In der Fußball-Westfalenliga 2 trafen am Sonntag der DSC Wanne-Eickel und YEG Hassel aufeinander. Das spannende 1:1-Remis wurde von einem Rassismus-Skandal überschattet. Jetzt spricht das Opfer: YEG-Trainer Ahmet Inal.

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Rassismus-Skandal beim DSC Wanne-Eickel: Jetzt spricht YEG-Trainer Inal

21. September 2020, 11:58 Uhr
YEG-Trainer Ahmet Inal wurde am Sonntag übelst rassistisch beleidigt. Foto: Michael Korte

YEG-Trainer Ahmet Inal wurde am Sonntag übelst rassistisch beleidigt. Foto: Michael Korte

In der Fußball-Westfalenliga 2 trafen am Sonntag der DSC Wanne-Eickel und YEG Hassel aufeinander. Das spannende 1:1-Remis wurde von einem Rassismus-Skandal überschattet. Jetzt spricht das Opfer: YEG-Trainer Ahmet Inal.

YEG Hassel ist hervorragend in die neue Westfalenliga-2-Saison gestartet. Mit einem Punktgewinn (1:1) beim Aufstiegsaspiranten DSC Wanne-Eickel untermauerten die Gelsenkirchener noch einmal ihre tolle Form.

Für die Performance von YEG ist Ahmet Inal verantwortlich. Der 38-jährige gebürtige Türke ist seit Januar 2020 Trainer in Gelsenkirchen-Hassel. Er schaffte zunächst einmal den Klassenerhalt mit YEG, und hat nun scheinbar eine Spitzenmannschaft geformt. 

In der Vorbereitung setzte der ehemalige Profi auf ein neues Spielsystem und junge, clevere Spieler, die für den modernen Fußball prädestiniert sind. Inals Erfolg gibt der neuen YEG-Philosophie recht. 

Das scheint nicht allen zu gefallen. Denn am Sonntag kam es im Auswärtsspiel beim DSC Wanne-Eickel zu einem Rassismus-Skandal. Der ehemalige Türkei-Legionär wurde von drei, vier Wanne-Eickel-Fans 90 Minuten rassistisch durchbeleidigt. Als sich Inal von den Beleidigungen weit unter der Gürtellinie nicht provozieren ließ, wurden die Rassisten persönlich. Es ging fortan gegen die Familie und auch den verstorbenen Vater des Familienvaters aus Gelsenkirchen.

Der DSC Wanne-Eickel entschuldigte sich beim YEG-Trainer für das Verhalten dieser Idioten. DSC-Sportchef Michael Di Bari wurde gegenüber der WAZ deutlich: "Ich habe sicher nicht alles mitbekommen, aber das, was ich mitbekommen habe, hat gereicht. Es sind diese Sachen gefallen. Das war einfach nur unangenehm – ich hatte am Sonntagabend einfach keinen Bock mehr auf Fußball." Zudem wird der DSC Platzverbote aussprechen. Di Bari: "Das sind nicht die Leute, mit denen wir uns identifizieren wollen – und wenn die nochmal kommen, dann kommen andere sicher nicht mehr."

Am Tag danach sprach RevierSport mit Ahmet Inal über den Rassismus-Vorfall von Wanne-Eickel.

Ahmet Inal, wie haben Sie die 90 Minuten beim DSC erlebt?
Wir haben ein tolles Spiel gemacht und einen absoluten Titelfavoriten bespielt. Wir waren die bessere Mannschaft. Das macht mich stolz. Unser Potential ist riesig, die Jungs haben einfach Lust Fußball zu spielen. Die Mentalität ist überragend. Das macht wirklich aktuell sehr viel Spaß bei YEG Hassel.

Was hinter Ihrer Trainerbank passierte, war weniger spaßig...

Ja, das geht einfach nicht. Aber vorweg: Ich bin jetzt keine Heulsuse und will auch nicht diese Opferrolle annehmen. Mit diesen Begrifflichkeiten, die da gerufen wurden, bin ich aufgewachsen. Darüber kann ich nur lachen und bin einem gar nicht richtig böse. Ich komme aus dem Pott und stehe da drüber. Hier ist alles multikulturell und ich habe einen Deutschen sicherlich auch schon 'Kartoffel' genannt - unter Freunden macht man das schonmal. Aber im Ernst: Was die drei, vier Mit-Dreißiger dann für Geschosse aufgefahren haben, das geht gar nicht. Meine Familie wurde beleidigt, meine Frau, meine Kinder, meine Mutter und sogar mein verstorbener Vater wurde in den Dreck gezogen und durchbeleidigt. Da habe ich irgendwann reagiert.

Was ist passiert?
Ich habe mich umgedreht und gefragt, was den Jungs das Recht gibt, mich und meine Familie so zu beleidigen. Ob sie denn noch alle Latten am Zaun hätten. Nach dem Spiel bin ich dann auf diese Vollidioten zugegangen und habe ihnen nochmal die Meinung gegeigt. Vor allem: Was sie gegen meine Frau, meine Kinder, meine Mutter und meinen verstorbenen Vater hätten? Ich bin der Trainer. Sollen sie mich beleidigen. Aber nicht die Familie. Da wurde ich schon energischer. Vor allem die Sache mit meinem Vater hat mich getroffen. Ich hatte ein sehr inniges Verhältnis zu ihm und er ist erst vor wenigen Jahren von uns gegangen. 

Was glauben Sie: was geht in solchen Menschen vor?
Ehrlich: ich weiß es nicht. Vor allem, wenn man hier aus dem Ruhrgebiet kommt, aus Wanne-Eickel und Fan des DSC ist, dann hat man doch ständig mit Migranten zu tun. Für mich ist das einfach nur traurig. Nicht in der Hinsicht, dass es mich traurig macht, sondern, dass es solche Menschen mit dieser Denkweise und Überzeugung im Jahr 2020 noch gibt.


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21.09.2020 - 23:52 - Der Weise

Wo prollt denn hier ein Essener rum....??? Bisher schlägt unter diesem Artikel keiner aus der Reihe...

21.09.2020 - 23:12 - Freigeist

Das Niveau einiger hier läßt zu wünschen übrig. Stellen sich selbst als vernünftige, seriöse User dar, aber lassen nicht einen Artikel, selbst wenn es überhaupt keinen RWE-Bezug gibt, ungenutzt, um darunter ihren prolligen Kommentar über RWE von sich zu geben. Packt euch mal lieber an die eigene Vereinsnase. Bei Euch laufen genug von den Proleten rum, die es in eurer kleinen Welt in Essen gibt.

Zum Beitrag: gute Reaktion vom Trainer, von Vereinen würde ich mir eine sofortige Reaktion wünschen, wenn man so etwas mitbekommt.

21.09.2020 - 22:59 - Franky4Fingerz

Hut ab vor Trainer Ahmet Inal, dass er die Leute nicht angezeigt hat, sondern sie persönlich zu den Säuen, die sie sind, gemacht hat.
Da sieht man seine Ruhrgebietsmentalität deutlich!
Und jetzt hat hoffentlich auch Sportchef Michael Di Bari genurg Eier in der Hose, wenn er schon eigenaussaglich nicht intervenierte,
diesen Vollpfosten ein Betretungsverbot der Sportanlage für mindestens ein Jahr zu verpassen!

21.09.2020 - 20:26 - moers47441

Hoffentlich wurde es gefilmt und noch angezeigt, schließlich hat es nichts mit Heulsuse zu tun, wenn man sein Recht in Anspruch nimmt. Solche Leute verstehen es nicht anders. Die sehen sich noch als Opfer, wenn sie ne Platzsperre bekommen, weil sie es ja dem Türken mal gezeigt haben.
Auf der anderen Seite ist eine Zeitung wenig glaubwürdig die über so etwas berichtet und täglich Hetze, Mobbing etc zulässt.

21.09.2020 - 19:38 - Der Weise

Traurig das man sich im Jahre 2020 mit solchen Vollpfosten rumärgern muss, bzw das solche Typen im Endeffekt mehr Schlagzeile machen als das Spiel an sich. Klasse Reaktion vom Trainer. Die braune Scheisse braucht kein Mensch. Die Welt ist zusammengewachsen, Multikulti ist normal geworden und das ist auch gut so, bis auf ein paar wenige Ausnahmen die es nicht akzeptieren können oder wollen und die mit dummen Beleidigungen auf MENSCHEN losgehen. MENSCHEN.... sind wir alle, ob braun, gelb, rot, schwarz, weiß, scheissegal, welche Farbe oder aus welcher Nation auch immer. Aber scheinbar gibt es noch viel zu viele die aus der Vergangenheit nix gelernt haben und irgendwelchen Populisten hinterher rennen und dumme Phrasen wiedergeben. Gut das es nur wenige sind und nicht die Masse wiederspiegeln.


In diesem Sinne

Rot Weisse Grüsse aus Karlsruhe

21.09.2020 - 19:19 - Petetown

Ich muss zugeben, dass ich lachen musste, Hamborn. ;)
Das ist das schöne: Ich kann über uns lachen. Ich seh die Probleme, die mich ärgern. Ich seh aber auch, dass es mehr als nur das gibt. Wenn die Zeiten auch mal besser waren. Aber ohne Selbstironie hält man das natürlich auch nicht immer aus. ;)

21.09.2020 - 18:03 - Hamborn

Dieser Kommentar wurde entfernt.

21.09.2020 - 17:47 - Petetown

Nett, Hamborn. Allerdings bin ich selber ein "Essen-Proll". Wer hätte das gedacht? Nicht alle bei uns sind Idioten. Ganz schön viele sogar nicht. Auch wenn das eine oder andere Prachtexemplar hier natürlich auch vertreten ist.

21.09.2020 - 17:39 - Hamborn

@21.09.2020 - 16:00 - Petetown
Genau. Auf den Punkt gebracht.
Bei irgendeinem Essen-Proll hätte mich so ein Eigentor ja nicht gewundert.
Die Leute vom DSC hatte ich allerdings für etwas inteliigenter gehalten.

21.09.2020 - 16:00 - Petetown

Muss ich das verstehen? >> Der ehemalige Türkei-Legionär wurde von drei, vier Wanne-Eickel-Fans 90 Minuten rassistisch durchbeleidigt. << & >> DSC-Sportchef Michael Di Bari wurde gegenüber der WAZ deutlich: "Ich habe sicher nicht alles mitbekommen, aber das, was ich mitbekommen habe, hat gereicht. Es sind diese Sachen gefallen. Das war einfach nur unangenehm – ich hatte am Sonntagabend einfach keinen Bock mehr auf Fußball." << Was ist das denn für ein armseliges Statemennt, Herr Di Bari? Sie kriegen das mit, schreiten aber nicht ein? Ob nun persönlich (was ich von einem Vereinsoffiziellen eigentlich erwarte) oder über die Ordner. Wie kann man als Vereinsoffizieller da Tatenlos zusehen, es als "unangenehm" empfinden und trotzdem nichts unternehmen? Trauriges Bild, DSC.

21.09.2020 - 15:50 - escapado

Unglaublich da sagt ein Herr Inal, das er zu einem Deutschen gesagt hat du Kartoffel. Das ist eine Frechheit, ich fühle mich zu tiefst diskriminiert.

21.09.2020 - 15:06 - Schimmel07

Naja, jetzt beruhigt euch mal wieder. Herr Inal macht mir nicht den Eindruck als wenn er sich nicht wehren könnte. Er nimmt ja auch, nach eigener Aussage, die Opferrolle nicht an. Dumme Menschen gibt es leider überall und viel zu viel. Nun aber gleich Politik in's Spiel bringen zu wollen, ist absoluter Bullshit. Die gestiegenen Anteile der AFD liegen wohl eher daran, dass viele Menschen mit der Migrationspolitik dieses Landes nicht einverstanden sind. Übrigens auch viele Migranten. Habt alle einen schönen, friedlichen Tag

21.09.2020 - 14:16 - Geronimo

Ein Super Statement des Trainers, sachlich und auf den Punkt gebracht. Toll auch wie der DSC dazu steht. Leider steht das an der Tagesordnung, das es ständig zu solchen Fällen kommt. Besonders auf den Amateurplätzen. Das es nicht an die große Glocke gehängt wird, ist der Tatsache geschuldet , das die MÄNNER die es erleiden keine heulsusen sind. Wie Ahmet Inal schon erwähnt hat. Wenn es dann Auge um Auge steht, dann heißt es ganz schnell „war nicht so gemeint“ und die Polizei wird gerufen. Danach wieder, die Bösen Türken, immer das selbe. Gute Arbeit wird selten toleriert.

21.09.2020 - 14:05 - asaph

Tja was für Menschen leben in Städten wie Herne und GE! Die Wahl hat es gezeigt - die SPD hat zwar noch gewaltige Stimmanteile (vor allem in Herne mit OB Dudda)
aber der Anteil der AFD ist nicht gerade gering in beiden Städten. Und dies ist ein Spiegelbild der Gesellschaft in beiden Städten.
Da kann man sich einfach für die eigene Stadt schämen! Da lobe Ich mir Städte wie Düsseldorf und Münster, wo die Grünen immer mehr Stimmen gewinnen...

21.09.2020 - 13:45 - Alles für Schalke

Dieser Kommentar wurde entfernt.

21.09.2020 - 13:33 - Hamborn

Dieser Kommentar wurde entfernt.