20.02.2018

VfL

Das sagt Trainer Dutt zum Ärger mit den Fans

Foto: firo

Dass die komplette Führungsriege des VfL Bochum neu ist, hält der fünfte Trainer in dieser Spielzeit für eine Chance. Wir haben mit Robin Dutt ausführlich gesprochen.

Warum tut sich ein Mann mit so viel Erstliga-Erfahrung das an? Warum hat Robin Dutt als nun fünfter Trainer in dieser von Misserfolgen und internen Querelen geprägten Spielzeit beim VfL Bochum angeheuert - just in dem Moment, in dem der Zweitligist im dicksten Schlamassel sitzt und die Gefahr, vom Profi-Radar zu verschwinden, praktisch täglich gewachsen ist? Diese und andere Fragen hat der 53-jährige Fußballlehrer im WAZ-Interview beantwortet.

Herr Dutt, Sie haben vor mehr als drei Jahren zuletzt als verantwortlicher Trainer auf dem Rasen gestanden. Ist die Alltagsarbeit jetzt gewöhnungsbedürftig für Sie?
Nicht wirklich. Ich habe in Stuttgart 70 bis 80 Prozent der Trainingseinheiten gesehen, das war ja auch so gewollt. Man wollte beim VfB ausdrücklich einen Trainer als Sportlichen Leiter. Das ist auch wichtig für die Einschätzung der Mannschaft. Die Gespräche mit den jeweiligen Trainern waren dabei unterschiedlich akzentuiert, bei Huub Stevens ging es mehr um Führung, bei Alexander Zorniger, mit dem ich immer noch in Kontakt bin, war es mehr ein inhaltlicher Austausch. Aber natürlich habe ich nicht die Trainingspläne gemacht.

Sie haben gerade von Austausch gesprochen. Wie läuft es denn jetzt hier in Bochum, wo sie ja außer Heiko Butscher niemand kennen?
Ich bin angenehm überrascht, und zwar weit über Heiko Butscher hinaus. Es hat praktisch gar keine Eingewöhnungszeit gegeben, alles funktioniert reibungslos. Wir haben ein erfahrenes Funktionsteam, das merkt man.

Was hat Sie bewogen, diese schwierige Aufgabe, die für Sie ja auch ein Risiko beinhaltet, zu übernehmen?
Das Risiko ist mir bewusst. Ich habe mich in den letzten 18 Monaten auch mit dem Thema Ausland beschäftigt, letztlich bin ich aber auch ein Familienmensch, was für eine Tätigkeit in Deutschland spricht. Und durch den Kontakt mit Heiko war ich immer ein Stück weit über Bochum informiert. Dann hatte ich das Gespräch mit Sebastian Schindzielorz, danach wusste ich gleich, dass ich es machen will. Was die Chancen angeht, glaube ich, dass der VfL vielleicht eher unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Andererseits: Bei nun vier Trainern kann es vielleicht auch nicht nur am Trainer liegen. Aber wir haben hier jetzt ein komplett neues Führungsteam, es ist ein bisschen so, als ob wir bei Null anfangen würden. In Freiburg hatten wir das auch mal - mit Dirk Dufner und Damir Buric, der damals als ehemaliger Spieler Co-Trainer wurde.

Bevor Sie präsentiert wurden hieß es, man suche einen Trainer, der die Liga kennt. Aber Ihre letzten Klubs waren doch alle erstklassig.
Ich würde darauf tippen, dass ich im letzten Jahr mehr Zweit- als Erstligaspiele gesehen habe. Und wenn man um den Klassenerhalt kämpft, unterscheidet sich das nicht sonderlich, ob es sich nun um die Erste oder Zweite Bundesliga handelt. Es geht um die Psyche, Mentalität. Mit Freiburg und Bremen haben wir es ja auch geschafft, die Klasse zu halten. Aber ich sehe mich grundsätzlich eher als Entwickler denn als Durchlauferhitzer.

Vor Ihrer Zeit hat es innerhalb der Mannschaft auch schon mal an Geschlossenheit gemangelt, standen hin und wieder eigene Interessen im Vordergrund. Wie gehen Sie damit um?
Erst einmal sage ich klar und deutlich, wie ich mir die Zusammenarbeit vorstelle, dann drücken wir den Resetknopf und stellen alles auf Null. Beispiel: Wenn ein Spieler mal zu spät kommt, dann werte ich das als einmaligen Vorfall. Was passiert ist, bevor ich hier angefangen habe, kommt nicht in die Wertung.

Sie sind neu in Bochum und sollen den VfL vor dem Absturz in die Dritte Liga bewahren. Darüber hinaus aber gilt es, die kommende Saison zu planen. Geht das überhaupt?
Diese Planung gehört auch jetzt schon dazu, sonst läuft einem später die Zeit davon. Aber das macht momentan Sebastian Schindzielorz. Wenn ich zu jemandem eine Idee habe, dann kümmert er sich darum.

Bei Ihrem Einstand hat es zwar keine Punkte gegeben, aber Lob. Sie haben das so nicht akzeptieren wollen. Warum?
Weil das gefährlich ist. Die psychische Verfassung nach einem akzeptablem, aber erfolglosem Spiel ist zwar ein wichtiges Thema, diese Verfassung wäre aber sicher noch schwächer hätte man nun das Gefühl: Es reicht nicht. So ist es aber nicht.

Wie wirken Sie danach auf die Spieler ein?
Es geht nur mit Einzelgesprächen. Was unser Konzept auf dem Rasen angeht: Da muss ich den Rahmen vorgeben, zum Beispiel an den Abständen arbeiten. Aber die Spieler müssen auch einen eigenen Entscheidungsspielraum haben. Was unsere Leitplanken betrifft, hat die Mannschaft das in Heidenheim super umgesetzt. Und konditionell befinden sich die Spieler sich in einem guten Zustand. Da wird es für uns kein Alibi geben.

Potenzial ist also vorhanden?
Ja, ich sehe hier Potenzial und Qualität, das ist ein ausgewogener Kader. Ich tue mich aber schwer damit, daraus den Klassenerhalt abzuleiten.

Mit Nürnberg kommt zu Ihrer Heimpremiere gleich der Tabellenführer...
Wir können aus den letzten beiden Partien schon Selbstbewusstsein mitnehmen. Für mich ist das ein Spiel auf Augenhöhe. (schmunzelt).

Jetzt hat es neben den Misserfolgen auch Ärger mit den Fans gegeben. Können Sie die Fans befrieden?
Ich kann nur meinen Teil dazu beitragen und werde versuchen, nicht unnötig Öl ins Feuer zu gießen. Ich glaube aber auch, dass der Wunsch bei allen spürbar ist, zur Normalität zurück zu kehren. Ergebnisse sind natürlich wichtig. Aber nicht jede Wunde heilt allein durch Siege.

Autor: Michael Eckhardt / Ralf Ritter

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