SCHALKE - Ebbe Sand, das Trauma und der Traum

hb
10. März 2005, 11:07 Uhr

Ebbe Sand hat ein Trauma: den 19. Mai 2001. Ebbe Sand hat einen Traum: den 21. Mai 2005. Der Stürmer von Schalke 04 sehnt sich wie kein Zweiter in seiner Mannschaft nach der deutschen Fußball-Meisterschaft.

Ebbe Sand hat ein Trauma: den 19. Mai 2001. Ebbe Sand hat einen Traum: den 21. Mai 2005. Der Stürmer von Schalke 04 sehnt sich wie kein Zweiter in seiner Mannschaft nach der deutschen Fußball-Meisterschaft. Der Däne ist neben Gerald Asamoah und Niels Oude Kamphuis einer von drei Spielern der Stammformation der Königsblauen, die vor knapp vier Jahren nach 4:38 Minuten im Titeltaumel nur „Meister der Herzen“ wurde.

Sand hat noch immer die Bilder vom jenem denkwürdigen Tag im Kopf, als sich die Schalker am Ziel aller Träume wähnten, dann aber noch von den Bayern abgefangen wurden und Tränen vergossen. „Das ist erst vorbei, wenn ich die Schale wirklich in den Händen habe. Das ist mein Traum. Ich war dreimal in Dänemark Meister, aber deutscher Meister, das wäre Krönung“, betonte der 32-Jährige vor dem Bundesliga-Megahit am Sonntag. „Was damals passiert ist, kommt immer wieder hoch, gerade bei einem erneuten Zweikampf wie jetzt. Das ist ein neuer Wettbewerb, den müssen wir diesmal gewinnen!“

Der 1999 für elf Millionen Mark von Bröndby Kopenhagen verpflichtete Torjäger kann denn auch über die letzten Störfeuer von Bayern-Manager Uli Hoeneß nur lachen: „Wenn er meint, auf diese Art Druck machen zu müssen, dann ist das in Ordnung. Das gehört zum Geschäft. Es zeigt, dass er uns ernst nimmt.“

Sand sieht „sein“ Schalke vor dem Spiel der Spiele in einer besseren Position als 2001: „Unsere Mannschaft ist noch ein bisschen besser, die Bank ist stärker, die Konkurrenz im Team größer als damals - und wir haben mit Ralf Rangnick einen ausgezeichneten Trainer.“

Denn seinen Frust über Jupp Heynckes hat Sand zwar längst vergessen, aber: Die immer größer werdende Kluft zwischen Rangnicks Vorgänger und großen Teilen der Mannschaft hatte Sand lange schweigend beobachtet, zeitweilig nur aus der Ferne. Wegen einer Hirnhaut-Entzündung hatte ihn „Don Jupp“ im Spätsommer zum Heimaturlaub nach Dänemark geschickt. Vor dem Spiel in Wolfsburg kehrte Sand zurück. Als er dann die 0:3-Pleite auf der Tribüne verfolgen musste, machte er seinem Unmut Luft. „Die Entlassung war die richtige Entscheidung“, gab der Sympathikus am 15. September zum Erstaunen der Presse zum Besten. Spätestens dann war klar: Wenn selbst der ruhige Sand den Mund aufmacht, stimmt einiges nicht. Es habe kein System gegeben, es sei zu viel rotiert worden, Spieler seien auf falschen Positionen eingesetzt worden, bemängelte Sand nach dem Rauswurf von Heynckes öffentlich und outete sich als einer der Meuterer.

„Mit Rangnick kam der Erfolg“, weiß Sand heute. Und der kann nach dem Trauma 2001 knapp vier Jahre später seinen Traum erfüllen: Die Schale in Händen zu halten...

Autor: hb

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