04.07.2008

Taekwondo: Olympia-Debütant Levent Tuncat weiß

„Harte Arbeit lohnt sich”

Um zu wissen, wo Levent Tuncat seine täglichen Einheiten absolviert, muss man eigentlich nur den lauten Kampfschreien folgen. Im Taekwondo Center in Duisburg Laar ist Tuncat ein echter Star, der Trainingsraum ist verziert mit Zeitungsberichten, Fahnen und Fotos des Olympia-Teilnehmers. Man ist stolz auf den 19-Jährigen, der sich für sein Ringe-Debüt einiges vorgenommen hat:

„Ich kämpfe um Gold“, lässt der dreifache Europameister wissen. RevierSport sprach mit Tuncat über sein hartes Training, seine Vorfreude auf Peking und den Kampf mit der Waage.
[infobox-right]Zur Person
Levent Tuncat, geb. am 29. Juli 1988; trainiert im Taekwondo Center TC Laar bei Cevdet Mutlu; Erfolge: Europameister 2008 (bis 62kg), Europameister 2006 (bis 58kg), Europameister 2005 (bis 54kg), Vize-Europameister Jugend 2005 und 2003, 5. Platz WM Junioren 2004, 5. Platz WM Senioren 2007, 12facher Deutscher Meister, 1. Platz US Open 2008, 1. Platz US Open 2007, 2. Platz Manchester Olympiaqualifikation 2007, Duisburger Sportler des Jahres 2007
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Levent Tuncat, das Trainingscenter ist Ihre zweite Heimat, oder?
Ich absolviere hier sieben Mal die Woche meine Einheiten, jeweils zweieinhalb bis drei Stunden.
Wie vielseitig ist das Programm?
Ich arbeite an meiner Fitness, der Athletik, der Kampftechnik, gehe außerdem Laufen und mache Krafttraining.

Außerdem besuchen Sie die Gesamtschule in Duisburg-Meiderich.
Ich bin in der 12. Klasse und werde im nächsten Jahr mein Abitur machen. Natürlich muss ich auf einiges verzichten, denn wenn meine Freunde rausgehen, bin ich oft schon im Bett.

Ist die Unterstützung dennoch da?
Meine Freunde und meine Familie haben vollstes Verständnis für meinen Sport. Das freut mich sehr, und nur so kann ich auch meine Leistungen bringen. Hätte ich diesen Rückhalt nicht, würde ich vielleicht öfter mal ein Training schwänzen.

Sie sind häufig auf Lehrgängen oder Wettkämpfen unterwegs. Wie klappt da der Schulalltag?
Im vergangenen Jahr war ich einen Monat in Venezuela, Mexiko und den USA unterwegs. Dann bekomme ich die Unterrichtsmaterialien per E-Mail zugesandt. Ich kann mich also nicht davonschleichen, sondern muss alles nacharbeiten.
Sie haben erst einmal ganz „klassisch“ im Fußballverein beim MSV Duisburg angefangen. Wie kamen Sie dann zum Kampfsport?
Ich habe schon immer gerne Filme mit Bruce Lee oder Jackie Chan gesehen. Beim Fußball bin ich auch oft aufgefallen, weil ich mein Bein über meinen Kopf geschmissen habe, um Bälle abzufangen. Da hat mich mein Vater einfach mal zum Taekwondo geschickt. Obwohl er das damals noch gar nicht so ernst genommen hat.

Ihr Trainer Cevdet Mutlu aber schon!
Der hat gleich gesagt, dass ich das Zeug habe, mal ein Großer zu werden. Und mir hat das Training von Beginn an Spaß gemacht, deshalb bin ich dabei geblieben.

Obwohl es harte Arbeit bedeutet?
Ich setze mir Ziele, die ich erreichen will. Wenn es klappt, hat sich die ganze Mühe gelohnt. Man kann das Gefühl gar nicht beschreiben, das man hat, wenn man auf dem Treppchen ganz oben steht. Dann macht alles Sinn.

Auch der ewige Kampf gegen die Waage?
Das ist immer eine echte Herausforderung. Kurz vor dem Wettkampf muss ich noch ein, zwei Kilo abnehmen. Damit es nicht zu bösen Überraschungen beim offiziellen Wiegen kommt, nimmt man lieber mal 500 Gramm mehr ab als nötig, sonst ist man nämlich draußen. Ich habe aber einen Ernährungsberater, der mir zur Seite steht.

Im August fahren Sie zum ersten Mal in Ihrer Karriere zu den Olympischen Spielen nach Peking. Wie stehen die Chancen, auch da ganz oben auf dem Podium zu landen?
Ich will die Goldmedaille. Aber natürlich muss dafür alles stimmen, von der Auslosung bis zur eigenen Fitness. Die Konkurrenz ist stark, aber ich habe in der Vergangenheit auch schon einige besiegen können. Das Wichtigste aber ist, dass ich gesund wieder nach Hause komme.
Worauf freuen Sie sich, wenn Sie an Peking denken?
Auf ganz neue Erfahrungen, das Zusammentreffen mit anderen Athleten im Dorf, das ist die schöne Seite des Sports.

Warum Taekwondo?
Es ist unglaublich vielseitig. Es geht um Taktik, Schnelligkeit, das richtige Timing, Technik, aber auch um die psychische Stärke.
Wer kann Sie vor Ort unterstützen?
Mein Trainer wird dabei sein. Das wird mich motivieren, denn schließlich kennt er mich seit meinem fünften Lebensjahr. Mein Vater wird hoffentlich auch mitkommen. Meine Familie hat einen großen Anteil an meinem Erfolg.

Trotz aller Erfolge, Sie konnten in drei verschiedenen Klassen Europameister werden, haben Sie noch keine Sponsoren gewinnen können.
Das ist bei anderen Taekwondo-Kämpfern gleich. Ich werde von der Duisburger und der Deutschen Sporthilfe unterstützt, der finanzielle Aufwand ist sehr groß. Da wäre es schön, ein wenig mehr Rückendeckung zu bekommen. Aber immerhin habe ich für ein Jahr ein Auto gestellt bekommen, so kann ich zum Training fahren, ohne dass ich den Wagen meiner Eltern ständig borgen muss.
In Ihrem Heimatverein sind Sie ein richtiger Star.
Es freut mich, wenn die Kinder mich als Vorbild sehen. Ich mache gerne mal ein kleines Spaßsparring oder helfe beim Training, gebe Tipps. So habe ich das auch gelernt.

Autor: Sarah Landsiedel

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