Regionalliga-Relegation

Rainer Koch stellt sich den Fragen

Martin Herms
25. Mai 2016, 08:58 Uhr
Foto: firo

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Sie ist das Thema in der vierten Liga. Die Aufstiegsregelung zur 3. Liga. Seit Jahren beschweren sich die Vereine, dass die Meister nicht direkt aufstiegen dürfen.

Wir haben Rainer Koch, 1. DFB-Vizepräsident Amateure, mit fünf Fragen rund um die Regionalliga-Relegation konfrontiert.


Herr Koch, die Aufstiegsrunde zur 3. Liga ist auch im vierten Jahr nach ihrer Einführung bei Fans und Vereinen umstritten, da nur in der Regionalliga der Meister nicht direkt aufsteigen darf. Können Sie den Ärger nachvollziehen?
Dass die Meister nicht direkt aufsteigen, ist auch aus meiner Sicht nicht gut, allerdings eine leider unvermeidbare Schwäche der aktuellen Ligastruktur. Aber: Eine ganzheitliche Betrachtung muss neben den Aspekten eines durchlässigen Übergangs vom Amateur- und Profifußball sowie der Eliteförderung in besonderem Maße auch die Wirtschaftlichkeit des Liga-Spielbetriebs und die Interessen der regionalen Amateur-Spitzenvereine berücksichtigen, die zu großen Teilen infrastrukturell den Weg in eine nationale Profiliga nicht mehr antreten können und wollen. Amateur-Spitzenfußball muss bezahlbar und für die Vereinsführungen verantwortbar sein. Das war in einer dreigleisigen Regionalliga nicht machbar, wo reihenweise Klubs in die Insolvenz gegangen sind.

West-Meister Sportfreunde Lotte hat den Modus in einem offenen Brief kritisiert. Dass die West-Mannschaften zwei Spiele mehr als die vier anderen Staffeln bestreiten müssen, wird indirekt als unfair bezeichnet. Wie bewerten Sie die Ausführungen des Vereins?
Die Mannschaftszahl in der Regionalliga West ist ausschließlich Sache des Westdeutschen Fußballverbandes. Dort sind die Sportfreunde Lotte Mitglied und können ihre Stimme hinsichtlich einer Diskussion über die Anzahl der Mannschaften in der Regionalliga West einbringen.

Wird auch künftig am Relegationsmodus festgehalten? Ideal wäre, wenn der Meister direkt aufsteigen würde. Dass ginge aber nur, wenn die 3. Liga zweigleisig wäre, was aus wichtigen Gründen jedoch nicht möglich ist und selbst von den Regionalliga-Meistern, sobald sie aufgestiegen sind, abgelehnt wird. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen ist die Regionalliga in ihrer aktuellen Form die bestmögliche Lösung. Die Ligastruktur wird von der überragenden Mehrheit der Regionalliga-Vereine befürwortet. Dagegen sind in erster Linie die Vereine, die gar nicht Regionalligisten sein wollen, sondern schnellstmöglich aus der Liga raus wollen. Das ist für mich zwar gut nachvollziehbar, die Ligastruktur muss aber die Interessenlagen aller Klubs im Auge haben. Und diese Interessenlage ist inzwischen mehrfach formuliert worden. So haben zum Beispiel die Vereine der fünf süddeutschen Landesverbände aus Baden-Württemberg, Hessen und Bayern, die mehr als 40 Prozent der deutschen Vereine repräsentieren, sich beim SFV-Verbandstag nahezu einstimmig für die Beibehaltung der fünfgliedrigen Regionalliga ausgesprochen.

Eine ähnliche Erklärung haben auch die Klubs des Nordostdeutschen Fußballverbandes verabschiedet. Und auch im Südwesten und im Norden gibt es keine andere Sichtweise. Die süddeutsche Haltung ist im Übrigen klar: Man könnte auf vier Absteiger aus der 3. Liga und vier Aufsteiger aus vier Regionalligen gehen. Der Bereich der Regionalligen Südwest und Bayern umfasst 50 Prozent des deutschen Fußballs. Es müssten also aus den drei Regionalligen West, Nord und Nordost zwei Ligen gebildet werden. Das will, soweit ich es sehe, keiner in diesen Teilen Deutschlands. Im Süden beteiligen wir uns an dieser Diskussion aber nicht.

Ich denke, wir sollten überlegen, wie man sinnvoller und gerechter aus sechs Mannschaften drei Aufsteiger ermitteln kann. Eine Möglichkeit wäre vielleicht z.B. eine Aufstiegsrunde, so dass auch tatsächlich die drei sportlich besten Mannschaften aufsteigen und nicht die vielleicht stärksten Teams gegeneinander gelost werden. Für mehr Spieltage zum Schluss einer Saison braucht man allerdings auch Zeit. Dazu wäre eine Reduzierung der Mannschaftszahl pro Liga erforderlich, dass will die Mehrzahl der Klubs aus beachtlichen Gründen aber auch nicht. Es geht eben nicht nur um den Aufstieg, sondern insgesamt um die bestmögliche Ligastruktur für die höchste Amateur-Spielklasse, die für viele Amateurvereine ihre „Champions League“ und damit das Maximum ist.

Was muss passieren, damit der Modus geändert wird und die Meister wie gefordert direkt aufsteigen können?
Rein theoretisch wäre - wie gesagt - die Option, auf vier Regionalligen zu gehen, möglich. Die Einführung einer zweigleisigen 3. Liga ist erst recht nur eine theoretische Möglichkeit.

Wird der Modus auch bei den Verantwortlichen kontrovers diskutiert?
Natürlich sprechen und evaluieren wir die Situation in der Regionalliga ständig, haben dies gerade in den letzten Monaten sehr intensiv gemacht. Die Beschlüsse der regionalen Verbandstage und Gremien sind weit überwiegend sehr klar und einheitlich. Die Betrachtung der Ligastruktur muss - wie gesagt - immer ganzheitlich erfolgen. Das heißt, dass dabei auch die Interessen der regionalen Amateur-Spitzenvereine berücksichtigt werden müssen. Zudem muss sich der Blick nicht nur auf die Interessen zur 3. Liga hin, sondern auch zu den Oberligen in der 5. Spielklassenebene richten. Es geht nicht nur um die Aufstiegsfrage, sondern um die insgesamt bestmögliche Ligastruktur für die höchste Amateur-Spielklasse. Und auch die Situation und die Interessen der Drittligisten dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Autor: Martin Herms

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