16.04.2018

Köln-Kommentar

Fangeduld am Ende - Veh muss Kader verändern

Foto: firo

Der 1. FC Köln hatte trotz einer katastrophalen Planung alle Chancen, die Liga zu halten. Aber jede Möglichkeit wurde mit Füßen getreten. Ein Kommentar.

Nach dem Wunder folgte der Absturz. Nach der Europa-League-Quali steigt der FC ab, vielleicht als Letzter. Es wurden so viele Fehler gemacht, die alle aufzuzählen, würde zu viel Zeit kosten. Die wichtigsten sind schnell erzählt: Für Modeste kam Cordoba (für 17 Millionen Euro aus Mainz), so viel Geld hat selten ein Verein mit einem Transfer verbrannt. Die Chemie zwischen Ex-Trainer Peter Stöger und Ex-Sportdirektor Jörg Schmadtke stimmte auf einmal nicht mehr und keiner im Klub hat das bemerkt. Jeder kochte sein Süppchen - auf Kosten des Vereins. Zudem gab es eine unsagbare Verletztenmisere - die auch auf zu dosiertes Training zurückzuführen sein soll. Zudem hat sich gefühlt jeder Leistungsträger seine Auszeit genommen, gerne auch mal über mehrere Wochen.

Die Konsequenz: Köln schoss ungebremst in den Keller - von Platz 5 auf 18. Zwar schuldenfrei, aber mit vielen Fragen im Gepäck. Der aktuelle Sportchef Armin Veh darf nun bloß nicht den Fehler machen, den Kader in großen Teilen so zu belassen. In einigen Analysen hieß es, das Mittelfeld bleibt komplett beisammen, schließlich haben ja alle Spieler Verträge. Das wäre für Köln eine Katastrophe. Denn hier lagen die größten Schwächen. Viel zu wenig passierte auf den Außen, viel zu verletzungsanfällig waren Leistungsträger wie Höger, Risse oder Bittencourt. Viel zu wenig Kompaktheit gab es in der Zentrale, viel zu wenig Torgefahr kam aus der zweiten Reihe. Sollten aus dem Mittelfeld nun alle Spieler bleiben, es wäre ein verheerendes Zeichen. Zumal der neue Trainer - vermutlich Markus Anfang - Offensivfußball bevorzugt, dazu benötigt es eine Neujustierung des Personals - auf mehreren Positionen.

Köln braucht eine Achse, ohne alles auf den Kopf zu stellen. Aber mit Augenmaß muss dieser Kader neu aufgestellt werden. Veh hat viele Baustellen. Zunächst muss er versuchen bis Ende Mai (dann laufen die Ausstiegsklauseln aus) "kölschen Jungs" wie Timo Horn oder Leonardo Bittencourt ein Jahr 2. Bundesliga schmackhaft zu machen. Es wäre das Zeichen, das der FC benötigt. Die Spieler könnten sich unsterblich machen, wenn sie trotz ihrer Möglichkeiten in Köln blieben. Dann muss Veh in der zweiten Reihe aussortieren, um Platz für neue Spieler zu machen.

Denn eins muss auch mal gesagt werden: Trotz vereinzelter Fanproteste zuletzt in Berlin. So ruhig ist der FC noch nie abgestiegen. Zu Zeiten des Müngersdorfer Stadions wären die Spieler vermutlich in der Mitte der Hinserie schon am Marathontor eingekesselt worden. Kölner Fans waren nicht gerade als zimperlich bekannt, wenn es darum ging, die eigene Mannschaft in der Krise auch mal gepflegt in den Boden zu stampfen. Aktuell hat die Truppe aufgrund der letzten Saison einen Bonus, der kaum greifbar ist. Aber der ist jetzt aufgebraucht, das Spiel in Berlin war ein Wendepunkt. Daher muss sich was ändern. Sonst könnte Köln ein Pulverfass werden, wenn sich mit kaum verändertem Kader das Unternehmen Wiederaufstieg nicht gleich perfekt anlässt.

Autor: Christian Brausch

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