26.04.2007

FLVW: "Boss" Korfmacher plädiert für die NRW-Liga

"Verbandsgrenzendenken endlich überwinden!"

In Westfalen steht eine neue Zeitrechnung an. Denn die kommende Saison wird aller Voraussicht nach die letzte der Oberliga Westfalen sein. Ab der Spielzeit 2008/09 soll eine einheitliche NRW-Oberliga eingeführt werden, die aus je neun Vertretern der Klassen Westfalen und Nordrhein bestehen wird. Dieses Vorhaben verfolgt Hermann Korfmacher, Präsident des Fußball- und Leichathletik-Verbandes Westfalen sowie des Westdeutschen Fußball-Verbandes.

Zwar ist die Auf- und Abstiegsregelung noch nicht endgültig geklärt, doch Korfmacher rührt trotz vieler offener Fragen eifrig die Werbetrommel für ein Konzept, über das das Präsidium am Samstag, den 5. Mai entscheiden wird.
Herr Korfmacher, Sie haben den westfälischen Vereinsvertretern die Pläne zur NRW-Liga vorgestellt. Wie waren die Reaktionen?

Es war kein einheitliches Bild bei den Vereinen festzustellen. Aber das habe ich erwartet, da keine homogene Einteilung existiert. Da wir auch die ersten Sieben der Verbandsligen eingeladen hatten, ist das Leistungsgefälle groß. So war auch das Stimmungs-Spiegelbild. Denn je weiter man unten spielt, desto mehr lehnt man den Vorschlag ab. Wer dagegen stimmt, hält die leistungsstarken Vereine auf ihrem Weg nach oben auf.

Mit 13:9 stimmten die Vereine gegen die Einführung. Grund: Lokalschlager fallen weg und die Fahrtkosten werden viel höher. Was sagen Sie dazu?

Wir hatten mit Dr. Jürgen Veth, dem Projekteiter des DFB, einen sehr kompetenten Mann vor Ort, der an Hand von Zahlen genau aufgeschlüsselt hat, dass es keine finanziellen Nachteile durch verlorengegangene Derbys gibt. Auch den Kritikpunkt, dass sich die Fahrtkosten erhöhen würden, hat er widerlegt und gezeigt, dass es sich nicht auf den Etat auswirkt.
In der kommenden Saison geht es um die Qualifikation. Wie sollen Auf- und Abstieg geregelt werden?

Die ersten vier Oberligisten steigen in die dreigleisige Regionalliga auf. Von Platz fünf bis elf qualifizieren sich die Clubs für die NRW-Liga, da die Verbandsliga-Meister nicht um die goldene Ananas spielen dürfen. Die Abstiegsregelung müssen wir noch festlegen. Dafür muss man sicherlich noch eine faire Lösung suchen. Aber damit haben wir uns noch nicht bis ins letzte Detail befasst.
Sie sind ein großer Verfechter dieser Möglichkeit. Warum?
Ich bin mir mit den Präsidenten aus Nord- und Mittelrhein einig. Wenn ich nicht nur Fahrstuhlmannschaften produzieren will, muss ich Teams schaffen, die sich hart profilieren müssen. Keiner kann sich so recht erinnern, wann der letzte echte Traditionsverein aus Westfalen aufgestiegen ist. Eventuell gelingt es in diesem Jahr dem SC Verl. Aber ansonsten schaffen es hauptsächlich die Reservemannschaften. Das ist auch nicht sinnig.

Die Kritiker befürchten einen drastischen Rückgang der Zuschauerzahlen, die dann ein Loch in den Finanzplan schlagen würden.

Nehmen wir Preußen Münster als Beispiel. Zu Saisonbeginn sind sie mit 4.000 Fans aufs Land gezogen, jetzt kommen nur noch 1.200 Anhänger. Die Leute haben bei Auswärtsspielen doch gar keinen lautstarken Gegner, deshalb bleiben sie lieber zu Hause. Auch Gütersloh hat im berühmten Derby gegen Verl nur 3.000 Besucher. Alle Vereine sind in dieser Statistik auf dem Weg nach unten. Die Ängste sind folglich unbegründet.
Es kommt immer wieder der Vorwurf, der Vorschlag sei mit heißer Nadel gestrickt und man bräuchte für einen derartigen Einschnitt mehr Zeit. Wie sehen Sie das?

Die Geschichte zu verschieben, da angeblich zu wenig Zeit da ist, heißt, alles zu zerreden.

Wenn die beiden Oberliga zusammengelegt werden, müsste es doch auch bei den Verbandsligen geschehen. Da Nieder- und Mittelrhein nur je eine Gruppe stellen, müsste Westfalen auch von seinen zwei Klassen Abschied nehmen, oder?

Nein. Die Verbandsligen sind stark, haben eine große Aussagekraft. Da wir von den Mitgliederzahlen doppelt so groß wie Nord- und Mittelrhein sind, bleibt die Zahl der Verbandsligen gleich.
Der FLVW ist nach Bayern der zweitstärkste Landesverband im DFB. Hat er damit nicht ein Recht auf eine eigene Klasse?
Das ist ein Griff in den Obstkorb. Bayern ist ein Bundesland mit einem Verband. Wir in Westfalen sind nur ein Teil des Bundeslandes NRW. Wir haben zwei Ligen, Bayern leistet sich nur eine Oberliga. Ich verstehe auch nicht die Gegenargumente, denn es tauchen doch mehr namhafte Clubs auf. Außerdem wird ein wichtiger Punkt immer außer Acht gelassen: Mannschaften und ganze Vereine melden sich ab. Wenn die Deutschen weniger werden, dann macht diese Entwicklung vor unserem Verband nicht halt. Deshalb ist eine Straffung sinnvoll und es gibt da auch noch ganz andere Vorstellungen.

Welche?

Beispielsweise neun gegen neun zu spielen. Die Jugend macht es schon, kickt sieben gegen sieben oder acht gegen acht. Wenn ein Club nur zehn Mann hat, warum sollten sie dann nicht außerhalb der Meisterschaften ihrem Hobby nachkommen dürfen? In Freundschaftsspielen können auch Männer und Frauen in einer Mannschaft spielen. Der DFB bewegt sich gewaltig und richtet sich modern aus. Für Westfalen bedeutet das momentan noch nichts, aber wir bereiten uns auf alles vor.
Okay, aber zurück zur Liga-Reform. Die Mannschaften machen sich auch Gedanken über den Wegfall der Fernsehgelder. Wie wollen Sie das auffangen?

Wenn wir eine attraktive NRW-Liga haben, kann man diese Klasse mit Sicherheit gut vermarkten, vielleicht auch mit einem Logo. Davon würden dann auch die Teams profitieren.

Kommen wir zum letzten großen Kritikpunkt. Besteht nicht die Gefahr, dass die Reservemannschaften der Bundesligisten den anderen Vereinen die Plätze wegnehmen und für einen gewaltigen Zuschauerrückgang sorgen?

Mir hat es die Schuhe ausgezogen, als Friedel König, Vertreter des FCE Rheine sagte, dass Schalke II und Dortmund II die meisten Zuschauer mitgebracht haben. Ich dachte, ich höre nicht recht. Aber okay. Die Reserveteams sind Teile unseres Verbandes, haben die gleichen Rechte und Pflichten. Was ist denn, wenn ein Oberligist seine Bezirksliga-Elf vor dem Abstieg retten will? Das ist doch das Gleiche. In den drei Regionalligen wird es sich dann relativieren. Die Bundesligisten sind auch dazu bereit, dass ihre Unterbauten aufgeteilt werden. Wenn im Westen schon viele Zweitvertretungen sind, würden sie in den Norden beordert. Wir müssen dieses tradierte Verbandsgrenzendenken endlich überwinden.

Autor:

Kommentieren