08.03.2014

SGS Essen

Anja Berger blüht unter Stress auf

Als Anja Berger im Sommer 2013 aus Gütersloh zur SGS Essen wechselte, war ihr klar, dass sie „nur“ zweite Torhüterin hinter Lisa Weiß sein wird.

Trotzdem wagte sie den Schritt und – siehe da – kurz vor der Weihnachten (21.12.) feierte sie ihr Debüt im Trikot der Essenerinnen und wurde seither nicht wieder verdrängt.
[person_box=6959][/person_box]
Zwar liegt dies auch daran, dass Weiß nach ihrer Knie-OP im Winter noch nicht wieder ganz fit ist, deren Vertretung ist dennoch selbstbewusst genug zu sagen, dass sie auch am 16. März noch zwischen den Pfosten stehen wird, wenn die SGS zu Hause gegen den FFC Frankfurt spielt. „Ich bin eine Kämpferin“, sagt Berger. „Ich bin mit zwei älteren Brüdern groß geworden, da lernt man, sich durchzusetzen.“

Mit 15 von zu Hause weg

Blauäugig ist die seit Mittwoch 22-Jährige aber auch nicht. Dafür hat sie sich schon viel zu früh alleine durchschlagen müssen und weiß, worauf es ankommt. Mit 15 zog sie von zu Hause aus und wohnte fortan im Internat der Sportschule Kamen-Kaiserau, weil die Fahrerei zwischen ihrer Heimat Münster und ihrem neuen Fußballklub Gütersloh einfach zu viel wurde. „Ich war von 6 bis 23 Uhr unterwegs, konnte nicht mehr vernünftig essen, weil ich keine Zeit hatte und hatte unglaublichen Stress“, erinnert sich die Torfrau, die schon seit der F-Jugend (damals spielte sie beim VfL Wolbeck) zwischen den Pfosten steht. Als Berger dann volljährig war, bezog sie in Gütersloh ihre erste eigene Wohnung. „Ich kannte die Stadt überhaupt nicht, das war schon ein kleines Abenteuer.“

„Fußball ist mein Leben“

Inzwischen ist sie sogar ein kleiner „Städtebummler“. Nach dem Fachabi zog es die Keeperin nämlich nach Essen, wo sie in der Uniklink derzeit eine Ausbildung zur Physiotherapeutin macht. Dementsprechend groß war die Freude, als die SGS nach dem Spiel gegen Gütersloh in der vergangenen Saison fragte, ob sie sich vorstellen könne, als Backup für Weiß nach Essen zu kommen. „Endlich hatte das erneute Pendeln ein Ende und ich konnte auch weiterhin meine Ausbildung und den Sport miteinander zu verbinden. Vor allem Fußball ist mein Leben und den wollte ich nicht aufgeben.“

Da war es auch kein Problem, dass Berger „nur“ als Ersatzfrau verpflichtet wurde. Zumal ihr dennoch eine wichtige Rolle zuteil wird. „Essen wollte jemanden haben, der Lisa Konkurrenz machen kann, damit sie sich da ein bisschen dran hochziehen kann und noch besser wird“, freut es die gebürtige Münsteranerin , dass die Wahl auf sie gefallen ist. „Und ich hatte bisher nie richtiges Torwarttraining und kann daher nur dazu lernen.“ Auch wenn sie beide unterschiedliche Typen zwischen den Pfosten sind, gibt die erfahrene Weiß immer gerne mal einen Tipp an ihre jüngere Konkurrentin weiter. „Wenn ich Fragen habe, dann steht sie mir immer Rede und Antwort.“

Druck fördert gute Leistungen

Und so ist Berger mit jedem Spiel, das sie jetzt für die SGS gemacht hat, immer ruhiger geworden und tritt immer sicherer auf. Da passt es in ihr bisheriges Fußballer-Leben, dass sie jetzt, wo sie auf einem guten Weg ist, in Essen durchzustarten, mal wieder großen Stress neben dem Fußballplatz hat. Im Mai hat sie ihre Zwischenprüfung, für die sie viel lernen muss. Doch irgendwie scheint sie diesen Druck zu brauchen, um auf dem Platz ihre Leistung zu bringen. „Außerdem ist es doch ein Luxus-Problem, das ich habe“, meint Berger von der Situation unbeeindruckt. „Ich kann zwei Sachen machen, die mir viel bedeuten, was will ich mehr?!“

Autor:

Kommentieren

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken