Hertha BSC: Keine Jubelschreie über Pole Position

02. Oktober 2006, 13:18 Uhr

Die Tabellenführung nach sechs Spieltagen in der
Fußball-Bundesliga kommt Hertha BSC Berlin reichlich suspekt vor.

`Ich glaube nicht, dass der Tabellenplatz etwas über unsere
wirkliche Stärke aussagt´, gab Innenverteidiger Dick van Burik zu
bedenken. Tatsächlich präsentierte sich Hertha beim 2:2 (2:1) gegen
den VfB Stuttgart vor allem in der zweiten Halbzeit pomadig und
unkonzentriert. Doch selbst das reicht zurzeit, um die Tabelle im
deutschen Oberhaus anzuführen.
Mit nur zwei Siegen hat die Hertha die gesamte Konkurrenz
wegen der besseren Tordifferenz hinter sich gelassen. Was somit
trotz der ersten Punktverluste im eigenen Stadion auf einen
insgesamt gelungenen Saisonauftakt der Berliner hinweist,
verdeutlicht zugleich den kollektiven Fehlstart der ambitionierten
Spitzenklubs.
Deshalb und vor allem wegen der Art und Weise, wie Hertha
fahrlässig seine 2:1-Führung verspielte, hielt sich die Freude über
Platz eins in Grenzen. `Die Tabellenspitze löst unter diesen
Umständen keine Jubelschreie bei mir aus´, sagte Manager Dieter
Hoeneß. Nachdem Arne Friedrich (9.) und Marko Pantelic (14.) das 0:
1 durch Mario Gomez (4.) gedreht hatten, luden die Hausherren
Stuttgarts Cacau förmlich zum 2:2 (57.) per Kopfball ein.
Hertha-Trainer Falko Götz schob das auf die zahlreichen
Pflichtspiele samt UEFA-Pokal in den vergangenen Wochen. Vor allem
seinen jungen Spielern sei anzumerken, dass die Anforderungen an
die Substanz gingen. Auch das schmerzhafte Aus im Europacup gegen
Odense BK müsse erst einmal verdaut werden. `Es ist gut, dass wir
jetzt ein paar Tage Pause haben´, sagte Götz im Hinblick auf das
kommende Länderspiel-Wochenende. Danach geht es für die Herthaner
zu Meister Bayern München.
Stuttgarts Trainer Armin Veh hingegen sieht der
Länderspielpause mit gemischten Gefühlen entgegen. Elf Spieler muss
er für jeweils elf Tage für die Nationalmannschaften abstellen. Da
ist weder ein geregelter Trainingsbetrieb möglich noch die Chance
zum weiteren Einspielen der Mannschaft mit ihren zahlreichen
Neuzugängen vorhanden. `Das ist der Wahnsinn´, sagte Veh.
Unter diesen Umständen fällt es Veh schwer, die Mannschaft
weiterzuentwickeln. Doch genau diese zentrale Aufgabe setzt sich
der 45-Jährige zum Ziel. `Egal, wie lange es dauert´, sagt der
Ex-Profi. Solange Veh mit dem VfB punktet, bekommt er die Zeit. Die
Aussichten darauf sind insofern gut, als dass die Schwaben in
dieser Saison eine Qualität an den Tag legen, die ihnen in
brenzligen Situationen aus der Patsche hilft. `Wir haben die
Fähigkeit zurückzukommen´, sagte Veh.
Das wurde nicht nur beim 2:2 in Berlin deutlich. Bereits bei
Arminia Bielefeld steckte die Mannschaft den zweimaligen Ausgleich
in Unterzahl weg und gewann am Ende 3:2. Bei Werder Bremen lag
Stuttgart schon 0:2 im Hintertreffen, wendete schließlich doch noch
das Blatt und gewann ebenfalls 3:2. `Das zeichnet uns aus´, so der
Trainer. Doch endlich muss Stuttgart auch zuhause erfolgreich
spielen. Nur ein Punkt aus drei Partien vor eigenem Publikum
vergrault die Fans.

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