Rot-Weiss Essens Defensiv-

Michael Lorenz

"Großspurigkeit war noch nie mein Ding"

Aaron Knopp
26. Februar 2010, 14:48 Uhr

Rot-Weiss Essens Defensiv-"Urgestein" Michael Lorenz spricht über "High Society" am Baldeneysee, den neuen Sparkurs und die Konzentration aufs Wesentliche.

Fragt man nach den Gründen für den anhaltenden Misserfolg an der Hafenstraße, ist der ständige Wandel im Kader der Rot-Weissen eine der Antworten. In den letzten Jahren ging es in Bergeborbeck zu wie im Taubenschlag. Fluktuation war eine der wenigen Konstanten. Michael Lorenz weiß das wie kein Zweiter, schließlich ist der Defensivmann mittlerweile dienstältester Rot-Weisser. Der Weg dorthin war jedoch steinig. Im Sommer stellte Trainermanager Thomas Strunz ihm die Koffer vor die Tür: Lorenz nur noch in der „Zweiten“ fithalten, um möglichst flugs einen Arbeitgeber zu finden. Das erwies sich jedoch als kompliziert. Doppelab- plus Nichtaufstieg waren nicht das beste Bewerbungsschreiben. Dafür mauserte sich der Routinier im NRW-Liga-Team zum Leistungsträger und überlebte schlussendlich sogar Strunz. Nach der Demission des Europameisters beförderte ihn das Trainerduo Uwe Erkenbrecher / Ralf Aussem wieder in die Erste Mannschaft.

Dort jedoch kam Lorenz bislang nicht über den Reservistenstatus hinaus. Immerhin stellt Rot-Weiss Essen mit 16 Gegentoren ja auch die zweitbeste Defensive der gesamten Liga. Es besteht also wenig Handlungsbedarf für das Trainergespann. „Die Akteure, die in der Hinrunde gespielt haben, haben sich auch irgendwo das Vertrauen erkämpft“, weiß der 31-Jährige. Von Bedeutung sei für ihn daher zunächst gewesen, die komplette Wintervorbereitung zu absolvieren. „Natürlich will ich auch mal kicken und es ist wichtig, dass die Trainer wissen, dass ich da bin. Aber in erster Linie zählt der Erfolg der Mannschaft.“ Mit dem 2:0-Sieg über den SC Verl zum Restserienstart gelang zwar ein wichtiger „Dreier“, insgesamt ist dem gebürtigen Ost-Berliner aber natürlich klar, dass RWE enttäuscht hat.

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Über die Gründe ließe sich ausgiebig spekulieren. Wichtiger ist für Lorenz jedoch die Perspektive. Und - für ihn ganz persönlich - verheißt die nicht nur Betrübliches. „Ich kann mich erinnern, dass vor der Saison die High-Society am Baldeneysee war und so weiter. Alles etwas großspurig, und das war noch nie mein Ding.“ Insofern habe der Sparkurs vielleicht auch seine guten Seiten. „Wenn uns so die Konzentration aufs Wesentliche gelingt, kann uns das nur recht sein. Vereine wie Lotte machen es doch vor. Es geht nicht darum, was man alles könnte, wäre oder war, sondern auf die Mannschaft und das ist immer nur eine Momentaufnahme.“

Dass diese in der Ruine Georg-Melches-Stadion derzeit ziemlich trist erscheint, ärgert Lorenz schon. „Weil man vor der Saison mit solchen Versprechungen heiß gemacht worden ist und das zieht natürlich.“ Gleichwohl könne man sich nicht über die Verhältnisse beklagen: „Was brauchen wir denn? Einen Trainingsplatz, eine Turnhalle, medizinische Abteilung, eine Kabine. Das haben wir doch alles, mehr gibt es woanders auch nicht.“ Daher verschwendet er derzeit auch keinen Gedanken, was nach dem Sommer sein wird. Es ist eben alles nur eine Momentaufnahme.

Autor: Aaron Knopp

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