20.01.2017

Al-Arz

Vorstand wirft Gräfen mangelnde Kommunikation vor

Foto: Thorsten Tillmann

Wolfgang Gräfen ist nicht mehr Trainer des Kreisligisten Al-Arz Libanon. Er gab seinen Rücktritt bekannt, weil sein Team lieber in der Halle als auf dem Platz trainieren wollte.

"Ich habe schon vieles in meiner Laufbahn erlebt, aber so etwas ganz sicher nicht", sagte der entnervte Trainer des Essener A-Kreisligisten am Donnerstagabend gegenüber RevierSport. Einen Tag zuvor hatte ihn seine Mannschaft zur Weißglut getrieben. Statt auf der heimischen Sportanlage an der Bäuminghausstraße trainierten die Al-Arz-Kicker in einer Halle - ohne ihren Trainer. Gräfen erklärte, dass er kurz vor dem Trainingsbeginn darüber informiert wurde. "Mein Spielführer hat mir am Telefon gesagt, dass die Spieler eine Halle gemietet haben und lieber dort spielen, weil es zu kalt sei", berichtete der erfahrene Linienchef, der deshalb seinen sofortigen Rücktritt erklärte.

Eine äußerst sonderbare Geschichte, die Verein aus seiner Sicht etwas anders schildert. Al-Arz-Präsident Nemr Fakhro bestätigt die Trennung von Gräfen. Seinem Ex-Trainer warf er jedoch mangelnde Kommunikation mit der Mannschaft vor. So habe die Mannschaft in einer geschlossenen WhatsApp-Gruppe angekündigt, am Mittwoch in der Halle trainieren zu wollen, um sich auf die Zwischenrunde am Samstag bei der Hallenstadtmeisterschaft vorzubereiten. "Für die Mannschaft ist dieses Turnier, auch wegen der vielen Fans und der sehr guten Stimmung, eines der Highlights der Saison. Mit den kalten Temperaturen hatte das also nichts zu tun", betont Fakhro.

Gräfen habe die Pläne in der WhatsApp-Gruppe schlicht und ergreifend ignoriert. "Der Trainer hat sich innerhalb der Gruppe nicht geäußert", unterstreicht der Funktionär. "Als aktiver Teilnehmer der Gruppe sollte man jedoch davon ausgehen, dass er nicht völlig uninformiert über die Wünsche der Mannschaft bezüglich des Hallentraining war. In der heutigen Zeit ist eine Kommunikation bei einer Vielzahl von Personen, die alle unter einen Hut zu bringen sind, über eine WhatsApp-Gruppe keine Seltenheit mehr."

Die komplette Stellungnahme finden Sie hier:

So kam es dazu, dass sich der Al-Arz-Trainer auf eine Einheit im Freien einstellte, seine Mannschaft aber die Sporthalle vorzog. Der Anfang vom Ende der einjährigen Zusammenarbeit zwischen Gräfen und Al Arz. "Es ist zutreffend, dass Wolfgang Gräfen ein Training für die Kunstrasenanlage vorbereitet hatte", sagt Fakhro, der den Vorfall bedauert: "Bei einer vernünftigen Kommunikation von beiden Seiten wäre es nicht zu dieser Situation gekommen. Einen vorsätzlichen Boykott oder eine Revolte der Mannschaft hat es aber nicht gegeben, das sieht man auch an den Reaktionen der Spieler, von denen sehr viele bedauern, dass der Trainer zurückgetreten ist, da sie gerne mit ihm zusammengearbeitet haben."

Autor: Martin Herms

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