Ein Investor versprach dem Regionalligisten die Rückkehr in die Bundesliga. Doch das Projekt wurde aufgekündigt. Jetzt herrscht Angst vor der Oberliga.

RL West

Wattenscheid 09 droht ein Fiasko

28. September 2018, 21:00 Uhr
Foto: Bastian Haumann

Foto: Bastian Haumann

Ein Investor versprach dem Regionalligisten die Rückkehr in die Bundesliga. Doch das Projekt wurde aufgekündigt. Jetzt herrscht Angst vor der Oberliga.

„Die SG Wattenscheid 09 wird auf absehbare Zeit wieder in der Bundesliga spielen!“ Kein Witz: Das versprach Peter Jaeger, Chef des Wattenscheider Investors „Haalo Technology“, im Juli. Keine drei Monate später ist das angepeilte Millionenprojekt des ehemaligen Bundesligisten mit dem Hamburger Start-Up-Unternehmen, das die SG „zum digitalisiertesten Klub in Europa“ machen wollte, gescheitert. Von wegen Rückkehr in die Bundesliga, viel schlimmer: Der SG Wattenscheid 09 droht jetzt sogar der Absturz in die Oberliga. 


Interner Disput führt zur Kündigung
Die Haalo Technology Holding hatte am Mittwoch mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit dem Viertligisten gekündigt. „Wir sehen die Grundlagen unserer Kooperation als irreversibel zerrüttet, von daher ist eine Zusammenarbeit mit dem Verein nicht mehr möglich“, erklärte Jaeger.

Vorausgegangen war ein interner Disput in der Wattenscheider Führungsriege. Demnach ist es zwischen Aufsichtsratschef Oguzhan Can sowie auf der anderen Seite Lukas Bennemann und Christof Wieschemann, die ebenfalls zum sechsköpfigen Gremium gehörten, zu einem Machtkampf gekommen. Daraufhin legten sowohl Bennemann als auch Wieschemann ihre Ämter als Aufsichtsratsmitglieder nieder. „Die Kooperation mit der SG 09 Wattenscheid basierte auch auf der Initiative dieser beiden Personen“, sagt Jaeger. „Von ihrem Rücktritt haben wir weder durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrates noch durch den Vorstandsvorsitzenden Kenntnis erlangt, sondern durch Pressevertreter.“

Can ist da anderer Meinung. Er ist bei dem gemeinsamen Projekt Mitgesellschafter und will die einseitige Kündigung nicht akzeptieren: „Es kann nicht sein, dass das Projekt beendet wird, weil uns zwei Aufsichtsratsmitglieder verlassen haben. Ich werde das alles von meinen Juristen prüfen lassen. Ich bin mir sicher, dass wir da im Recht sein werden.“ Pikant: Bennemann gilt als enger Vertrauter von Haalo-Chef Jaeger. 

Mit dem Ausstieg der Hamburger Firma ist auch für die notorisch klammen Wattenscheider die Hoffnung auf finanziell bessere Tage geplatzt. Schon im kommenden Dezember sollte eine Million Euro an die Lohrheide fließen. Jahr für Jahr sollte der Betrag gesteigert werden. So hätte Trainer Farat Toku schon bald einen Aufstiegskader formen können. Nun ist der 13. der Regionalliga-West-Tabelle wieder allein auf das Geld von Can angewiesen. 

Toku vor dem Absprung
Der Bochumer Unternehmer investierte nach eigener Aussage seit seinen Amtsantritt im November 2017 insgesamt 750.000 Euro in die SG Wattenscheid 09. „Das werde ich auch weiterhin tun. Ich habe der Mannschaft und dem Trainer versprochen, dass ich hier niemanden im Stich lasse“, sagt Can. Er betont weiter: „Wer behauptet, dass es hier eine Insolvenz geben wird, der lügt. Solange ich hier das Sagen habe, wird kein Insolvenzantrag gestellt. Was aber nach mir hier passiert, kann ich leider nicht sagen.“

Die Frage bleibt: Wie lange bleibt Can der SG noch treu? Nach Informationen dieser Zeitung wird er spätestens nach der laufenden Spielzeit dem Klub den Rücken kehren. Und dann? Sollte kein Nachfolger gefunden werden, droht der Absturz in die Oberliga oder gar noch tiefer. Denn ohne Cans Darlehen, welches mit fünf Prozent verzinst sein soll, wäre für Wattenscheid auch ein Start in der Regionalliga-Serie 2018/19 nicht möglich gewesen.

Und schon keimt wieder die Trainerfrage auf. Denn dass Toku nach dieser Spielzeit seine Arbeit an der Lohrheide fortsetzen wird, gilt als unwahrscheinlich. Der Vertrag des gebürtigen Bochumers, der einst selbst für die SG 09 spielte, läuft am 30. Juni 2019 aus. Schon in der Vergangenheit bekundeten mehrere Vereine ihr Interesse an Toku.

Sogar die Bayern wurden besiegt
Der große Verlierer dieser Schlammschlacht der Geschäftsleute ist der Verein. Einige Fans haben nach der Ansage Jaegers im Juli schon wieder von besten Bundesligazeiten an der Lohrheide geträumt – wie von 1990 bis 1994. In dieser Zeit mauserten sich die von „Boss“ Klaus Steilmann geführten Schwarz-Weißen unter Trainer Hannes Bongartz mit Spielern wie Souleymane Sané und Marek Lesniak zum Favoritenschreck. Auch beim Rekordmeister Bayern München werden sie nur ungern an den Klub von der Lohrheide zurückdenken. Gleich zweimal besiegte das kleine Wattenscheid die großen Bayern. Die Realität aber heißt: An diesem Samstag geht es zum 1.FC Kaan-Marienborn.

Autor: Krystian Wozniak

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29.09.2018 - 14:28 - Moses

Ein Start up benötigt Investoren, ist aber kein Investor. Das ganze war eine fixe Idee, die sich als solche auch sehr schnell entpuppt hat.
Gut, dass das ein Herr Steilmann nicht mehr mit ansehen muss.

29.09.2018 - 13:22 - DEE DEE EMM

Was ist denn jetzt der Grund zur Aufkündigung der Zusammenarbeit? Fehlende Kommunikation?? Über den Inhalt des Disputes ist nichts zu lesen. Die Kommunikation inerhalb der Haalo Technology Holding scheint auch nicht zu funktionieren. Obwohl enger Vertrater von Herrn Jaeger, hat Herr Bennemann diesen nicht über seinen Rücktritt informiert. Wer soll das glauben???

29.09.2018 - 09:32 - Lackschuh

Will hier nicht ausholen, da ich sonst wieder beschimpft werde, was ich a) aushalte und b) auch uninteressant ist. Das mit Herrn Toku habe ich hier privat bereits vor 2 Tagen gegenüber einem Fan gesagt. Herr Toku hat aber "nur" A-Lizenz und halt keinen F-lehrer oder halt noch nicht! Ich bin Fan des Ruhrgebietsfussballes und somit ist das einfach nur traurig. Für mich war und ist Herr Can ein ganz großes Fragezeichen und zwar eines mit Abhängigkeit der 09-er! Guten Verlauf für den Club!

29.09.2018 - 08:25 - Reviermainzel

@Hotteköln
So traurig es ist, aber die Kurve wird man in WAT auf Dauer nicht mehr bekommen. Den Scherenhaufen, den Klaus Steilmann durch seine 30jährige Alleinherrschaft samt fehlender Rücklagen hinterlassen hat, wird man leider nie wieder kitten können. Ergo wird man sich auf Dauer mit der Verbandsliga begnügen müssen.

28.09.2018 - 21:34 - Hotteköln

Schade Schade was sich da abspielt. 2 aus dem Aufsichtsrat weg, geplanter Sponsor weg und ab der nächsten Saison ohne Can und das Geld?! Sieht düster aus. So was gönnt man keinem Verein. Hoffe sie kriegen trotzdem die Kurve