Geldverteilung, Nachhaltigkeit, Auswirkungen der Coronakrise - die Fußballbosse und die Fans gehen die Zukunftsthemen an. Die Sorgen sind groß.

Vor dem Bundesligastart

Der Fußball kämpft gegen den Bedeutungsverlust

14. September 2020, 12:48 Uhr
Foto: firo

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Geldverteilung, Nachhaltigkeit, Auswirkungen der Coronakrise - die Fußballbosse und die Fans gehen die Zukunftsthemen an. Die Sorgen sind groß.

Der Ball rollt zwar erst ab Freitag, doch schon vor dem Start der Bundesliga sieht sich der Fußball am Scheideweg. Die drängenden Fragen hinsichtlich der Geldverteilung, der Nachhaltigkeit und de Auswirkungen der Coronakrise brauchen Antworten - andernfalls droht der Bedeutungsverlust. Die Angst vor der Abkehr des Publikums mit dem damit verbundenen Niedergang treibt die Deutsche Fußball Liga (DFL), den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Fan-Vertreter um.

Die unübersehbaren Warnsignale bereiten vor allem den Liga-Machern Sorgen. „In der Zielgruppe der 16- bis 24-Jährigen verliert der Fußball stark an Bedeutung“, sagte DFL-Boss Christian Seifert im kicker mit Verweis auf eine Studie der europäischen Klubvereinigung ECA: „Der Fußball muss sich also generell fragen, wie man auch in Zukunft noch viele Menschen für sich begeistert.“ Mit Blick auf den DFB gibt Präsident Fritz Keller unumwunden zu: „Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen.“

Den Weg dahin hat „Unsere Kurve“ aufgezeichnet. Das am Montag vorgelegte Konzept des Fan-Bündnisses zur „Integrität des Wettbewerbs“ sieht unter anderem den Ausschluss von externen Investoren, eine gleichmäßigere Verteilung der Mediengelder, eine Gehaltsobergrenze und eine Luxussteuer vor. Da es bei allen vier Forderungen um die Finanzen geht, scheint aus Sicht der Anhänger-Vertretung eine Regulierung der Geldströme der einzig richtige Weg für den Fußball zu sein.

Immerhin sind sich auch die Bosse darüber im Klaren, dass die Debatten über astronomische Summen, dekadente Profis und Kurzstreckenflüge dem Fußball schaden. Seifert bedauert es jedenfalls, dass „Diskussionen um 700 Millionen Euro Ablöse für Messi, vormals um 222 Millionen Euro für Neymar, goldene Steaks fast alles überlagern“. Der DFL-Chef gibt sogar zu, dass die Gehaltssummen von „einigen als unanständig“ betrachtet werden, „dennoch empfehle ich eine differenzierte Sichtweise“.

Für Seifert sind nur Lösungen im kontinentalen Rahmen erfolgversprechend - jedenfalls bei den Löhnen und der Geldverteilung an die Klubs. „Es wäre sinnvoll, wenn sich der europäische Fußball Gedanken macht, ob und wie man die größte Kostenposition, die Gehälter, nach oben begrenzen kann“, sagte der 51-Jährige: „Die Frage nach einer spannenderen Meisterschaft muss man auch im europäischen Kontext stellen, und sie ist nicht leicht zu beantworten.“

Leichte Antworten gibt es auch beim DFB nicht - was Keller mit Blick auf die Kritik am jüngsten Flug der Nationalmannschaft von Stuttgart ins nur 240 Kilometer entfernte Basel offen zugibt. „Dieses Beispiel zeigt, dass im DFB noch nicht jeder die Dinge so macht und lebt, wie ich sie mir als Präsident vorstelle. Die Veränderungen, die bei uns notwendig sind, müssen in alle Köpfe rein“, sagte der Verbandsboss der FAZ: „Für diese Veränderungen arbeite ich täglich.“

Beim Blick auf sein Wirken stellt sich Keller knapp ein Jahr nach seiner Wahl an die Spitze des krisengeschüttelten Verbandes selbst nicht das beste Zeugnis aus. „Ehrlich gesagt bin ich unzufrieden mit dem, was ich von meinen Zielen bisher erreicht habe“, äußerte der 63-Jährige: „Corona hat zwar viel Kapazität im Tagesgeschehen gebunden, aber das soll keine Ausrede sein.“

Keller machte deutlich, dass er nach wie vor damit beschäftigt ist, „altes Denken aus dem DFB rauszubekommen“. Das herrscht laut dem Verbandsboss „in mancherlei Hinsicht“ noch zu stark: „Das müssen wir abstellen.“ Deshalb lege er „den Finger in die Wunden“.

Ein Ansatz, den alle Beteiligten beherzen sollten - bevor die Wunden nicht mehr zu schließen sind. sid

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14.09.2020 - 17:24 - Hüller

Ja, der Alaba...... unverständlich ist auch, dass die Vereine die s.g. "Spielerberater" eine Provision im sieben bis achtstelligen Bereich bezahlen, unglaublich. Schlimm wäre es nicht, wenn der Alaba 2021 ablösefrei wechselt...........Na ja der Hasan macht das schon...... . die Möglichkeit besteht sehr, dass der Profifussball sich "abnutzt".

14.09.2020 - 17:23 - lapofgods

Dieser Kommentar wurde entfernt.

14.09.2020 - 16:39 - hoelwil

Hoffentlich zieht Bayern bei Alaba die Notbremse. Hat Alaba die 50 Pflichtspieltore erzielt oder war es doch Lewandowski. Lasst ihn gehen und lasst Hernandez spielen.Der hat auch 80 Mio gekostet. Aber leider wird, wie man in Köln sagt, hier wieder gelten "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich". Denn Bayern ist genauso charakterlos und geldgierig, wie Alaba und sein Umfeld.

14.09.2020 - 15:35 - HDA

Es könnte sein, das sich Fußball genau so mal abnutzt, wie Tennis oder Formel 1. Aber ich glaube nicht daran. Die Leute verdienen einfach zu viel. Da geht ein Familien Vater für sagen wir mal 2500 Netto im Monat arbeiten. Das bekommt ein Fußballprofi, wenn er gut ist, in 5- 10 Minuten.
Deshalb gehe ich viel lieber zum Amateurfußball. Eine Bratwurst und ein Getränk, der Sonntag ist ist gelaufen.

14.09.2020 - 15:23 - iapofgod

Dieser Kommentar wurde entfernt.

14.09.2020 - 15:12 - RWO-Oldie

Die Gier und die damit verbundene totale Vermarktung des Fußballs hat ihn dahin geführt, wo er heute ist.
Die Sensationslust der Eventis ist gestillt. Immmer wieder Bayern als Meister langweilt. Ob nun 222 Mio. oder 750 zieht keinen mehr hinterm Ofen her. Ob jede Woche ausverkauft - ist schon eine Selbstverständlichkeit. Dazu ein Totengräber als Bundestrainer und ein marketingtechnisch veralteter Bierhoff.
Der Fußball-Kommerz hat keine innovativen Ideen mehr. Er ist einfach nur noch langweilig und für die TikTok-Jugend uninteressant.

Corona hat die Menschen teilweise wieder dahin geführt, wo der Fußball herkommt. Auf den Sportplatz im eigenen Dorf, da wo noch echte Verbundenheit herrscht und die Local Heros noch zum Anfassen sind. Die Mädels stehen am Spielfeldrand posten auf Insta oder Youtube ihre Erlebnisse am Platz. Der Co-Trainer macht den Live-Ticker. Das Feedback erhält er direkt im Fupa-Net oder auf der Facebookseite. Dafür braucht es keine hochdotierten Manager oder Weltstars mit x-Millionen Followers.

So habe ich es am letzten Sonntag erlebt auf unserem Dorfplatz: 200 Zuschauer bei einem 800 Einwohner-Dorf - 1/4 der Bevölkerung auffem Platz (da träumt sogar Essen von). Frauen und Kinder hatten freien Eintritt. Die Kinder hatten Spaß an Fritten und Currywurst und die Männer am Pilsken. Und bis spät in den Abend wurde das Spiel noch gedreht.

Tja DFL - Erfindet euch neu. Bastelt endlich eure Geld- und Operetten-Liga und trennt diese vom echten Fußball. Der DFB kann seine eigenen Deutschen Meister ausspielen und die Geldliga spielt um den Aufstieg in die Euroliga. Da könnt ihr weltweit vermarktet, weitere Milliarden scheffeln und der wahre Fußball kann in der nationalen Liga wieder ein gesundes und identikationsstiftendes Eigenleben führen.