Mit dem erstmaligen Einzug ins Finale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft nach 25 Jahren ohne Endspiel-Teilnahme sieht sich der FC Schalke 04 am Höhepunkt seiner Nachwuchsarbeit angelangt.

Duales System SCHALKE: Ausbildung macht Erfolge

01. Juni 2006, 10:59 Uhr

Mit dem erstmaligen Einzug ins Finale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft nach 25 Jahren ohne Endspiel-Teilnahme sieht sich der FC Schalke 04 am Höhepunkt seiner Nachwuchsarbeit angelangt.

Mit dem erstmaligen Einzug ins Finale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft nach 25 Jahren ohne Endspiel-Teilnahme sieht sich der FC Schalke 04 am Höhepunkt seiner Nachwuchsarbeit angelangt. "Das ist eine herausragende Leistung, nicht nur, dass die Mannschaft im Endspiel steht, sondern welchen Weg die Jungs in der letzten Zeit gegangen sind", freut sich Manager Andreas Müller über die Entwicklung der U 19, die am kommenden Sonntag (11 Uhr, "Sportanlage Lüttinghof", Hassel) gegen den FC Bayern München eine tolle Saison krönen will.

Hinter dem Erfolg steht mit Norbert Elgert ein Trainer, der möglichst gar nicht gesondert erwähnt werden möchte, der aber laut Müller "nicht nur in Deutschland, sondern europaweit einer der besten Ausbilder" sei. Der Ex-Profi bürgt auch für eine Kontinuität in der Schalker Nachwuchsarbeit, die in der Lizenzabteilung meist nur ein schöner Traum ist. "Die Entwicklung geht mittlerweile fast zehn Jahre zurück. Nach dem UEFA-Cup-Sieg 1997 hat es eine strategische Entscheidung gegeben, was die Nachwuchsarbeit betrifft", erklärt Helmut Schulte, der sportliche Leiter der Nachwuchs-Abteilung. "Wir haben eine hohe Konstanz im personellen Bereich, was die Trainer und Betreuer der Jugend-Mannschaften betrifft. Außerdem wollen wir, dass die Spieler lange im Verein bleiben, auch wenn sie aufgrund der Altersbegrenzung immer nur zwei Saisons in einem Jahrgang verweilen können."

Seit dem sensationellen Triumph der "Eurofighter" haben 20 Kicker aus den eigenen Reihen einen Lizenzspieler-Vertrag erhalten, davon sind 14 auch zum Einsatz in der Bundesliga gekommen. Die Liste reicht von heute etwas in die Vergessenheit geratenen Spielern wie Mark Schierenberg oder Sascha Wolf über längst in anderen Clubs aktiven Fußballern wie Filip Trojan, Fabian Lamotte und Michael Delura bis hin zum WM-Teilnehmer Mike Hanke. Im aktuellen Kader von S04-Chef-Coach Mirko Slomka für die Spielzeit 2006/07 stehen mit Christofer Heimeroth, Christian Pander, Tim Hoogland, Alexander Baumjohann, Niko Bungert, Manuel Neuer, Markus Heppke sowie dem frisch beförderten Trio Sebastian Boenisch, Timo Kunert und Mesut Özil stolze zehn Eigengewächse. "Mit der neuen local player-Regelung haben wir überhaupt kein Problem", weiß Schulte, dass die Königsblauen den ab der neuen Serie gültigen "Ausbildungspakt" der UEFA locker unterschreiben.

Früchte trägt insbesondere die enge Kooperation mit der Gesamtschule Berger Feld, die den Schalker Talenten ermöglicht, doppelt so viel zu trainieren wie ihre Team-Kollegen. Vier Mal in der Woche geht es in der dritten und vierten Stunde von der Penne rüber auf den Sportplatz auf dem S04-Vereinsgelände, wo mit Elgert die erste von zwei Schichten pro Tag ansteht. "Von 22 Spielern aus dem Kader waren zwölf auf der Gesamtschule, zehn sind noch aktuell dort", erläutert Schulte. Während Guiseppe Pisano täglich aus Düsseldorf nach Gelsenkirchen-Buer reist, sind Nedim Hasanbegovic (aus Kiel) und Ralf Fährmann (aus Chemnitz) die beiden einzigen Spieler, die nicht aus NRW kommen und gleich ins Ruhrgebiet gezogen sind. Die meisten Spieler erhalten einen Fördervertrag, der eine Aufwands-Entschädigung beinhaltet und sich an der tariflichen Vergütung für andere Ausbildungsplätze orientiert. Jährlich fließen etwa zwei Millionen Euro in den Unterbau (zweite Mannschaft eingeschlossen), zudem wurden fünf Millionen Euro in die Infrastruktur investiert.

Obschon der Aspekt der schulischen, gekoppelt mit der fußballerischen, Ausbildung klar im Vordergrund steht, ist auf Schalke die Meisterschaft nicht verboten. "Ich nenne das gerne unser duales System", lacht Schulte. "Es geht für uns nicht in erster Linie darum, Titel zu hamstern. Aber das bedeutet nicht, dass wir nicht Meister werden wollen!"

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