die Devise entweder Ausgaben reduzieren oder Einnahmen steigern. Zum Glück ist uns dieser Deal geglückt, damit gehören wir in Sachen Sponsorship zu den Big Guys. Jetzt müssen wir nicht mehr von der Hand in den Mund leben.´ Die jährlich mindestens zwölf Millionen Euro vom neuen Trikotsponsor sollen für den laufenden Haushalt und für vorzeitige Tilgung der Verbindlichkeiten von über 200 Millionen Euro verwendet werden. Zusatzprämien vom neuen Partner gibt es ab dem Erreichen des UEFA-Cups. Schnusenberg: `Wenn wir die Champions League gewinnen, könnten wir tatsächlich in die genannten Dimensionen von 125 Millionen Euro vorstoßen. Aber dann will uns ohnehin jeder.´ Fest steht in jedem Fall, dass der Druck auf Trainer Mirko Slomka weiter wächst. Immer wieder wird Christoph Daum als potenzieller Nachfolger gehandelt, aber Müller wiegelt noch ab: `Wir haben zehn Punkte und die halbe Welt schreit, dass wir den Trainer entlassen sollen. Aber das ist Unsinn. Fest steht aber auch, dass es nach dem Aus im internationalen Geschäft keine Ausreden mehr gibt. Die Mannschaft hat das Potenzial, deutscher Meister zu werden.´

Hohe Ziele, auf deren Erreichen der neue Geldgeber angeblich keinerlei Einfluss nehmen will. Schnusenberg: `So ein Deal wie mit Abramowitsch und Chelsea war nie im Gespräch. Das würde auch gar nicht gehen, weil wir ein eingetragener Verein sind. Die Gasprom-Leute können Mitglied werden, aber dann hätten sie eine von 60.000 Stimmen.´ Immerhin erklärte Sergej Fursenko, Präsident des von Gasprom kontrollierten Schalker Partnervereins Zenit St. Petersburg, vieldeutig, dass er für seine Mannschaft Spieler von Weltrang verpflichtet hätte. Das größte Erdgasunternehmen der Welt mit einem Jahresgewinn von fast sechs Milliarden Euro will sich derweil nach möglichen weiteren Partnern in Europa umsehen - ein Engagement bei den Glasgow Rangers war schon im Gespräch.

`Das ist eine gute Idee. In der Bundesliga wird es allerdings keinen weiteren Partner geben´, meinte Fursenko. Schnusenberg jedenfalls hat die Zeichen der Zeit in Europas Fußball erkannt: `Die Bundesliga-Vereine müssen sich immer mehr international aufstellen, Deutschland ist nicht mehr das Maß der Dinge. Ich lerne ab jetzt russisch.´ Laut Schnusenberg können sich die hochbezahlten Schalke-Profis schon mal auf einen Trip auf die Erdgasfelder in Sibirien einstellen - als Anschauungsunterricht in Sachen Erfolg.

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