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So will Katar eine Blamage bei der Heim-WM verhindern

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Fußball-WM: So will Katar eine Blamage bei der Heim-WM verhindern
Foto: dpa

Fußballzwerg Katar hat Milliardensummen in die Entwicklung der eigenen Nationalmannschaft investiert. Das Ziel: Nicht blamieren.

Am späten 29. März dieses Jahres sah Felix Sanchez Bas so aus, wie Felix Sanchez Bas eigentlich immer aussieht. Wenig Haare auf dem Kopf, viele Haare rund ums Kinn und dazu ein Gesicht, aus dem man einfach nicht schlau wird.

Katars Nationaltrainer schaute sehr ernst in den Katakomben des Education City Stadions. 0:0 hatte seine Mannschaft gerade gegen Slowenien gespielt, drei Tage vorher hatte sein Team 2:1 gegen Bulgarien gewonnen. „Es ist für uns wichtig, gegen europäische Mannschaften zu spielen und uns selbst zu zeigen, wo wir stehen“, sagte der Spanier dieser Zeitung. „Wir haben gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sind.“

Siebeneinhalb Monate später sieht Sanchez Bas noch immer wie Sanchez Bas aus – doch nun wird fast die ganze Welt versuchen, das geheimnisvolle Gesicht des Katalanen zu lesen. An diesem Sonntag empfängt die katarische Nationalmannschaft im WM-Eröffnungsspiel Ecuador in Al-Bayt-Stadion in Al Khor (17 Uhr/ZDF/MagentaTV). Es ist „nur“ das erste Spiel dieser WM. Einerseits. Andererseits wird man in den 90 Minuten verfolgen können, ob das möglicherweise größte Projekt der Fußballgeschichte aufgehen – oder ob es krachend scheitern wird.

Seit drei Monaten bereitet sich das Team im Trainingslager vor

Tatsächlich hat sich in der WM-Historie noch nie eine Nationalmannschaft so generalstabsmäßig auf das Turnier vorbereitet wie der diesjährige Gastgeber. Seit drei Jahren spielt der Kern der Mannschaft zusammen, seit drei Monaten bereitete sich das Team in dem wohl längsten Trainingslager aller WM-Teilnehmer vor.

Wenn man will, kann man sogar behaupten, dass die Vorbereitung bereits sechs Jahre vor der WM-Vergabe 2010 begann. 2004 wurde die modernste Sport-Akademie der Welt in Doha eingeweiht. Mehr als 750 Millionen Euro hat die Aspire Academy gekostet, in der seit 2011 auch der FC Bayern fast jeden Winter zu Gast ist. Katars Plan dahinter: In dem Trainingszentrum sollten Sportstars in allen Sportarten geformt werden, um das Image des kleinen Wüstenstaates auf dem Spielfeld aufzupolieren – natürlich ganz besonders im Fußball.

Wer die Akademie in Ar-Rayyan im Westen der Hauptstadt Doha das erste Mal besucht, ist beeindruckt. Es gibt 14 Fußballplätze, deren Rasen besser als auf jedem Golfplatz gepflegt ist, die größte überdachte und klimatisierte Sporthalle der Welt, zwei Hotels und mehr als 1000 hauptamtliche Mitarbeiter aus über 55 verschiedenen Ländern. Sportwissenschaftler, Physiotherapeuten, Ärzte, Trainer – und bereits seit 2006 auch Sanchez Bas. Der 46-Jährige hatte zuvor zehn Jahre lang an der sagenumwobenen La Masia die Talente des FC Barcelonas geformt, ehe ihn das vielleicht spannendste Projekt der Fußballwelt nach Doha lockte – möglicherweise neben dem einen oder anderen Euro.

„Jedes Land ist anders und Katar hat nur eine sehr geringe Anzahl an Einwohnern. Deswegen ist es für uns wichtig, bestmöglich hier im Land mit den Spielern zu arbeiten. Wir wollen die Spieler weiter entwickeln“, sagt Sanchez Bas – und fast ist so etwas Ähnliches wie ein Lächeln zu erkennen. „Meiner Meinung nach war das ein großartiger Strategieplan der Verantwortlichen.“

Katar gewann 2019 die Asienmeisterschaft

In Katar ist man sich sicher, dass dieser Strategieplan Erfolg haben wird, was vor allem daran liegt, dass er schon Erfolg hatte. 2014, zehn Jahre nach der Eröffnung der Aspire Academy, ist Katars U19 in Myanmar Asienmeister geworden. 2017 übernahm der Talente-Experte Sanchez Bas die A-Nationalmannschaft und nur zwei Jahre später folgte der große Wurf: Im Zayed Sports City Stadium von Abu Dhabi bezwang Katar Japan im Finale der Asienmeisterschaft mit 3:1.

Acht der 22 Spieler, die in Katars Finalkader standen, waren auch schon 2014 dabei. Die Befürchtung, dass Katars Fußballer es ähnlich wie Katars Handballer machen würden und sich eine eigene Legionärs-Nationalmannschaft zusammenkaufen, konnten Sanchez Bas und Co entkräften: „Es war der Plan des Landes, dass wir hochqualifizierte Spieler im Land selbst ausbilden.“

Akram Afif zum Beispiel. Der Star des Teams sieht zwar aus wie ein kleiner Mohamed Salah, wurde aber in Doha geboren. Beim Gewinn der Asienmeisterschaft legte der Sohn eines ehemaligen Nationalspieler Somalias, der in den Achtzigerjahren nach Katar einwanderte, elf Tore auf. Almoez Abdulla, der selbst im Sudan geboren wurde, dessen Mutter aber nach eigener Aussage aus Katar stammt, traf in sieben Spielen sogar neunmal. Angeführt wird das Team aber von dem gebürtigen Katarer Hassan al-Haydos, der mit 158 Rekordnationalspieler seines Landes ist.

Das große Ziel: Keine Blamage bei der Heim-WM

„Katar macht eine sehr gute Arbeit in der Talententwicklung. Und es ist auch nicht der Regelfall, wie oft angenommen wird, dass irgendwelche Legionäre eingebürgert werden“, sagt der Berliner Stephan Hildebrandt, der 2013 bis 2018 der fußballerische Leiter der Aspire Academy war. „Die Titel 2014 und 2019 waren ermutigend, dass man bei der WM auch mit einheimischen Kräften erfolgreich sein kann.“

Hildebrandt und Sanchez Bas haben fünf Jahre lang Hand in Hand an der Aspire Academy mit dem Ziel zusammengearbeitet, dass sich Katar bei der Heim-WM nicht blamiert. Immer unter der direkten Beobachtung des größten Katar-Fans: Tamim bin Hamad Al Thani. „Der Emir ist ein großer Fußballfan“, sagt Hildebrandt und verrät, dass der Herrscher Katars sich sogar über eine extra entwickelte App jederzeit die Fußballdaten über jeden Spieler abrufen kann. Big Data in Doha.

All die Bemühungen haben vor allem ein Ziel: Katar will auf keinen Fall der WM-Gastgeber sein, der am schlechtesten auf dem Rasen abschneidet. Das war 2010 Südafrika, das aber immerhin ein Remis und einen Sensationssieg gegen Frankreich erringen konnte. Sollte Katars Mannschaft diese Bilanz tatsächlich übertrumpfen, könnte Großes passieren. Mit einem vorsichtigen Lächeln wird Felix Sanchez Bas dann jedenfalls nicht davonkommen.

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