Bochum

VfL tankt Mut beim Premieren-Festival

Ralf Ritter
19. September 2016, 09:07 Uhr

Foto: firo

So gut gelaunt hat man die Bochumer lange nicht gesehen.

Ob Kevin Stöger, Thomas Eisfeld, der ja fast immer gut aufgelegte Felix Bastians, sie alle strahlten ein Glück aus, das sie sich in 90 aufgeregten und aufregenden Minuten plus acht Minuten Nachspielzeit erkämpft, erspielt, wieder verloren und am Ende doch verdient hatten. 5:4. Ein Genuss für VfL-Anhänger und neutrale Beobachter. Eine bittere Pille für nie aufsteckende Gäste aus Nürnberg. Und ein Befreiungsschlag für die gesamte neu strukturierte Offensivabteilung des VfL.

Es war ja auch ein Tag der Premieren in dieser Saison. Der laufstarke Kevin Stöger traf zum ersten Mal in einem Ligaspiel, nachdem seine zwei Tore im Pokal in Walldorf dem Aus praktisch zum Opfer gefallen waren. „Ich bin glücklich, am Ende war es ein verdienter Sieg“, sagte er.

Peniel Mlapa traf zum ersten Mal in dieser Saison - und dann gleich noch einmal. Sein Sturmkollege Nils Quaschner, für ihn eingewechselte, jubelte gleichfalls über seinen ersten Treffer. „Ich freue mich, dass Nils und ich getroffen haben“, sagte Mlapa, der mit Quaschner an seiner Seite bei den Interviews Teamgeist und Geschlossenheit demonstrierte. Mlapa machte kein Geheimnis daraus, dass die Kritik der letzten Wochen genervt habe. „Wir haben heute die Antwort gegeben“, sagte er und räumte offen ein, dass mit dem ersten Treffer eine große Last von seinen Schultern gefallen sei.

Tom Weilandt hat bereits getroffen, zum Auftaktsieg gegen Union Berlin (2:1). Diesmal war der rechte Flügelstürmer der überragende Vorbereiter und holte sich seine ersten drei Punkte in dieser Statistik: beim 1:0 und 3:1 profitierten Stöger und Mlapa von seinen maßgeschneiderten Flanken, beim 5:3 vollstreckte Quaschner. Und vor dem 2:0 war Weilandt auch entscheidend beteiligt: Seinen Edel-Pass nahm Thomas Eisfeld an und fädelte bei Torwart Kirschbaum ein. Den Elfmeter verwandelte der wieder bärenstarke Felix Bastians, der als Innenverteidiger nach seinem zweiten Saisontor noch einen Treffer vorbereitete mit seinem Pfostenknaller vor dem 4:3, nach dem Mlapa vollstreckte.

Was offensichtlich fehlte, war Kompaktheit. Konstanz. Stabilität. Eigenschaften, die Trainer Gertjan Verbeek bei aller Zufriedenheit über den Erfolg noch vermisst hat über 90 Minuten. Nach dem 2:0, nach dem 3:1 sah er zu wenig Vorwärtsdrang und sein Team auch deshalb anfällig für zu viele Chancen, zu viele Freistöße für den Gegner um den Strafraum herum,, letztlich: zu viele Gegentore. „Wir spielen zurück statt das 4:1 zu machen. Nach vorne zu verteidigen, das fängt vorne an“, gibt Verbeek einmal mehr die Marschroute der Offensive vor.
Und: Die Nürnberger hätten immer an sich geglaubt, lobte er die unterlegenen Franken für ihre „Mentalität. Sie wollten hier was holen, davon können wir lernen.“

Es hat letztlich gereicht, und daher fährt der VfL nach zuvor vier Pflichtspielen ohne Sieg „mit breiter Brust“, so Kevin Stöger, zum Westduell nach Düsseldorf. Bei der Fortuna ist die Brust eher ein bisschen schmaler geworden. Düsseldorf hat nach drei Remis (Sandhausen und Kaiserslautern auswärts, Fürth daheim) und einem viel umjubelten Sieg gegen Stuttgart (1:0) in Heidenheim nun seine erste Niederlage kassiert. Beim 0:2 brachte das Team vom Ex-VfL-Coach Friedhelm Funkel letztlich nach vorne zu wenig zustande.
3:1 hat der VfL zuletzt in Düsseldorf gewonnen nach einer ganz starken zweiten Halbzeit mit einem ganz starken Thomas Eisfeld, der an diesem Februarabend - es war ebenfalls ein Dienstagspiel um 17.30 Uhr - ein Freistoßtor beigesteuert hatte. Auch Eisfeld zeigte gegen Nürnberg seine beste Saisonleistung - und konterte die Frage, ob er erneut zuschlägt in Düsseldorf, lächelnd: „lieber zweimal“.

Das war nicht arrogant gemeint und kam auch nicht so rüber, es unterstrich aber das Selbstvertrauen, das sich Bochum beim Heimfestival geholt hat. Felix Bastians drückte es so aus: „Es war wichtig, dass wir mit drei Punkten in die englische Woche gestartet sind.“

Autor: Ralf Ritter

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