25.11.2013

Westfalia Herne

76 Zahlende! Die Gründe? Die Folgen?

76. In Worten: Sechsundsiebzig. So viele - pardon! - so wenige Zuschauer lockte das Spiel zwischen Westfalia Herne und Eintracht Rheine am Samstag an.

Fehlt am Ende eine Null? Oder wenigstens vorne eine Eins? Nein, am Samstag fanden tatsächlich nur 76 Zuschauer offiziell den Weg ins Herner Stadion. "Das waren die zahlenden Gäste. Insgesamt waren es etwas mehr als 100", erklärt Sascha Loch, der 1. Vorsitzende der Westfalia. Was aber auch nicht viel besser ist, sondern "immer noch erschreckend wenig", wie auch der SCW-Chef findet.

"Ich war einer von den 76 Zuschauern. Unfassbar! Da hätte ich auch etwas anderes machen können. Selbst Sodingen hat mehr Zuschauer. Das ist der Tiefpunkt!", schimpft ein User im Vereins-eigenen Internetforum. Und Loch? Wie erklärt er sich solche eine Kulisse? "Es hat bestimmt mit der Ansetzung zu tun, es war ein Nachholspiel an einem Samstag, da waren sicherlich noch viele Leute unterwegs. Zudem hatten wir von 12 Uhr an Pokalspiele in der A-, B- und C-Jugend, die hatten mehr Zuschauer als die Oberliga-Mannschaft." Und dann ist da ja auch noch die Bundesliga, die sich seit einigen Jahren wenig darum schert, ob gleichzeitig auch die Amateure kicken.

"Das ist uns eine Lehre"

Klingt trotzdem nach einer klassischen Fehlplanung. Andere Alternativen als am Samstagnachmittag Spiele nachzuholen, gebe es jedoch kaum: "Natürlich war das erschreckend. Das ist uns auch eine Lehre, aber wir haben nicht viele Ausweichmöglichkeiten", beklagt Loch. In der heimischen Abisol-Arena gibt es kein Flutlicht, der Kunstrasenplatz an der Forellstraße kommt auch nicht in Frage. "Er ist nicht Oberliga-tauglich, weil eine Umzäunung fehlt. Das geht aufgrund der Sicherheitsvoraussetzungen nicht." Der Zustand sei übrigens auch erbärmlich - der berüchtigten "Beachsoccer-Anlage" der TSG Sprockhövel, die im Sommer renoviert wurde, stehe der Platz in nichts nach, findet Loch.

Spannender ist aber die Frage, mit welchem Zuschauerschnitt der Verein eigentlich kalkuliert hat. Und wie er über den Winter kommen will. Kaum einen Oberligisten plagen solche großen finanziellen Schwierigkeiten wie die Strünkeder - und bei kaum einem Klub werden aufgrund der Bedingungen so viele Spiele abgesagt. "Wir rechnen normalerweise mit 350 Zuschauern, das ist schon tief kalkuliert", berichtet Loch - man habe allerdings die Kosten gegenüber dem Vorjahr noch einmal nach unten geschraubt. "Dieses Jahr stehen wir etwas besser da."

"Wir haben nur begrenzt Puste"

Das Stadion - unter Kennern gilt es als die schönste Spielstätte der Liga, wenn nicht im ganzen Ruhrgebiet - ist unterdessen gleichzeitig Tafelsilber des Klubs und auch ein dicker Klotz an seinem Bein. "Zur Zeit arbeiten wir an einer neuen Akustikanlage. Es gibt viele kleine Baustellen, aber wir hübschen das Stadion immer wieder auf. Aber jeden Mangel können wir nicht abstellen." Auch eine Aktion wie die vielzitierte "Apokalypse Blau", die vor genau einem Jahr rund 3.300 Zuschauer ans Schloss lockte, lässt sich nicht so einfach wiederholen. Dafür sei der Verein nicht breit genug aufgestellt, erklärt Loch. "Wir haben nur begrenzt Puste."

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Die ist jetzt erstmal bei den Unentwegten gefragt. Gegen Dornberg und Hüls hofft Westfalia Herne auf ordentliches Wetter, eine zumindest dreistellige Zuschauerzahl - und schließlich auch ein paar Zähler für das schmale Punkte-Konto. In jederlei Hinsicht würde Herne ein bisschen Winterspeck gut zu Gesicht stehen.

Und ein schwacher Trost zum Schluss: Den Liga-Minusrekord hält der TuS Dornberg. Beim Heimspiel am 12. Spieltag gegen den SC Roland wurden 50 Zuschauer vermeldet.

Sämtliche Statisken zu den Zuschauerzahlen in der Oberliga Westfalen finden Sie hier:
[url]http://www.reviersport.de/fussball/oberligawestfalen-1314-zuschauer.html[/url]

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