Sechs Bundesligasiege in Folge: Der FC Schalke hat einen neuen Rekord in der deutschen Fußball-Eliteklasse aufgestellt, den er in erster Linie der Klasse eines Spielers zu verdanken hat.

SCHALKE - Bordon als Vaterfigur für Lincoln und Ailton

hb
11. November 2004, 12:25 Uhr

Sechs Bundesligasiege in Folge: Der FC Schalke hat einen neuen Rekord in der deutschen Fußball-Eliteklasse aufgestellt, den er in erster Linie der Klasse eines Spielers zu verdanken hat.

Sechs Bundesligasiege in Folge: Der FC Schalke hat einen neuen Rekord in der deutschen Fußball-Eliteklasse aufgestellt, den er in erster Linie der Klasse eines Spielers zu verdanken hat. Während sich sein Landsmann Lincoln aber nach seinen entscheidenden Toren zuletzt bei Hearts of Midlothian und in Hamburg im Rampenlicht sonnen darf, verrichtet abseits der grellen Kameras Marcelo Bordon seine Arbeit. „Im Moment läuft alles sehr gut. Das ist ein Verdienst der gesamten Mannschaft, nicht einzelner Leute“, sagt der Brasilianer, der von sich selbst sagt, dass Freunde seine Bescheidenheit an ihm schätzen.

Dabei wurde der 28-Jährige schon vor seinem Transfer vom VfB Stuttgart nach Gelsenkirchen mit Vorschusslorbeeren überschüttet. „Mit solchen Superlativen wie, er ist der beste Abwehrspieler der Liga, bin ich immer sehr vorsichtig. Marcelo gehört aber sicherlich zu den Top five in Deutschland“, weiß Trainer Ralf Rangnick, der Bordon im Jahr 1999 von Corinthians Sao Paulo nach Stuttgart holte, was er an dem 1,89 Meter großen und 86 Kilo schweren Modellathleten hat. „Marcelo drückt durch seine Körpersprache aus, dass er die Zweikämpfe für sich entscheiden will. Das flößt jedem Gegenspielern Respekt ein“, sagt der Schalker Erfolgscoach. Auch Manager Rudi Assauer urteilt in höchsten Tönen über Bordon. „Er ist nicht nur in der Bundesliga einer der überragenden Deckungsspieler, sondern hat internationale Klasse“, sagt der 60-Jährige.

Kein Wunder, dass die Schalker Verantwortlichen Anfang diesen Jahres nach Wochen langen Verhandlungen mit dem VfB stolze 4,5 Millionen Euro an die Schwaben überwiesen, um Bordon vorzeitig aus seinem bis 2005 laufenden Vertrag heraus zu kaufen, nachdem dieser bei den Königsblauen bereits einen Vierjahreskontrakt bis zum 30. Juni 2009 unterschrieben hatte. Allerdings musste Ex-Trainer Jupp Heynckes die gesamte Vorbereitung ohne seinen neuen Defensivchef auskommen, da Bordon den gesamten Juli für sein Heimatland bei der Copa America in Peru weilte, dort aber keine einzige Sekunde zum Einsatz kam. Es spricht für die Qualität des Linksfußes, dass er nur zehn Tage Vorbereitung auf Schalke benötigte, um auf Anhieb die erhoffte große Verstärkung für sein neues Team zu werden. „Ich bin körperlich gut drauf, die vielen Spiele machen mir nichts aus“, hat Bordon keinerlei Probleme mit der Dreifach-Belastung Bundesliga, UEFA-Cup und DFB-Pokal.

Vor jedem Spiel betet der gläubige Christ, dem eine Foto-Session mit den Kollegen vom Boulevard mit einer Bibel in der Hand am Eingang der Arena-Kapelle dann doch etwas peinlich war, dass es keine Verletzten auf dem Spielfeld gibt. Im Ruhrgebiet hat sich die bodenständige Familie Bordon inzwischen gut eingelebt. Mit Frau Janaina und Tochter Julia lebt der Herr des Hauses im ländlichen Schermbeck, gut 15 Autominuten von der Arena entfernt.

Wenn er mit der Schalker Mannschaft unterwegs ist, teilt er sein Zimmer indes mit Landsmann Lincoln, den nach Aussage von Finanzchef Josef Schnusenberg „der liebe Gott geschickt“ hat. „Marcelo ist für Lincoln und Ailton so etwas wie eine Vaterfigur. Zu ihm schauen sie auf, hören auf das, was er sagt“, sagt Team-Manager Andreas Müller. „Bei der Verpflichtung von Lincoln haben wir schon berücksichtigt, dass Marcelo Führungsaufgaben für unsere beiden anderen Brasilianer übernehmen würde“, erläutert der Schalker UEFA-Cup-Gewinner von 1997. „Wenn wir in der Kabine sind, reden wir nur Deutsch miteinander. Das gehört dazu“, erinnert Bordon, der deutsche Brasilianer, die beiden manchmal etwas launischen Spaßfußballer gerne daran, wie Integration im Sport am besten funktioniert.

Autor: hb

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