Wer steigt im Dortmunder Kreisliga-Kosmos eine Stufe auf? Diese Frage klärt sich gemäß der beliebten Trainer-Floskel „noch nicht am 18. Spieltag“.  In den vier B- und fünf C-Kreisligen ist das Rennen um die Spitzenplätze mehr als erbittert umkämpft. revierkick.de blickt in einer kleinen Halbzeit-Bilanz auf den Stand der Dinge.

Dortmund: Halbzeit-Bilanz in den B- und C-Ligen

Jede Liga braucht ihre Schießbude

Felix Guth
08. Januar 2007, 17:30 Uhr

Wer steigt im Dortmunder Kreisliga-Kosmos eine Stufe auf? Diese Frage klärt sich gemäß der beliebten Trainer-Floskel „noch nicht am 18. Spieltag“. In den vier B- und fünf C-Kreisligen ist das Rennen um die Spitzenplätze mehr als erbittert umkämpft. revierkick.de blickt in einer kleinen Halbzeit-Bilanz auf den Stand der Dinge.

Die Kreisliga B-Staffeln

„Ich denke, besonders wenn die Spitzenmannschaften aufeinander treffen, haben die Dortmunder B-Kreisligen ein gutes Niveau“. Dieser Satz stammt von Uwe Kiegelmann, Geschäftsführer des SSV Hacheney. Wenngleich er vor allem für „seine“ Staffel 2 spricht – diese Aussage trifft auch auf die drei anderen Gruppen zu. Die Grundtendenz stimmt und die derzeitigen Spitzenteams wären der A-Liga „würdig“. Doch es kann ja noch so viel passieren...

Der Dortmunder Westen ist so etwas wie der „Löwenkäfig“ der Dortmunder Kreisliga-Szene. Denn die Staffel 1 ist die wohl auf dem höchsten Niveau umkämpfte Gruppe. An der Spitze liegen punktgleich der TuS Bövinghausen und der FC Nette 46. Die beiden Rivalen eint dabei eine Tatsache: Beide setzten bereits ihren Trainer vor die Tür. Beim TuS ging Michael Heitmann schon nach wenigen Spieltagen, Geschäftsführer Oliver Ehlscheid folgte nicht viel später. Bei den Nettern quittierte Dieter Anders mitten in der Saison überraschend seinen Dienst. Ihre Nachfolger füllten die Lücke allerdings problemlos.

Der direkte Vergleich zeigt, wie offen dieses Duell ist. Am ersten Spieltag siegte der Fusionsverein aus Nette mit 3:0. Im zweiten Aufeinandertreffen kurz vor der Winterpause revanchierte sich der TuS eindrucksvoll und gewann mit 7:1. Größter Trumpf der Bövinghauser ist die Offensive (im Schnitt drei Tore) um die Angreifer Christian Wiegand, Patrick Amelung, Roberto Montedoro oder Sebastian Arend.

Nette und Bövinghausen sind aber nicht die einzigen Anwärter auf die Spitze: In Lauerstellung geht der Spielverein 26 in die Halbzeit. Dies darf durchaus als Überraschung gewertet werden – nicht viele hatten das Team von Trainer Rafael Knoop vor der Saison auf der Rechnung.Ebenfalls knapp „hinten“ dran: Hellweg Lütgendortmund. Natürlich gibt es auch die Enttäuschungen der Hinrunde. Den FC Merkur zum Beispiel, der im Niemandsland der Tabelle versauert.

Nicht weniger eng geht es in der „Süd-Staffel“ 2 zu. Die Reserve des Hörder SC führt hier mit knappem Vorsprung das Feld an, gefolgt vom SSV Hacheney. Das direkte Duell der beiden Spitzenmannschaften gewann Hacheney zwar sportlich, doch die fehlende Spielberechtigung eines SSV-Kickers kostete die Punkte. So hinkt der Aufsteiger aus Hacheney weiter vier Zähler hinterher. Doch Trainer Dieter Weinand gibt sich selbstbewusst: „Die Mannschaft ist gut genug, um den A-Liga-Aufstieg zu schaffen“.

„Multi-Kulti“-Fußball mit südländischem Temperament und vielen, vielen Toren – dafür stand die Staffel 3 im ersten Halbjahr. An der Spitze steht die Reserve von Landesligist Phönix Eving. Mehr als souverän leitete Trainer Jürgen Schäfer sein Team bislang durch die Saison. „Wir müssen eigentlich aufsteigen. Die A-Kreisliga sollte für eine Landesliga-Reserve das Minimum sein“, sagt Jürgen Schäfer.

Gefahr droht in der Rückrunde allenfalls durch den FC Maroc, der mit erfrischendem Fußball Akzente setzte. Auf Rekordjagd befindet sich RW Obereving. Die Bilanz: Null Punkte, bereits 150 Gegentore, dazu teilweise Probleme überhaupt eine Mannschaft aufstellen zu können.

Bleibt die Staffel 4, in der Kocatepe Camii das Maß aller Dinge darstellt. Trainer Olaf Kiesheyer träumt von der Kreisliga A. Bislang imponierte die Unaufgeregtheit, mit der Kocatepe auch kleinere Rückschläge wegsteckte. Der TuS Neuasseln hat die Verfolgerrolle inne und darf sich durchaus noch Chancen ausrechnen. „Hier herrscht schon eine gewisse Euphorie“, sagt Trainer Guido Tönnes.

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[i]Die fünf Kreisliga C-Staffeln[/i]

Die Dortmunder C-Kreisligen unterscheiden sich im sportlichen Wert kaum von denen in anderen Städten. Dennoch gebührt ihnen Beachtung: Denn fünf Staffeln á 16 Mannschaften bieten schließlich einigen hundert Fußballern Dortmunds ihr Betätigungsfeld. Hier und da hatte die bisherige Saison bislweilen sogar sportlichen Unterhaltungswert.

Zum Beispiel wenn der TV Brechten spielte. Mit zwei Vertretungen liegt der Traditionsverein aus dem Dortmunder Norden in den Staffeln 3 und 5 zur Halbzeit an der Spitze. Die „Erste“ verpatzte den Saisonstart, gewann aber die letzten neun Spiele vor der Pause. Die Zweitvertretung sprang erst am letzten Hinrunden-Spieltag auf Platz eins. Für beide Teams, die im übrigen nebeneinander im Verein eher ein Konkurrenz-Verhältnis pflegen, ist dabei aber noch längst nichts entschieden. Die „Erste“ des TVB konkurriert vor allem mit dem griechischen Klub Fortuna 66, die Brechtener Reserve hat gleich ein ganzes Verfolgerfeld von vier Teams mit gerade einmal zwei Punkten Abstand hinter sich.

In der Staffel 1 darf die Reserve des TuS Rahm auf eine positive Zukunft hoffen. Von der neuen Stärke des gesamten Vereins profitiert auch die zweite Mannschaft. Der Ex-Kirchlinder Thomas Pfabe trainiert eine Mannschaft aus ehemaligen Kreisligakickern und Betriebsfußballern – mit Erfolg, wie sich am komfortablen Sechs-Punkte-Vorsprung auf den TuS Bövinghausen II ablesen lässt.

Ein Zweitvertretung im Windschatten der „Ersten“ – das bietet auch in die Staffel 4. Dort liegt der BSV Schüren II an der Spitze und teilt die Aufstiegshoffnungen mit dem ähnlich erfolgreichen A-Liga-Überbau. Dicht hinter den Schürenern hofft aber auch die dritte Mannschaft von RW Barop auf den Sprung in die B-Kreisliga.

Überraschendes lieferte bislang die Zweitvertretung der South Dortmund Soccers in der Staffel 2. Denn während die erste Mannschaft hoffnungslos am Tabellenende der B-Liga steht, winkt der Zweiten der Aufstieg. Vor der Saison wechselte nahezu eine komplette Mannschaft des Post Telekom SV zum Hombruchsfeld. Hinter den „Soccers“ lauern jedoch der FC Brünninghausen III, Kirchhörder SC III sowie BC Sportfreunde 06.

Unvermeidlich in der untersten Spieklasse: Jede Liga hat ihre „Schießbude“. Unübertroffen ist bislang GW Kley II in der Staffel 1. Gleich am ersten Spieltag setzte beim 0:23 gegen die SG Lütgendortmund II die Rekordniederlage 2006 im Dortmunder Fußball. Ein Sieg und ein Unentschieden gab es dabei und 15 weitere Niederlagen. Nicht viel besser stehen der Polizei SV, Viktoria Kirchlinde II, FC Fortuna 66 II und PVC Brackel in den Parallelstaffeln da. Alle Teams haben dabei eines gemeinsam: Absteigen können sie nicht. Sie stehen schon ganz unten.

Autor: Felix Guth

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