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Westfalia Herne: Knappmann über Planungen, NLZ-Spieler und verlorene Jahre

Tim Rother
06. April 2021, 15:30 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Beim Westfalen-Oberligisten SC Westfalia Herne laufen die Planungen für die neue Saison auf Hochtouren. Im RevierSport-Interview spricht Cheftrainer Christian Knappmann über seinen blutjungen Kader, die Erfahrungswerte von U19-Spielern in der Oberliga und verlorene Jahre.

Herr Knappmann, Bünyamin Karatas ist bereits der 19. Neuzugang für die Saison 2021/22. Wie weit sind Sie schon mit den Kaderplanungen vorangeschritten?
Die Kaderplanungen sind in der Endphase, wenn sie nicht schon abgeschlossen sind. Eine Position hätten wir aktuell noch frei, aber die muss nicht unbedingt besetzt werden. Wir sind mit unserem unkonventionellen Konzept schon sehr weit und für viele vielleicht überraschend erfolgreich.

Der Altersdurchschnitt Ihres Kaders liegt aktuell bei knapp 20 Jahren. Ist das genau der Weg, den die Westfalia gehen muss und Sie auch als Trainer einfordern?
Die Jungs, die richtig gut sind und ein gewisses Alter haben, können wir uns einfach finanziell nicht erlauben. Die, die nur noch ein paar Euros verdienen wollen und keinen Bock mehr haben, richtig Gas zu geben, haben bei mir eh nichts verloren. Der Verein und ich wollen mit Jungs zusammenarbeiten, die bereit sind, fünf bis sechsmal die Woche zu trainieren und das Ziel haben, irgendwann mal an der Hafenstraße zu spielen. Das ist zwar weit weg, aber für die Jungs trotzdem eine Triebfeder, auf viel zu verzichten.

Man redet immer gerne von einer gesunden Mixtur aus Jung und Alt, die es in einem Kader geben muss, um erfolgreich zu sein. Sehen Sie sich als Trainer, der in der Oberliga fast ausschließlich mit jungen Talenten arbeitet, mit einer großen Herausforderung konfrontiert?
Für mich stellt sich bei diesem Thema immer die Frage, wie Erfahrung tatsächlich definiert ist und wo sie wirklich benötigt wird. Ich glaube, dass ein Spieler, der sein erstes Seniorenjahr spielt, vorher aber schon fünf bis sechs Jahre in einem Nachwuchsleistungszentrum verbracht hat, auch erfahren ist. Die nächste Frage ist, für was ich in der Oberliga Erfahrung brauche. Klar, wenn ich an der Hafenstraße spiele und die Bude ist voll, ist es natürlich hilfreich, wenn man dann abgebrüht ist. Aber in der Oberliga kommen ja im Schnitt weniger Zuschauer als in der A-Junioren-Bundesliga. Ich will nicht sagen, dass Erfahrung partout nicht helfen kann. Aber man muss immer sehen, in welcher Liga man Erfahrung einfordert.

Wie bewerten Sie den Schritt vom Jugend- in den Seniorenbereich? Wird Fußball dann zwangsläufig körperbetonter?
Ich stelle mir dabei immer die Frage: Warum sollte ein U19-Bundesliga-Stammspieler, der schon über Jahre ein Profi-Pensum im NLZ abgespult hat, schlechter sein oder physisch etwas nachzuholen haben? Diese Spieler sind muskulär schon teilweise auf einem anderen Level als manch gestandener Oberligaspieler. Bei Youssoufa Moukoko und der Bundesliga würde ich es unterstreichen. Da kommt man von dem einem in das andere Top-Level. Aber unsere Jungs kommen ja von einem Top-Level in eine Amateurliga. Da ist die Fallhöhe nicht so hoch.

Gerade als junger Spieler ist es von zentraler Bedeutung, Spielpraxis zu sammeln. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen sind den Spielern inzwischen schon fast acht Monate Entwicklungszeit verloren gegangen. Wie bewerten Sie diese Problematik?
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob da so viel verloren gegangen ist, weil sie das ja wieder aufholen können. Aber sie müssen natürlich jetzt im Seniorenbereich die Dinge lernen, die sie vielleicht in den acht Monaten U19 gelernt hätten. Ich denke, das verschiebt sich einfach. Für die Jungs ist das natürlich eine Katastrophe, keine Frage.

Sind die Spieler dahingehend gefordert, besonders fleißig zu sein und individuell an sich zu arbeiten? Dann würden sie in der Entwicklung vielleicht nicht so weit zurückgeworfen werden…
Es wird auf jeden Fall ein verlorenes Jahr für die, die keine intrinsische Motivation haben, selbstständig zu knüppeln. Ich kenne Jungs aus unserem Kader, die knüppeln wirklich jeden Tag. Das hat meinen vollen Respekt. Die werden dieses Jahr auch nicht unbedingt verlieren. Es gibt aber auch die Jungs, die – und denen mache ich gar keinen Vorwurf – mental nicht dazu in der Lage sind, sich körperlich an ihr Limit zu bringen. Das müssen sie dann natürlich aufholen, klar.

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