RevierSport sprach mit Marcel Schmelzer über sein Verhältnis zu Mannschaftskollege Dede, die Jugend des BVB und den zunehmenden Konkurrenzkampf in der Rückrunde.

Schmelzer im Interview

"Wie viel soll ich bezahlen?“

Matthias Dersch
07. Januar 2010, 12:07 Uhr

RevierSport sprach mit Marcel Schmelzer über sein Verhältnis zu Mannschaftskollege Dede, die Jugend des BVB und den zunehmenden Konkurrenzkampf in der Rückrunde.

Lange Zeit galt Dede als Linksverteidiger in Dortmund als gesetzt. Doch der Brasilianer, der in den letzten anderthalb Jahren immer wieder von teils langwierigen Verletzungen außer Gefecht gesetzt wurde, hat einen Konkurrenten bekommen: Marcel Schmelzer.

Im Schatten seines 31-jährigen Vorbilds hat sich der frühere Magdeburger in den vergangenen 18 Monaten prächtig entwickelt. Das Rennen um den Startplatz beim Rückrundenstart gegen den 1. FC Köln ist so offen wie nie.

Marcel Schmelzer, wie in den vergangenen Trainingslagern hat Ihr Trainer Jürgen Klopp auch diesmal die Zimmerbelegungen auslosen lassen.

Ja, das ist bei ihm so üblich. Wir verstehen uns innerhalb der Mannschaft auch so gut, dass es da keine Probleme gibt.

Wen haben Sie erwischt?

Mir wurde Lucas Barrios zugelost.

Und wie funktioniert die Kommunikation?

[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/015/994-16512_preview.jpeg Sprachunterricht: Barrios verbessert sein Deutsch, Schmelzer sein Spanisch (Foto: firo).[/imgbox]Eigentlich sehr gut. Lucas hat in den letzten Monaten schon ein wenig deutsch gelernt, und da ich in meiner Freizeit einige Stunden Spanischunterricht genommen habe, verstehen wir uns ohne größere Probleme. Wir haben vereinbart, dass wir die Hälfte des Tages deutsch und die andere Hälfte spanisch sprechen. So lernen wir beide etwas.

Blicken wir einmal zurück: Wenn Sie ein Resümee über die letzten 18 Monate ziehen müssten, wie fiele es aus?

Durchweg positiv - Es lief für mich wirklich großartig. Vor eindreiviertel Jahren waren wir gerade mit den Dortmunder Amateuren in die Regionalliga abgestiegen, die Bundesliga war für mich sehr weit weg. Hätte man mir damals angeboten, ein Jahr später zwölf Einsätze in der ersten Liga auf dem Konto zu haben und U21-Europameister zu sein, hätte ich sofort gefragt: Okay, wie viel soll ich bezahlen?

Sie mussten nichts bezahlen, trotzdem präsentierte Sie Klopp bei seiner Antritts-PK in Dortmund als „internen Neuzugang“ - Es war der Beginn Ihrer steilen Entwicklung.

Ich habe damals drei Tage vor dem Trainingsstart Anfang Juli davon erfahren, dass mich Jürgen Klopp mit nach Donaueschingen nehmen möchte. Das kam für mich sehr überraschend, denn eigentlich hatte ich damit überhaupt nicht gerechnet. Das war meine Chance. Aus den paar Tagen im Trainingslager wurden dann etwas mehr…

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Heute gelten Sie als ernsthafter Startelf-Kandidat – selbst wenn Ihr Hauptkonkurrent Dede fit ist. In den letzten Jahren war das fast unvorstellbar. Er galt stets als unantastbar. Hat sein Status Ihren Start bei den Profis erleichtert?

Ja, auf jeden Fall. Wenn man ein junger Spieler ist, ist diese Konstellation ein klarer Vorteil. Man kann in dieser Zeit sehr viel lernen, weil man sich im Spiel und im Training einiges abguckt. Für das erste Jahr ist es perfekt.

Dede gilt als Ihr großes Vorbild, das haben Sie immer wieder betont. Wie ist inzwischen Ihr Verhältnis zueinander?

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/014/368-14823_preview.jpeg Dede ist Schmelzers Vorbild (Foto: firo).[/imgbox]Dede ist ganz anders als man ihn sich vielleicht vorstellt. Er ist ein sehr ruhiger und auch schüchterner Typ. Er behandelt jeden von uns gleich. Egal, ob er mit dem 17-jährigen Mario Götze spricht oder mit Patrick Owomoyela, der mit seinen 30 Jahren ja schon zu den Älteren gehört. Er hat mir den Einstieg sehr erleichtert.

Inwiefern?

Dede hat mir immer wieder gesagt, was ich gut mache und was ich noch verbessern könnte. Und er hat mich vor meinem ersten Einsatz von Beginn an angerufen und mir viel Glück gewünscht. Ich solle mich nicht verrückt machen, nur weil es gegen Bayern München geht und so viele Zuschauer im Stadion sind.

Jetzt sind Sie zu einem ernsthaften Konkurrenten für ihn herangewachsen. Hat sich Ihre Beziehung verändert?

Nein, gar nicht. Aber es war bei mir schon immer so, dass ich mich mit meinen Konkurrenten gut verstanden habe, egal ob in der A-Jugend, bei den Amateuren oder jetzt bei den Profis. Dede sagt, dass der spielen soll, der besser ist. So sehe ich es auch.

In den Medien herrscht die Meinung vor, dass das Rennen so offen sei wie nie.

Es freut mich, dass so etwas überhaupt geschrieben wird. Dede ist hier schließlich seit zehn Jahren ununterbrochen Stammspieler. [imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/015/993-16511_preview.jpeg Jürgen Klopp hebt die Dynamik von Marcel Schmelzer hervor (Foto: firo). [/imgbox]Aber ich habe schon nach dem Freiburg-Spiel gesagt, dass wir drei gute Außenverteidiger haben und schauen müssen, wie es in der Vorbereitung weitergeht. Ich hoffe, dass wir alle gesund aus ihr herauskommen. Wer letztlich spielt, wird sich gegen Köln zeigen.

Jürgen Klopp hat Sie zuletzt ausdrücklich gelobt und Ihnen bescheinigt, den größten Sprung nach vorne gemacht zu haben. Speziell ihre Dynamik hob er dabei hervor.

Wir haben daran in meiner ersten Saison bei den Profis gearbeitet. Ich denke aber, dass ich mich in allen Teilbereichen entwickelt habe. Mit der gewonnen Sicherheit kommt das allerdings fast automatisch.

Der BVB hat die meiste Zeit der Hinrunde mit einer sehr jungen Elf absolviert und war trotzdem erfolgreich. Mit Dede, Sebastian Kehl, Tamas Hajnal und Tinga kommen einige arrivierte Kräfte in der Rückrunde zurück. Was ist in diesem Jahr möglich? Sie stehen immerhin auf Rang fünf.

Natürlich ist es gut, wenn diese Spieler zurückkommen und den Konkurrenzkampf weiter anheizen. Aber wir haben vor der Saison bewusst kein konkretes Ziel ausgegeben, und dabei bleiben wir auch jetzt. Unser Ziel ist es einfach, erfolgreichen und guten Fußball zu spielen - So wie wir es in den letzten Spielen getan haben. Wenn wir damit weitermachen, werden wir schon sehen, wofür es am Ende reicht.

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Vorerst müssen Sie ohnehin weiter ohne dieses Quartett auskommen. Jürgen Klopp hat deshalb wieder zahlreiche ganz junge Spieler mit nach Marbella genommen. Wird mannschaftsintern über die Jugend des Teams gesprochen?

Nein, überhaupt nicht. Wir kennen es ja eigentlich nicht anders, seit Klopp hier ist - Ich selbst habe davon profitiert. Es gibt für einen jungen Spieler nichts Geileres, als wenn der Cheftrainer dich mit ins Trainingslager nimmt, mit dir scherzt und dir sagt, was du besser machen kannst. Ich denke, das macht Jürgen Klopp und sein gesamtes Trainerteam aus.

Es gab zur Mitte der Hinrunde, als es beim BVB nicht rund lief, allerdings auch Stimmen, die sagten, dem Team fehle eine klare Hierarchie. Sie sei zu jung.

Ich habe die Diskussion damals nicht verstanden – und so ging es vielen in der Mannschaft. Wir haben sehr wohl eine Hierarchie. Es gibt zwar keinen bei uns, der allein sagt, was die anderen zu tun haben. Dafür herrscht bei uns eine sehr angenehme Kommunikation. Jeder einzelne von uns darf Dinge ansprechen, wenn etwas schief läuft. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Und auf dem Platz sieht man mittlerweile ja auch, dass Verantwortung übernommen wird.

Wollen Sie uns zum Abschluss nicht vielleicht doch verraten, wo der BVB am Saisonende Ihrer Meinung nach landet?

Nein, tut mir leid. Aber eine Aussage dazu werden Sie nicht aus mir herausbekommen. (lacht)

Autor: Matthias Dersch

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